Erlebnisse in Thailand

LEBEN MIT THAILÄNDERN

Man kann in Thailand einen schönen Urlaub verleben, ohne das Land gesehen oder mit den im Alltagsleben tätigen Thailändern Kontakt zu haben. Das geschieht vornehmlich in der Aura internationaler Hotels. Erst jenseits dieser Hotelghettos begegnet man den gar nicht internationalen Thailändern und man sollte ihre Gewohnheiten und Erwartungen kennen, wenn man nicht nur einen bequemen Urlaub erleben, sondern auch etwas vom Leben und den Menschen in Thailand erfahren will.

Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer Yacht, kommen durch einen starken Sturm und landen an der Küste einer Insel, auf der sie von leichtbekleideten Menschen mit einer vornehm grauen Haut und roten Haaren begrüßt werden. Was tun Sie? Sagen Sie etwa höflich: „I kriag a Hoaxn und a Moass, woans recht isch“, oder vielleicht: „Ick will ‘ne TAZ und ‘ne Internetverbindung, wa, und denn jehm Se mich ma ‘ne Berliner Weis- se.“, ja? Ist es das, was Sie tun? Es gibt solche Leute, glauben Sie mir, meist sind sie als Touristen unterwegs und allgemein bekannt.

Intelligentere Leute mit etwas mehr Auslandserfahrung werden von bösen Ahnungen geplagt, fuchteln mit den Händen in der Luft und rufen laut: „Hilton! Where is Hilton?“ Sie sind international eingestellt und befinden sich in Urlaub. Sie waren schon früher in einem Hilton, das sich in irgendeinem exotischen Land befindet, an das sie sich nicht mehr erinnern können und wissen von daher, dass sie hier sicher sind sowie gut bedient und mit nichts Fremdem konfrontiert werden.

Der normal denkende Mensch hingegen, jener, der schon in der Schule als selbständig denkend unangenehm auffiel, bemerkt, dass er hier in einer ihm völlig unbekannten Zivilisation gelandet ist. Er erinnert sich an Karl May und einige anthropologische Berichte, die er früher gelesen hat, und er weiß, dass er nun alles, was er über gesellschaftliches Zusammenleben, alles, was für ihn traditionell, selbstverständlich und normal ist, vergessen darf, wenn er diese fremden Leute verstehen und mit ihnen leben will. Er muss, ohne das geringste Wissen von ihren Sitten und Bräuchen, von ihrem Fühlen und Denken, von ihren Problemen, ihren Hoffnungen und Freuden herausfinden, wie sie sind, wie er sie verstehen kann, ob er in ihrem Land zurechtkommt, ob er vor ihnen weglaufen sollte, mit ihnen leben kann oder vielleicht Personen findet, mit denen sich eine Freundschaft oder Gemeinsamkeiten aufbauen lassen. Aber er muss auf jeden Fall sein Verständnis von Gesellschaft und seine Verhaltensweisen ändern, denn er ist ganz sicher nicht mehr in Deutschland.

Wissen Sie ganz sicher, wo sie sind? Oder sollten die Thai sich erst grau anstreichen und die Haare rot färben, damit Ihnen auffällt, dass hier eine andere Welt ist, die ganz anders als die Ihnen gewohnte ist, und dass Sie jetzt ganz sicher nicht mehr in Deutschland sind? Damit sie sich daran erinnern, diese Leute erst in ihrem eigenen Wesen verstehen zu müssen, bevor Sie sie nach europäischen Traditionen beurteilen?

Touristen und Thailänder

Touristen leben nicht mit Thailändern, obwohl es Gemeinsamkeiten geben mag. Sie erhalten in den Hotels nur wenig Einblick in das Leben der Thai. Sie werden von Thai bedient, die auf den Umgang mit Ausländern geschult wurden oder diesen Umgang doch zumindest erlernt haben und gewohnt sind. Sie richten sich nach den Bedürfnissen der Touristen. Im Hotel konzentrieren sie sich darauf, sich nach den Sitten der Touristen zu richten und ihnen den bei ihnen üblicherweise gewünschten Komfort, die gewohnten Speisen und Getränke und die von Touristen ersehnte Kurzweil sowie die entsprechenden Dienstleistungen zu bieten. Bei Gruppenreisen werden sie zu Attraktionen geführt, erhalten viel Bier und Cola sowie wenig Einblick in das Alltagsleben und die Sitten der Thai.

Einzelreisende Touristen können problemlos im Land herumreisen. Sie können die Thai in ihrem gewohnten Umfeld sehen. Sie werden normalerweise freundlich gegrüßt, doch nähere Kontakte sind selten, wenn die betreffenden Thai keine Erfahrungen mit Ausländern haben, weil das Unbekannte und Fremde sie unsicher macht und sie nicht wissen, wie sie die Ausländer einschätzen und sich verhalten sollen. Vor allen Dingen sind es fehlende Informationen und natürlich die Sprachbarriere, die ein näheres Kennenlernen verhindert.

Im Verlauf der vergangenen Jahre wurden mehrere Dörfer auf den Besuch von Touristen vorbereitet, so dass nun die Möglichkeit besteht, einige Tage in einem Dorf zu verbringen und sich das Leben dort anzuschauen. Die Aufnahme ist freundlich und es wird auch eine Besichtigung des Dorfes durchgeführt, doch es gibt in wenigen Tagen recht wenig von dem zu sehen, was das Dorfleben ausmacht und von besonderem Interesse wäre, zumal sich nur wenige Touristen nach den ruhigen Dorfabenden sehnen und kaum etwas vom Familienleben mitbekommen. Zudem wirken sich auch hier die Sprachbarriere, die Fremdheit und ein größerer Informationsmangel als recht störend aus.

Bekannte Personen

Wer öfter mit einzelnen Personen zu tun hat, kann dabei etwas an Persönlichkeit gewinnen. Er ist nicht mehr irgendein völlig unbekannter ,Farang‘, vielmehr wird man ihn einer bestimmten Verhaltensweise, seiner Kleidung oder auch einem Charakterzug zuordnen, deshalb ist sein Verhalten diesen Thai gegenüber von äußerster Bedeutung.

