Ankündigung „Nur eine Illusion“

Ein Auszug aus dem ersten Kapitel aus meinem Roman „Nur eine Illusion“. Er ist noch nicht fertig und schon viele Jahre in Arbeit, aber s geht dem Ende zu.

„Mein Jugendtraum war Asien. Schon als Schüler las ich Alles was es damals an Büchern über Asien gab. Marco Polo, Pearl S. Buck und noch Einiges. Viel gab es damals nicht zu lesen. Ganz anders heute, wo man in den Bücherläden und im Internet alle Informationen finden kann die man sich wünscht. So entstand in meinem Kopf ein Bild von Asien, dass sich an keinem bestimmten Land orientierte und der große Wunsch diese völlig andere Welt kennen zu lernen und dort zu leben.
Als Kind einer Arbeiterfamilie war dies aber nur eine kindliche Vorstellung und konnte nur ein Traum bleiben, so dachte ich damals und konzentrierte mich auf meine Ausbildung, die ich erfolgreich abschloss. Doch Asien war auch dann noch immer in meinem Kopf und ich hatte die ganzen Jahre über, auch weiterhin Alles gelesen, was ich über Asien zu lesen bekam. So erzählte ich meinen Freunden, denen die es hören wollten und auch denen die sich dafür nicht interessierten, immer wieder von Asien, das so weit weg war und unerreichbar schien und das ich den Wunsch hatte, es einmal zu sehen. Von so machen Freunden und Bekannten erntete ich nur spöttische Blicke und Bemerkungen.
Doch hatte sich der Begriff Asien für mich geändert und ich hatte, auch auf Grund meiner Ausbildung, schon eine konkretere Vorstellung davon, wo ich gerne leben wollte. Südostasien war es, was mich so anzog. Dieser Wunsch war noch nicht auf ein konkretes Land begrenzt, das ergab sich später, durch Zufall. So war es auch der Zufall, der mich einen amerikanischen Soldaten kennen lernen lies und mit dem mich nach einigen Jahren eine tiefe Freundschaft verband. Natürlich kannte er meinen Wunsch, Südostasien kennen zu lernen.
Eines Tages kam er mit der Nachricht, dass er nach Vietnam versetzt wurde und nur noch eine Woche in Deutschland sein würde. Meine Gefühle waren sehr gemischt und schwankten, zwischen dem Traurig sein das ich mit meinem Freund nicht mehr zusammen sein konnte und ein wenig Neid, dass er nach Sudostasien gehen konnte und ich nicht. Die letzten gemeinsamen Tage vergingen sehr schnell und dann kamen die Briefe aus einem fernen Land. Aus Vietnam und Thailand.
Doch einige Monate später, ich war gerade 19 Jahre alt geworden, kam eine Einladung von ihm, ihn in Thailand zu besuchen und er würde die Kosten dafür übernehmen, da er wusste, dass ich es mir niemals hätte leisten können und ich solle es als ein Geburtstagsgeschenk von ihm sehen. Meine Gefühle, die ich damals empfand, kann ich heute nicht mehr beschreiben, aber ich weiß noch, dass ich Feuer und Flamme war. Dass es nicht so ohne weiteres zu realisieren sein würde, war mir einfach gleichgültig. Es würde sich schon einen Weg finden lassen. Der Weg ist das Ziel, diesen Spruch hatte ich in einem der vielen Bücher über Asien gelesen und er sollte mich mein ganzes Leben begleiten und zu meinem Lebensmotto werden.
Die Wochen der Vorbereitung vergingen sehr schnell, Pass besorgen war nicht so einfach, da ich das Einverständnis eines Sorgeberechtigen brauchte und da hatte ich einige Hürden zu überwinden. Doch mein Vater hatte ein Einsehen und unterschrieb. So stand meinem Abenteuer, dass im Monat Juli beginnen sollte, nichts im Wege.
Es wurde ein langer Flug. Heute kann ich mich nicht mehr genau erinnern, wie lange ich unterwegs war und wie viel Zwischenstopps es gab, ist einfach zu lange her. Doch wir landeten am frühen Vormittag auf einem Militärflugplatz im Osten von Thailand, heute noch bekannt unter dem Namen U-Tapaoh. Damals war es ein reiner Militärflughafen und auch Stützpunkt der amerikanischen Streitkräfte.
Schon der Flug hatte mich war ein richtiges Abenteuer, denn es war der erste Flug meines Lebens und damals sicher nicht selbstverständlich. Natürlich war ich sehr aufgeregt und hatte fast nicht geschlafen. So war ich auch wach beim Anflug über Thailand auf den Flughafen U-Tapaoh. Schon der Eindruck aus der Luft, bei glasklarem Sonnenschein, war überwältigend.