Da Thai es gewohnt sind, jede Person nach ihrem sozialen Status als höherstehend oder tieferstehend einzuschätzen, damit aber bei Ausländern Schwierigkeiten haben, weil sie aus der thailändischen Werteskala entfallen, freuen sie sich über jeden auch noch so geringen Anhaltspunkt zu einer Bewertung, gleich, ob es die Kleidung, eine Verhaltensweise oder eine Information von dritter Seite ist. Ausländer sollten daran denken, dass Thailänder Schönheit, Sauberkeit und Höflichkeit eine sehr hohe Bedeutung zumessen. Sie kommen als völlig unbekannte Ausländer, die sich ihren Status und ihr Ansehen erst erwerben müssen und dies durch korrekte Kleidung und höfliches Verhalten tun können. Thailänder werden ihnen so begegnen, wie sie sich zeigen und verhalten.

Alle Menschen suchen etwas Zuneigung und Anerkennung, darunter auch Ausländer und Leute, die mit Ausländern zu tun haben. Es ist nicht wahr, dass Thailänder glücklich sind, wenn sie von Ausländern beschimpft oder missachtet werden, und es ist auch nicht wahr, dass diese Ausländer dann mit den missachteten Thai gut zurechtkommen. Aber es sind auch nur ungehobelte und ungebildete Menschen, die auf andere hinabschauen. Normalerweise haben sie ein sehr geringes Selbstwertgefühl und wollen sich einmal als große Menschen erleben. Außerdem sind sie dumm genug, zu glauben, dass große Menschen sich dadurch auszeichnen, dass sie andere missachten oder zu zeigen versuchen, dass sie bessere Menschen sind, weil sie mehr Geld haben. Thai werden meist lächelnd ihr Geld nehmen und sie als dümmliche Fatzkes betrachten – oder kurzerhand erschießen, wenn Sie es übertrieben haben sollten. Die meisten Thai begrüßen Fremde, die sie nicht einschätzen können, mit einem Lächeln und freundlichem Gruß. Ausländer sollten hier dasselbe tun.

Nähere Bekannte

Nachbarn und Arbeitskollegen, Verkäufer, Frisöre und evtl. auch Personen in Bars und Restaurants gehören zu jenen Leuten, denen man immer wieder begegnet und darauf sollten auch Ausländer sich einstellen. Es sind insbesondere zwei Fehler, die Ausländern unterlaufen, wenn sie mit Thailändern in Berührung kommen. Der erste besteht darin, den Kontakt mit ihnen abzulehnen, bzw. auf sie herunterzuschauen, weil sie meinen, dass sie als Ausländer etwas Besseres seien, eine höhere Bildung oder einen höheren Kontostand haben. Die Ablehnung wird selbstverständlich wahrgenommen und führt zur Ablehnung seitens der Thailänder, was auf die Dauer sehr lästig sein kann und oft zu schwerwiegenden Querelen führt, die ständigen Ärger bedeuten.

Der zweite Fehler besteht darin, um jeden Preis zur Gesellschaft der Thai gehören zu wollen und dies auf dem Wege von überfreundlichem Verhalten, Verbrüderungsparties oder mit Geld oder anderen Geschenken erreichen zu wollen. Bei den Verbrüderungsparties erleben die Thai, dass dieser ,Farang‘ ihre Gesellschaft nötig hat, sich anzubiedern versucht und folglich unter ihnen steht, weil er sie offensichtlich braucht. Bei den Geschenken, die grundsätzlich nicht erwartet werden, sollte der Rahmen netter und möglichst zweckmäßiger Kleinigkeiten aus dem Ausland nicht überschritten werden, sonst erleben sie, dass da jemand ist, der es nötig hat, zu zeigen, dass er mehr Geld hat, als sie und sicher mehr geben kann.

Ausländer vergessen gerne, dass sie hier neu sind und sich an die Sitten und Gewohnheiten des Landes und ihrer Umgebung anpassen soll- ten. Thailänder kümmern sich denkbar wenig um die Tätigkeiten ihrer Nachbarn und daran sollten sich auch Ausländer halten. Es ist nicht sehr sinnvoll, sich bei Nachbarn lauthals zu beschweren, weil sie am Sonntag an ihrem Haus arbeiten und dabei Lärm verursachen, weil ihr Hund bellt oder ihr Fernseher nach zehn Uhr zu laut ist und dies in Deutschland verboten ist. Gerade bei Verursachung von Lärm sind Thailänder recht unempfindlich und werden sich sicher nicht beschweren, wenn dieser Lärm sich nicht gerade jeden Tag bis weit nach Mitternacht ausdehnt.

Ausländer, die zu Partys eingeladen werden, sollten insbesondere dann, wenn diese Partys keinen besonderen Anlass haben und von Angehörigen niederer Schichten veranstaltet werden, daran denken, dass man sie einlädt, weil man glaubt, einen ,Farang‘ gefunden zu haben, der die erforderlichen Spirituosen bezahlt. Je mehr Getränke der Farang spendiert, desto häufiger werden die Partys stattfinden, und selbstverständlich wird man diesen Farang dann in der Umgebung, sei es der Nachbarn oder der Arbeitskollegen, für einen spendablen Angehörigen derselben Schicht halten, aus der sich die anderen Partyteilnehmer rekrutieren. Dementsprechend wird er denn auch in Zukunft in seiner Umgebung behandelt. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, sich etwas nach der Werteskala der Thai zu richten und eine gewisse Distanz zu wahren. Das bedeutet nicht, dass man zu Untergebenen oder zu Leuten, die hier zu einem niederen Rang gehören, unfreundlich sein muss. Ganz im Gegenteil, Höflichkeit auch gegenüber Untergebenen und Angehörigen niederer Schichten werden positiv gesehen, aber sie sollten mit einer gewissen Reserviertheit einhergehen. So sollten Körperkontakte wie etwa Schulterklopfen, das Berühren des Kopfes eines Gegenübers oder jedwede Berührung einer Person des anderen Geschlechts vermieden werden, wobei nur Barmädchen hierbei eine verständliche Ausnahme darstellen.