Noch auf der Treppe beim austeigen überkam mich das starke Gefühl nach Hause gekommen zu sein. Mein Freund holte mich ab und wir kamen durch einige Kontrollen ins Freie. Hier wimmelte es nur von Soldaten, aus Thailand und aus Amerika. Danach verließen wir das Gelände der Militärbasis und standen dann auf einer staubigen Straße aus rotem lehmigem Boden, an deren Rand sich einfach Hütten aus Holz, Schilf oder Wellblech reihten. Viele kleine Menschen sah ich, Asiaten eben und daran musste ich mich erst einmal gewöhnen, denn ich dachte zuerst, es wären Kinder oder Jugendliche. Alle lächelten uns freundlich an und sagten etwas in einer Sprache die weder ich noch mein Freund verstand. Nur ganz Wenige konnten ein wenig englisch, aber mit einer eigenartigen Aussprache, so dass ich zweimal hinhören musste, um einigermaßen den Sinn zu verstehen. Auch Waren und Essen wurden uns zum Kauf angeboten, doch die lehnte wir dankend ab, indem ich den Kopf schüttelte und einfach ebenso versuchte zu lächeln, wie diese Menschen. Nur die wenigsten der angebotenen Waren kannte ich, aus Büchern oder von Bildern.
Durch einen Bekannten hat mein Freund eine Unterkunft, für uns, bei einer thailändischen Familie besorgt. Ein Jeep brachte uns zu dem kleinen Holzhaus auf Stelzen, wo uns eine thailändische Familie überschwänglich begrüßte. Unser Gepäck wurde in das Haus gebracht und dann duschten wir. Durch den regen Briefkontakt mit meinem Freund, war mir schon bekannt, dass Toiletten und Duschen in Thailand etwas anders aussahen als bei uns in Deutschland. Beides befand sich in einem Verschlag hinter dem Haus. In diesem Verschlag befanden sich ein Tonkübel mit Regenwasser und eine Schöpfkelle.
So langsam machten sich auch die Anstrengung und die Hitze bemerkbar und ich war auch froh über eine Abkühlung. Nach einer ausgiebigen Dusche und dem Umziehen, hatten unsere Gastgeber eine umfangreiche Mahlzeit auf einer Matte, am Boden des Hauses angerichtet. Alles waren fremdartige Gerichte und ich kannte keine der Speisen. Als Besteck gab es Löffel und Gabel für uns, doch unsere Gastfamilie aß mit den Händen. Manches davon war höllisch scharf, aber es gab auch Gerichte, die nicht so scharf waren. Von allen Speisen probierte ich, denn ich war und bin sehr neugierig auf Neues. Und dann sah ich durch die Kokospalmen hindurch das Meer und bat darum einmal ans Meer gehen zu können. Es war nur etwas 400 – 500 Meter entfernt. Dies war auch die erste Begegnung, meines damaligen Lebens, mit dem Meer.
Den ganzen Nachmittag verbrachten wir am Wasser. Die thailändische Familie begleitete uns. Darunter befand sich auch eine Verwandte der Familie, welche Englischlehrerin war, was wohl auch der Grund war, warum man sie uns vorgestellt hatte. Wir nutzten diese Chance und so war sie fast ständig am Übersetzen. Genau dieser Lehrerin habe ich es zu verdanken, dass ich bis heute mein erstes, gelerntes thailändisches Wort, nicht vergessen habe. Wenn man es so sehen möchte, dann hatte Sie damals den Grundstein gelegt, für meine heutigen Sprachkenntnisse. Habe Sie aber danach leider niemals wiedergesehen.