Es ist insbesondere für einen Ausländer nie verkehrt, einer Person eine Spur Respekt mehr zu erweisen, als ihr von einer gleichgestellten thailändischen Person gezollt würde. Auch wir mögen es, wenn jemand zu uns etwas freundlicher ist, als die meisten Leute, denen wir begegnen. Die Grenze zwischen Freundlichkeit und Unterwürfigkeit sollte allerdings grundsätzlich nie überschritten werden, wenn der ,Farang‘ nicht als dummer Tölpel aus der ungebildeten Unterschicht angesehen werden will.

Der Wai, der thailändische Gruß durch das Zusammenlegen der Hände unter oder vor der Kinnspitze, verlangt eine sehr genaue Kenntnis der Wertescala der thailändischen Gesellschaft und wird von Ausländern nicht erwartet. Wer sich nicht tatsächlich in vielen Jahren die Kenntnis dieser Wertescala und die Einschätzung unbekannter Personen in dieser Scala angeeignet hat, sollte denn auch auf die Anwendung des Wai verzichten und stattdessen mit einem Neigen des Kopfes oder einer leichten Verbeugung grüßen, was bei Ausländern akzeptiert wird. Thai erleben es als lustig oder anwidernd lächerlich, wenn ein Ausländer eine Bedienung oder ein Barmädchen mit einem Wai grüßt, der äußerste Unterwürfigkeit zeigt. Fragen stellen ein weiteres Problem dar. Viele Fragen werden nur als Zeichen des Interesses gestellt und sind nicht ernst gemeint. Beliebt sind die Fragen: „Wo kommen Sie her?“, „Wo gehen Sie hin“, oder: „Haben Sie schon gegessen?“, die als Gruß gelten und neutral beantwortet werden können, wie etwa: „Ich komme aus der Stadt.“, „Ich gehe aus.“, „Ich habe viel zu viel gegessen.“ Es werden auch intime Fragen gestellt, um Interesse zu zeigen, doch wird keinesfalls eine korrekte Antwort erwartet, wie etwa: „Wieviel Geld verdienen Sie im Monat?“, oder: „Wie oft gehen Sie mit einer (Ihrer) Frau ins Bett?“ Eine korrekte Antwort würde den Frager bestürzen. Dagegen werden Antworten, wie: „Ich hoffe, mein Lohn wird zum Essen reichen.“, oder: „Ich kann machen, was ich will, ich glaube, ich kenne viel zu wenige Frauen“, oder: „Jede Woche mindestens einmal zu wenig.“, mit sichtlicher Freude akzeptiert.

Befehle nimmt niemand gerne in Empfang, und schon gar nicht Thailänder, insbesondere dann nicht, wenn die Befehle von ,Farang‘ kommen, weil sie dabei so schnell ihr ,Gesicht verlieren‘. Doch Befehle sind auch nur selten nötig; es ist viel erfolgreicher, einen Thai um seine Hilfe zu bitten. Dadurch erhält er Gesicht, statt es zu verlieren und Thai geben sich fast immer Mühe, wenn sie freundlich um etwas gebeten werden. Selten wird einer freundlichen Bitte unfreundlich begegnet.

Lautstärke ist ein Phänomen, das kaum einen Thai stört, sobald es sie einem Lautsprecher schallt oder aus irgendwelchen Geräten stammt. Doch sobald es sich um die Lautstärke während eines Gespräches handelt, werden Thailänder extrem geräuschempfindlich. Wer in einem Gespräch laut wird, verliert damit nicht nur sein Gesicht, man geht auch automatisch davon aus, dass er im Unrecht ist, denn sonst müsste er etwas Überzeugenderes finden, um sich verständlich zu machen und durchzusetzen.

Tatsächlich hilft Schreien in Thailand nicht. Oft handelt es sich nämlich darum, dass jemand etwas nicht verstanden hat oder nicht versteht. Er wird es nicht besser verstehen, wenn man es lauter sagt, oder ihn einen Dummkopf nennt. Da helfen nur Verständnis, wiederholte Aufklärung und eine unendliche Geduld. Man kann nur versuchen, herauszufinden, warum er etwas nicht versteht – oder notfalls resignieren.

Bekanntschaften in den Bars

Hierüber sind schon viele Artikel geschrieben worden, doch zumeist wohl Erlebnisberichte, erfundene Sensationen und Preisvergleiche, was weder das Wesen dieser Institution noch das Wesen der Bekanntschaften umfasst. Die Bars befinden sich in einer Zwielicht Zone der Gesellschaft, haben einem üblen Ruf, der irgendwo zwischen dem Ruf von Nachtbars und Bordellen in Europa liegt. Der Besuch gilt als anrüchig, auch wenn man dort nur während des Tages einen Kaffee oder ein Sodawasser trinkt. Bars entstammen der verderblichen westlichen Kultur, bieten Alkohol und Mietfrauen an. ,Anständige‘ Thai gehen nicht in Bars, sie bevorzugen die der thailändischen Kultur näherstehenden Restaurants
.
Grundsätzlich sind thailändische Bars kommerzielle Unterhaltungsbetriebe, die vorwiegend Alkohol und Sex offerieren. Sie sind weder Partnerschaftsvermittlung noch Heiratsinstitut. In diesen Bars sind Frauen tätig, die in erster Linie Geld suchen oder eine Existenzmöglichkeit, nicht Sex, stattliche Farang oder einen liebenden Ehemann, sondern Geld, oder ersatzweise einen Versorger. Unter diesen Frauen befinden sich welche, die sich das Geld für ihren Lebensunterhalt oder den ihrer Familie durch ehrliche Arbeit verdienen wollen, andere suchen einen ,Farang‘, der sie und ihre Familie ernährt, wieder andere suchen einen Menschen, mit dem sie ohne Not oder Probleme zusammen leben können, wozu sie sich alle Mühe geben wollen und dann gibt es auch noch jene, die kommen, um ,die Farang‘ auszunehmen, ganz gleich, ob einen oder viele. Es ist nicht möglich, einen Menschen in einer Bar kennenzulernen, man kann dort nur einen Menschen treffen, nur eine Bekanntschaft machen. Das Kennenlernen kann damit im besten Falle beginnen und dauert meist sehr lange. Leider gibt es viele Männer, die einer Frau begegnen, die ihrem Wunschbild entspricht, die genauso aussieht, wie sie sich immer das Aussehen ihrer Lebenspartnerin vorgestellt haben. Und dann glauben sie, diese Frau zu kennen. Das ist nicht denkbar. Sie kennen nur ihre Wunschvorstellungen und reden sich (und vielleicht auch dieser Frau) nun ein, dass sie so wäre, wie sie es sich immer vorgestellt haben. Die daraus entstehenden Enttäuschungen und Probleme stellen sich dann während der Zeit des Kennenlernens ein.

Die intensive intime Bekanntschaft

Es ist nicht gerade selten, dass Ausländer in Thailand eine Frau treffen, die ihnen sympathisch erscheint, was oft genug zu einer intimen Bekanntschaft führt, auch wenn eine Lebensgemeinschaft nicht beabsichtigt ist. Doch selbst dann ist es hilfreich, einige typische Eigenheiten thailändischer Frauen zu kennen. Aber natürlich nur, weil es wahrscheinlich ist, dass Ihre Frau einige dieser Eigenheiten zeigt, und nicht, weil Ihre Frau nun genauso wie alle anderen Frauen alle diese Eigenheiten haben muss, nur weil sie in Thailand geboren ist.

Partnerschaft bedeutet eigentlich nichts weiter, als an etwas teilzunehmen, einen Teil von etwas innezuhaben oder auszuführen und in diesem Sinne kann man bei Thai und Ausländern durchaus von Partnerschaft sprechen, wenn sie einen Teil ihres Lebens miteinander verbringen, gegenseitig einen Teil des Lebens des Partners ausmachen. Doch in den Gebieten Mitteleuropas hat sich eingebürgert, unter diesem Wort, wenn es auf Paare angewandt wird, eine gleichwertige und gleichberechtigte Lebensgemeinschaft von zwei selbständig lebensfähigen Partnern zu verstehen, die auf der Basis von Zuneigung und sogenannter Liebe ihr Leben zu gleichen Teilen genießen und hierbei eine Einheit bilden. Ein sehr schönes, idealistisches, aber leider rein theoretisches Konstrukt, für das sich in freier Wildbahn leider kaum Beispiele finden lassen und dessen praktische Durchführung in Thailand vollends undenkbar ist.

Die thailändische Erziehung konzentriert sich weder traditionsgemäß noch aufgrund von Regierungsaktivitäten auf die Entwicklung von Gefühlen oder eines selbständigen Lebens, sondern insbesondere bei Frauen auf das bedingungslose Gehorchen und Dienen. Das schließt eine gleichwertige, gleichberechtigte Partnerschaft aus. Und die Annahme, dass Thai und ,Farang‘ sich aus Liebe kennenlernen und zusammenziehen, deportiert das Wort ,Liebe‘ in das Gebiet der freien Marktwirtschaft unter die Rubrik ,Lustgewinn plus häusliche Versorgung gegen Lebensunterhalt‘, was aber nicht ausschließt, dass man bei manchen gemischten Paaren nach langer Zeit des Zusammenlebens auch von Liebe sprechen mag.

So trifft es sich gut, dass weder thailändische Frauen noch partnerschaftswillige ,Farang‘ eine gleichberechtigte Partnerschaft wollen. Die Frauen nicht, weil dies nicht der Tradition entspricht und sie dazu nicht in der Lage wären, die ,Farang‘ nicht, weil sie solch eine Partnerschaft nicht für durchführbar halten und sie ihnen zu unbequem wäre.

Die Maxime eines Zusammenlebens von Thai und ,Farang‘ ist nicht ,gleichberechtigte Liebe‘, sondern entspricht eher der Maxime israelischer Kommunen, der Kibbuzim: ,Jeder leistet, was er kann und erhält, was er braucht‘. Dies ist eine Gemeinschaft, die nicht auf ,Liebe‘ basiert, sondern auf den praktischen Bedürfnissen beider Personen, immerhin eine Gemeinsamkeit, die beiden eine Lebensmöglichkeit bietet.

Voraussetzungen der Gemeinschaft

Eine kurzzeitige Gemeinsamkeit bedarf nicht vieler Voraussetzungen, gleich, ob es sich um einen Abend mit Sex, eine Party, ein gemeinsames Essen, einen Ausflug oder eine Urlaubswoche handelt. Es ist wie bei einem Aushilfsjob; man konzentriert sich auf die Tätigkeit und die Bezahlung, eine zweckgebundene Beziehung von begrenzter Dauer.

Doch je enger eine Beziehung ist und desto länger sie dauert, desto weniger lassen sich Emotionen ausklammern und desto wichtiger werden die Voraussetzungen für ein dauerhaftes Zusammenleben. Ich weiß, dass viele ,Farang‘ mir energisch widersprechen, wenn ich behaupte, dass weder die so beliebten Mandelaugen, noch eine auffallende Formschönheit des ersehnten Objektes, sein Akzeptieren oder ein eigenes Fordern textilfreier Gemeinsamkeiten eine andauernde Partnerschaft garantieren. Sie werden mir das anhand von mindestens zwanzig Fallbeispielen verflossener Partnerinnen vergeblich zu beweisen versuchen.