Unser Aufenthalt im Meer wurde immer wieder durch kleine thailändische Picknicks unterbrochen. Und bei dieser Gelegenheit schmeckte mir etwas besonders gut. So eine Art Chips oder Flips. Als die Lehrerin dies bemerkte sagte sie zu mir immer: „Kät muh, Kät muh“ – und ich wusste nicht so Recht was ich damit anfangen sollte. Doch dann war mir auf einmal klar, was sie meinte. Es war das gemeint, was mir so schmeckte. Heute weiß ich dass es sich dabei um gebackene Schweinehaut handelt. Kann Euch nur sagen, es schmeckt wirklich gut. Probiert es einfach einmal.
Spät am Nachmittag ging es dann zurück zum Haus und es wurde schon wieder Essen gekocht. Mir kam es so vor, als würden Thai immer essen. Übrigens ist dieser Eindruck bis heute geblieben. Kurz und gut, nach einem anstrengenden Tag, der mich überwältigt hatte, mit seinen Eindrücken, ging ich schlafen. Auf einer dünnen Matratze auf dem Boden. Ein alter Ventilator drehte an der Decke seine Runden, das war das Letzte was ich wahrgenommen habe, denn ich schlief sofort ein.
So endete der erste Tag meiner Begegnung mit Thailand, dem Land des Lächelns, wie es überall genannt wird. Ja und damals lächelten die Menschen in diesem Land immer und überall, obwohl sie ein einfaches und schweres Leben hatten. Tourismus steckte in den Kinderschuhen, von der heutigen industriellen Entwicklung ganz zu schweigen. Gastfreundlich und neugierig waren Sie, die Menschen denen ich begegnete, teilten das Wenige was sie besitzen mit uns und man wurde überall mit offenen Armen begrüßt.
So vergingen meine ersten 14 Tage wie im Fluge, mit einem Streifzug durch Teile des Landes. Pattaya (ein kleines Fischerdorf) mit nur einem Hotel, Bangkok und Nakhon Sawan, waren meine Stationen, bis ich die Rückreise antreten musste, den Kopf voll mit der Fülle von Eindrücken die ich noch gar nicht Alle verarbeitet hatte.
Eine halbe Stunde vor meiner Abreise hatte ich noch nicht einmal gepackt. In diesen wenigen Tagen, es waren genau 12 bis zu meinem Rückflug, lernte ich viele Teile von TH kennen. Unser Trip ging von Sattahip, über das damals noch sehr kleine Pattaya, nach BKK und dann nach Nakhon Sawan. Vielfältig, bunt und vor allem exotisch waren die Eindrücke. Eigentlich kann ich es nicht richtig in Worte fassen, was in mir vorging. Irgendwie war das Alles nur in Traum, so dachte ich manchmal.
Menschen die ich kennen lernte, begegneten mir nicht nur freundlich, sondern sie gaben auch von dem Wenigen, das sie hatten, ohne zu zögern, etwas ab. Wo wir auch waren, es wurde immer Alles geteilt. Es war für die Menschen selbstverständlich und es kam nie ein ungutes Gefühl auf. Sehr gut kann ich mich an diese Eindrücke erinnern.
In Nakhon Sawan war auch das zu Hause eines thailändischen Verbindungsoffiziers zu den Amerikanern, der meinen Freund kannte und darauf bestanden hatte, dass wir ihn besuchen.
Das hätten wir besser nicht getan, denn dort traf ich …… Sie. Na, ihr könnt Euch denken was ich meine. Sie war die Tochter des Offiziers und im gleichen Alter wie ich. Hatte eine, für die damalige Zeit, sehr gute Ausbildung und sprach ziemlich gut Englisch, wie auch ihr Vater. Dieser war der westlichen Kultur sehr zugeneigt, was damals nicht immer der Fall war………… Ich bin nicht abgeflogen, sondern blieb 7 Jahre am Stück in Thailand“

Copyright © 2017 Johann Schumacher

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