Um mit einem Menschen gemeinsam leben zu können, muss man bereit sein, ihn so zu akzeptieren, wie er ist, mit seiner Lebenseinstellung, seinen Interessen und seinem Verhalten, und nicht so, wie man ihn haben möchte oder wie er dermaleinst werden soll oder gar zu sein hat.
So gut wie alle thailändischen Frauen, die in einer Bar arbeiten und mit einem ,Farang‘ mitgehen, tun dies, weil sie Geld brauchen. Aber die einen sind bereit, etwas dafür zu tun oder mit einem Farang zusammen zu leben, während andere ihre Farang nur für ihr eigenes bequemes Leben, zum Ausnehmen oder zum Betrügen suchen. Gegenseitige Achtung ist bei einer Begegnung an einer Bar zwar nicht sehr häufig, aber doch nicht ausgeschlossen. Viele Frauen arbeiten zwar an einer Bar, aber sie suchen nicht unbedingt das schnelle Geld, sondern einen Mann, der sie versorgen kann und mit dem sie zufrieden leben können, auch wenn das sicher nichts mit Liebe, sondern höchstens etwas mit Sympathie zu tun hat.

Deswegen ist es unbedingt erforderlich, herauszufinden, wer Sie für diese Frau sind, und was diese Frau ihnen bedeutet. Sicher wird es einige Zeit dauern, das herauszufinden. In vielen Fällen können Sie die Absichten der Frau recht schnell kennenlernen, nämlich dann, wenn Sie von ihr mit ,Eh, Farang‘, mit ,I love you too much‘, der Sehnsucht nach dem berühmten Goldkettchen oder dem obligatorischen Motorradunfall des Bruders und den erforderlichen Zahlungen angesprochen werden.

Vielleicht sollten Sie die ausgewählte Frau nach ihren Eltern, ihren Kindern und ihren Verwandten fragen. Je mehr Gleichgültigkeit oder Missachtung sie gegenüber ihrer Familie hören lässt, oder je mehr in Not lebende Familienglieder genannt werden, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie ein heiß ersehnter Goldesel sind. Es ist auch gut, darauf zu achten, ob die Frau von sich aus auf einen eigenen Gedanken kommt, etwas für Sie zu tun, außer Bier einschenken, Schweiß abwischen, Zigaretten anstecken etc., was jene Handlungen sind, die jedes Barmädchen als vielversprechendes Zweckverhalten auswendig lernt. Es ist wichtig, dass die Frau, mit der Sie leben wollen, sich eigene Gedanken um Ihr Wohlbefinden macht, denn dafür werden die thailändischen Frauen normalerweise erzogen und wenn Sie sich keine Gedanken um Sie macht, dann werden Sie von ihr auch nicht als möglicher Partner angesehen, sondern bestenfalls als angenehmer Arbeitgeber, den sie durchaus akzeptieren kann, solange sie noch keinen besseren gefunden hat.

Es ist aber auch sinnvoll, wenn Sie sich vor sich selbst schützen. Wohl die meisten Männer lieben es, von einer besonders hübschen jungen Frau geliebt zu werden und reden sich dann ob ihrer neu entdeckten Jugend himmelhochjauchzend ein, dass sie diese Frau lieben und merken gar nicht, dass sie in ihr nur ein Gebrauchsobjekt sehen oder dass diese Frau ein besonders wirkungsvolles Zweckverhalten an den Tag legt, begleitet von einem besonders freundlichen Lächeln und ‘I love you too much’. Fragen Sie sich doch einmal, was diese Frau ihnen bedeutet, ob sie mit ihr über Ihre Probleme sprechen können, oder ob Sie mit dieser Frau auch noch leben wollen, wenn sie dick wird oder bei einem Unfall ein Bein verliert.

Probleme mit den Gewohnheiten

Menschen, die sich kennenlernen und versuchen, zusammenzuleben, haben fast immer Probleme, sich aneinander, an die Bedürfnisse des anderen und die Bedürfnisse des neuen gemeinsamen Alltags zu gewöhnen. Die größeren Probleme dürften Sie dabeihaben, denn Sie sind der Neue, der sich nicht nur an eine fremde Person, sondern auch an eine fremde Kultur gewöhnen darf uns sich deshalb völlig neu informieren muss.

Sicher wird eine Frau, die mit Ihnen leben will, sich alle Mühe geben, sich an Sie und ihre europäischen Sitten zu gewöhnen. Aber diese Bemühung findet spätestens dort ihre Grenzen, wo es dieser Frau unmöglich ist, bestimmte Gewohnheiten aufzugeben oder sich an einzelne Ihrer Gewohnheiten anzupassen. Oder dann, wenn Sie glauben, dass diese Frau sich grundsätzlich nur an Ihre Gewohnheiten anzupassen hat, weil Sie der Ernährer sind und das Geld haben. Sie können von einem Menschen nicht gut verlangen, dass er sein Leben aufgibt, damit er mit Ihnen leben kann. Er wird vielleicht für eine gewisse Zeit auf Ihre Forderungen eingehen, nämlich solange, wie er Ihr Geld unbedingt zum Überleben braucht. In dem Augenblick, wo er genug hat oder sich eine andere Lebensmöglichkeit ergibt, wird er Sie verlassen, um wieder leben zu können.

Die Religion bringt einige Gewohnheiten mit sich, die Ihnen fremd sind. Aber Sie können keinem Menschen seinen Glauben verbieten. Ihnen mag die christliche Religion gewohnter sein, als die buddhistische, aber sie ist nicht logischer. Und auch dann, wenn Sie überzeugt sind, dass es keinen Gott gibt, so ist es doch der Glaube an ihre Religion oder ihren Gott, der ihrer Bekannten einen inneren Halt im Leben gibt, und nicht Sie. Es hilft niemand, wenn Sie ihr diesen Glauben und damit ihren Halt nehmen. Sie sollten akzeptieren, wenn sie die Geisterhäuschen Ihres Hauses oder Ihrer Wohnung versorgt, betet, Opfergaben darbringt und zum Tempel geht. Wenn Sie ihr sagen, dass Sie nicht religiös sind, wird das von ihr akzeptiert. Sie wird dann vor dem Geisterhaus beten und zum Tempel gehen, um Ihnen dann stolz mitzuteilen, dass Sie sich keine Sorgen zu machen brauchen, weil sie für Sie mitgebetet und geopfert hat.

Thailändische Speisen sind für Thai ein Genuss und eine Selbstverständlichkeit, für Europäer hingegen oft schwer genießbar. Es hat keinen Sinn, einem Menschen mit dem Sie leben, die ihm gewohnten Speisen zu verbieten. Wenn Sie es wünschen, wird ihre Bekannte versuchen, europäisches Essen zubereiten und davon probieren. Vielleicht findet sie einige Sachen schmackhaft und andere ungenießbar. Genauso wird es Ihnen bei thailändischen Speisen ergehen. Wenn Sie beide zum Probieren bereit sind, lassen sich Speisen finden, die sie gemeinsam essen können – und es wird andere Speisen geben, die Sie am selben Tisch jeder für sich essen.

Geduld ist für Sie die wichtigste Eigenschaft, von der Europäer nur selten genug haben. Bei einer Thai, die ernsthaft mit Ihnen zu leben versucht, dürfen Sie davon ausgehen, dass sie nicht bösartig ist, nichts aus bösem Willen tut. Aber sie dürfen auch davon ausgehen, dass es relativ oft vorkommt, dass sie Sie weder emotionell noch logisch versteht und sich nicht in Sie einfühlen kann. Wahrscheinlich geht es Ihnen umgekehrt nicht viel besser. Hier hilft es nicht, zu schreien oder beleidigt zu sein. Wie bei einem Kind, das etwas nicht versteht, ist es nur möglich, die Situation und die Zusammenhänge in Ruhe zu erklären – und im Notfall zu verstehen, dass sie Sie nicht verstehen kann, oder umgekehrt.

Fehler sind in Thailand normal. Sie geschehen nicht aus böser Absicht, sie haben folglich keine große Bedeutung und gelten sicher nicht als Charakterschwäche. Wenn Sie einen Fehler machen, wird Ihre Gefährtin höchstens lachen oder eine Zeit lang schmollen, wenn sie überhaupt reagiert, aber sie wird Ihnen kaum lange böse sein, wenn es wirklich nur ein Fehler und keine überlegte und beabsichtigte Handlung war. Sie sollten sich ihr gegenüber genauso verhalten – und schlimmstenfalls geduldig erklären, warum es ein Fehler war, aber niemals Perfektion erwarten.

Das Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrer Partnerin ist nicht die besungene immerwährende hehre Liebe, die sich auch kaum in der Realität findet. Sie hat auch nichts mit Selbstaufgabe zu tun. Die Beziehung besteht bestenfalls in einer Freundschaft, die vielleicht nach vielen gemeinsamen Jahren Liebe genannt werden kann. Sie können also von ihr nicht verlangen, was sie aus lauter Liebe zu tun hat, wie beispielsweise ihre Religion, den Kontakt zu ihrer Familie aufzugeben, sich nicht mehr um Geister zu kümmern, kurz, sie wird zwar Ihnen zu liebe versuchen, sich an Sie anzupassen, aber sie wird nicht aus lauter Liebe zu Ihnen ihre Anschauungen, ihr Wesen und ihre Persönlichkeit verändern.

Das hat andererseits den Vorteil, dass keine emotionelle Anklammerung stattfindet. Es kann zwar sein, dass sie auf ihre finanzielle Versorgung angewiesen ist und diese nicht verlieren, sondern unter Anwendung aller möglichen Mittel durchsetzen will, aber die beliebten Diskussionen unter dem Motto ,Du liebst mich nicht‘, ,beweise mir, dass Du mich liebst‘, ,ich kann doch ohne Dich nicht leben‘, ,versprich mir, dass Du mich immer lieben wirst‘ und ähnlicher Unfug sind unbekannt. So ist denn auch Eifersucht bei den meisten Thai eine Reaktion, die eher durch die Furcht vor der Versorgung ausgelöst wird, als aus Furcht vor Liebesverlust.

Die Intimsphäre bietet weitere Probleme, denn sie ist den meisten Thai gar nicht bekannt. Aufgewachsen mit den Eltern oder mit den Geschwistern in einem Raum, sind sie nie alleine gewesen und haben auch kein Bedürfnis danach. Es wird völlig unverständlich sein, wenn Sie einmal Ihre Ruhe haben, alleine sein oder etwas für sich alleine wollen. Das bezieht sich auch auf Filme oder Musik, denn solche Sachen sind grundsätzlich nur Unterhaltung. Deshalb gibt es keinen Grund, sich nicht mit Ihnen über eine komische Marktfrau oder die seltsame Bluse einer Nachbarin zu unterhalten, während sie Nachrichten oder einen Film sehen oder versunken Ihrer Lieblingsmusik hören. Auch wenn sie während irgendeiner Arbeit Ruhe brauchen, ist das völlig uneinsichtig, denn Sie können ja auch mit ihr jederzeit sprechen, wenn sie das Haus putzt oder Geschirr spült. Ganz abgesehen davon, dass Gespräche nichts aussagen oder der Wahrheit entsprechen müssen, denn es handelt sich ja nur um eine nichtssagende Unterhaltung, die nichts als Spaß machen soll.

,Gemeinsamer Besitz‘ ist sehr missverständlich. In Thailand bedeutet es, dass der Besitz eines Partners automatisch auch dem anderen (und eventuell auch seiner Familie) gehört. So kann ihre Gefährtin Ihr Videogerät ihrem armen Vater ,leihen‘, weil Sie es ja kaum benutzen und er sich keins erlauben kann, und Ihren Camcorder einem dreizehnjährigen Neffen für einen Ausflug mit den Pfadfindern geben, weil ihm das ein enormes Ansehen verschafft und weil Sie ja noch einen Fotoapparat haben und außerdem genug Geld besitzen, sich die Geräte neu zu kaufen. Dafür dürfen Sie ja auch alles benutzen, verbrauchen oder ,verleihen‘, was Ihre Gefährtin besitzt und es ist nichts weiter als bedauerlich und Ihr persönliches Pech, falls sie nichts haben sollte.

Hat Ihre Gefährtin auch nicht sehr tiefe Gefühle für Sie, so tut sie doch alles, um Ihr Leben angenehm zu gestalten und ist sicher nicht völlig gefühllos. Deshalb fühlt sie sehr gut, ob Sie ihr Zuneigung und Anerkennung geben, so wie sie es bei Ihnen tut, oder in Gegenwart anderer.

Es war eine Diskussion von Einwanderern in Thailand über ,Liebe‘, die darauf aufmerksam machte, dass sich die Einstellungen zur Partnerschaft, insbesondere zu den Partnerschaften zwischen Thailändern und Ausländern geändert haben. Auch die wechselseitigen Einstellungen gegenüber Thailändern oder Ausländern, darunter insbesondere den weiß häutigen, die hier ,Farang‘ genannt werden, haben sich geändert. Die Diskussion war sehr lustig. Es zeigten sich unterschiedliche Definitions- versuche und sehr verschiedene Meinungen. Dies zeigt zweierlei: Die Sinnfestlegung oder Definition eines Wortes ist zwar eine Voraussetzung, um über dieses Wort und den von ihm umschriebenen Bereich diskutieren zu können, hat dann keinen Sinn, wenn die Definition nicht verstanden oder nicht akzeptiert wird und jeder dasselbe Wort mit einem unterschiedlichen Wert benutzt, so wie er es eben empfindet.

Zudem nützt die schönste Definition nicht zur Bewältigung praktischer Probleme. So sinnvoll sie zum Verständnis eines Wortsinns sein kann, so hinderlich kann sie beim Verständnis eines Menschen werden, denn die Definition ist ein hypothetisches Konstrukt, das seine Verwendung in einer Abstraktion findet, und die Einstellungen und Probleme eines Menschen sind auf einer ganz anderen Ebene, nämlich in den Empfindungen eines Menschen angesiedelt, die zur Aufnahme von Abstraktionen nur sehr ungenügend geeignet sind. Dazu tragen auch Verständnisschwierigkeiten aufgrund von Sprachgewohnheiten verschiedener geografischer Gebiete als auch verschiedener Bevölkerungsschichten bei.

Fragen, Unterhaltungen und Debatten, die nach der erwähnten Diskussion in weiteren Kreisen geführt wurden, ergaben einen ungefähren Überblick über die derzeit vorwiegende Einstellung gegenüber ,Liebe’ oder Partnerschaft, als Bestätigung für ein Gefühl, das sich im Laufe der letzten Jahre ohnehin ergeben hatte.

Um aber mit verständlichen Aussagen arbeiten zu können, müssen wir uns zunächst von der ,Liebe‘ verabschieden. Das griechische Wort ,Agape‘ bezeichnete, im Gegensatz zum Eros, der Liebe zum Geschlecht oder der Sexualität, die Liebe zum Menschen. Diese aber beinhaltete auch die Zuneigung, Wohlwollen oder gar einfache Sympathie. Das Wort ,Liebe‘ wurde jedoch über die Jahrhunderte im deutschen Sprachraum durch religiöse und literarische Schriften derart hochstilisiert, dass es als ,eine göttliche Gabe‘, die ,völlige Hingabe zu Gott, dem Herrn‘, die ,reine Nächstenliebe im Herrn’ etc. in die direkte Nachbarschaft des Wortes ,heilig‘ versetzt wurde und besonders in religiösen Kreisen auch heute noch als ,gottgegeben‘, ,erhaben‘ und ,rein‘ verstanden wird.

In den gängigen Wörterbüchern finden wir unter ,Liebe‘ alles, von der ,aufopfernden Hingabe’, über die ,durch chemischen Stoffwechsel verursachte erotische Anziehung‘ bis zur ,zwischengeschlechtlichen Attraktion von Lebewesen‘ und dem ,biologischen Zeugungsvorgang‘, was weder eine allgemeingültige Auffassung noch große Aufklärung darstellt. Wenn auch in den Humanwissenschaften Formulierungen wie etwa ,eine humane, oft devote, aufopfernde und erwartungsfreie Hinwendung‘ weitgehend akzeptiert wird, so handelt es sich doch um einen Trugschluss. Man spricht gern von der Mutterliebe und vergisst, dass das Kind für die Mutter ein Teil ihrer selbst oder eine Selbstverwirklichung (oder auch Altersversorgung) sein kann und sie ihr Kind als Teil ihrer selbst liebt. Das ist zwar positiv, aber nicht unbedingt selbstlos und auch nicht ganz ohne Erwartungen. Die Liebe des Vaters ergibt sich zumeist in der Identifikation; er sieht sich oftmals selbst in seinem Produkt und liebt seinen Sohn, indem er ihm alles gibt, was er selbst früher gerngehabt hätte, zwingt ihn vielleicht, den Beruf zu ergreifen, den er selbst einmal gewollt hatte. Das ist weder frei von Erwartungen, noch hat es viel mit Selbstaufgabe zu tun, wenn auch eine positiv gemeinte Absicht nicht abgestritten werden kann und der Vater Mühen und Kosten auf sich nehmen mag.

Dann gibt es noch ,die hilflosen Helfer‘ und die Identifikation, in der Leute sich im Wesen oder der Lebenssituation eines jüngeren Menschen wiederfinden und ihm die Hilfe geben, die sie in diesem Alter gebraucht oder gerne erhalten hätten. Und wir finden Personen, denen es aberzogen wurde, etwas für sich selbst zu tun und die nun hingehen und ,völlig selbstlos‘ anderen Menschen helfen und sich in der Identifikation darüber freuen, dass sie viele Hilfe geben, sich vielleicht auch in der Identifikation freuen, so viele Hilfe zu erhalten. Aber diese völlig devote, selbst- aufopfernde und erwartungsfreie Liebe finden wir höchstens in der Literatur, jedoch begegnen wir ihr kaum jemals im praktischen Leben. Diese Liebe wurde lange Jahrhunderte als die ,Gottesliebe‘ und als ,göttliche Liebe‘ in den höchsten Tönen gelobt. Es ist wirklich schade, dass es sie nicht gibt.

Es gibt in Thailand keine Liebe. Leider, leider. Genauso wenig, wie etwa in Deutschland oder Europa. Es ist wichtig, dies zu sagen, denn noch vor zwanzig Jahren kamen viele Menschen nach Thailand, bevorzugt Männer, um die ,Liebe‘ zu suchen. Darunter verstanden die einen sexuelle Erlebnisse mit vielen schönen Frauen, auch ,Gelegenheitsbumsen‘ genannt. Und die anderen verstanden darunter den Ankauf, das Ausleihen oder die Heirat mit einer ;liebenden Frau‘, sprich einem devoten, selbstaufopfernden und exotischen Wesen, das keinerlei Erwartungen zu haben hat (wenn man von einer Schale Reis am Tag absieht).

Noch vor zwanzig Jahren und auch später begegnete man diesen Leuten häufig in heißen Diskussionen an der Öffentlichkeit von Bartresen, wie sie sich darüber stritten, wo man ,die beste Liebe findet‘, sprich, wo man die schönsten Frauen findet, über die man am preiswertesten ,schnell ‘mal eben drüber rutschen’ kann. Und jene die Erfahrungen austauschten und sich gegenseitig erzählten, ,wie man diese Halbaffen dressiert, damit sie etwas Kultur annehmen und brauchbar werden‘. Und das hat sich in den vergangenen Jahren geändert.

Vermutlich hat es sich in Europa durch einige vernünftige Medienberichte, viele Urlauber und durch viele Europäer, die mit Thailänderinnen zusammenleben und verheiratet sind, inzwischen herumgesprochen, dass Thailand eben doch nicht nur aus Urwald und einem großen Puff besteht, in dem man für ein paar Taler Halbaffen jagen und ins Bett zerren kann. Auch die Anzahl der in Thailand verheirateten Expats und die Berichte in Internet – Foren scheinen zu dem Meinungswechsel beigetragen zu haben, der sich bei heutigen Thailandbesuchern bemerken lässt.

Abgesehen von einigen hartgesottenen Puffgängern, die immer noch irgendeinen weiblichen Körper für ein paar Minuten suchen, hat sich doch der Trend verstärkt, zumindest eine Art Freundin zu suchen, eine Art Partnerin für eine Reise oder für einen Urlaub. Relativ häufig wird dabei betont, dass die Frau schon etwas nett sein sollte, dass man sich miteinander verstehen sollte und es wird auch über angenehme Erfahrungen berichtet. Es wird akzeptiert, dass die thailändischen Frauen eine andere Lebenseinstellung haben, dass sie überhaupt anders sind und man nicht überlegen ist, weil man aus einem Land mit höherer Kultur käme, sondern dass man sich bemühen muss, die kulturellen Unterschiede zu verstehen. Viele Männer meinen auch, dass sie ja nicht nach Thailand kämen, wenn hier alles schlechter wäre oder alle Thai dumm seien. Ausländer, die hier als Expats leben, äußern zwar, dass ihre Frauen unselbständiger sind, als europäische Frauen, und dass sie weniger gelernt haben, betonen aber in den meisten Fällen, dass sie mit ihren Frauen glücklich oder zufrieden zusammenleben, dass die Frauen sich alle Mühe geben, ihnen das Leben angenehm zu machen und dass Streit oder Auseinandersetzungen im Gegensatz zum Leben mit europäischen Frauen äußerst selten sind.

Männer, die irgendwann einmal in Thailand leben oder ihren Lebensabend verbringen wollen, suchen nicht mehr in dem Masse wie früher eine billige und gehorsame Putzfrau, die man auch ins Bett befehlen kann, sondern weit eher eine Partnerin zu einem gemeinsamen Leben, zu dem auch gemeinsame Unternehmungen gehören. Dies geht auch daraus hervor, dass viele von ihnen davon sprechen, dass sie noch Kinder haben wollten und mit ihrer thailändischen Frau und ihren oder den gemeinsamen Kindern in einer Familie zusammenleben wollen, obwohl ihnen die sich daraus ergebenden Erziehungsprobleme bekannt sind. Sie sind dem thailändischen Lebensstil gegenüber toleranter eingestellt, als man dies früher beobachten konnte und viele von ihnen lieben ,die thailändische Ruhe und Gelassenheit, die Toleranz und den Frohsinn der Thai‘. Sie suchen nicht mehr so oft wie früher die ,Liebe‘ als reinen Sex oder in einer sich unterwerfenden Dienerin, sondern sprechen von einer Freundschaft, einer Partnerschaft oder einer Familie.

Auf die sich verändernde Einstellung der Besucher, die Auswirkungen der Medien, aber vor allen Dingen auch die sich herumsprechenden Berichte von hier in Thailand mit Expats lebenden thailändischen Frauen, von gemischten Familien und hier lebenden Ausländern ist es zu- rückzuführen, dass auch die Einstellung vieler Thailänder gegenüber Ausländern moderater geworden ist. Zwar werden die ,Farang‘ durchwegs noch als reich bezeichnet, aber man geht nur noch in sehr ungebildeten, meist von Kommunikation und Medien abgeschnittenen Bevölkerungsgruppen davon aus, dass alle Farang dumm sind und sich nicht benehmen können. Zu oft hat man von Ausländern gehört, die gute Leistungen gezeigt haben, die irgendwo unterrichten, mit ihren thailändischen Familien gut zusammenleben und im Umgang mit den Thai höflich sind. Deswegen ist der Gedanke von Auswanderern, hier in Thailand eine Frau zu suchen, mit der sie leben können, nicht unrealistischer als der Gedanke von Mitteleuropäern, dies in ihrer Heimat zu tun. Der Erfolg ist hier wie dort von der gegenseitigen Achtung, Toleranz und Zuneigung abhängig, wenn die Lebensgrundlage gesichert scheint.

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