Die schönen Ladys vom Isan

Endlich geschafft, das Buch ist überarbeitet und veröffentlicht. Übrigens das am besten verkaufte Buch von Dr. G. M. Gad Labudda. Es wird als E-Book und Taschenbuch zu kaufen sein. Im Kindl-Shop von Amazon, ist der Einführungspreis für das E-Book kurze Zeit auf 2,99 € festgelegt. Bis beide Bücher zu finden sind kann es noch 1-3 Stunden dauern, so meine Erfahrung. Zur Veröffentlichung hier nun noch ein Kapitel aus dem Buch. Viel Spaß beim lesen. Viel Spaß beim Lesen

10.000 EURO FÜR EINE UNZERTRENNLICHE EHE

Es ist bekannt, dass viele Männer nach Thailand kommen, um sich für 20.000 oder 30.000 Baht, die sie einer Frau oder ihren Eltern geben, eine Frau zu ‘kaufen’, die sie dann bei Bedarf heiraten können, um diesen Besitz zu legalisieren und zu festigen. Doch es gibt inzwischen auch thailändische Frauen, die sich einen Farang für die Ehe kaufen, und manche dieser Ehen erweist sich als äußerst dauerhaft, ja geradezu als unzertrennlich.
Pau war eine erfahrene Frau. Sie hatte schon mehrere Jahre in den verschiedensten Bars und unzählige Männer hinter sich, aber sie war ihren Vorstellungen des Reichtums, den sie in Pattaya erwerben wollte, noch nicht nähergekommen. Zwar hatte sie Perioden mit guten Einnahmen erlebt, doch das Geld war viel zu schnell wieder verflossen, meist war es direkt an die Familie gegangen, die dringend Hilfe brauchte, weil sie so arm war und die Tochter speziell für die von ihr zu erwartenden Hilfsleistungen gründlich erzogen hatte. Auch kamen die Einnahmen viel zu spärlich, um gespart werden zu können, wenn man sich außerdem auch noch etwas vergnügen wollte. Selbst dann, wenn man jeden Tag einen Mann fand, so kam man im Monat doch einschließlich Trinkgeld kaum über 25.000 Baht hinaus, und da man nicht jeden Tag einen Freier fand, war es in Wirklichkeit viel weniger, was man verdiente und niemals so viel, wie man verbrauchte.
Aber sie hatte schön öfter gehört, wie das Sexgeschäft in Europa läuft, da konnte man noch richtig Geld verdienen. Dort gab man sich nicht die ganze Nacht mit einem Freier ab. An manchen Orten war die Zeit bis auf dreißig Minuten begrenzt. Die Männer standen vor der Tür Schlange und jeder zahlte mindestens einhundert Euro. Das hatte sie von Farang erfahren und das hatten ihr auch einige Frauen gesagt, die schon dort gewesen waren. Pau hatte sich das schon ausgerechnet. Dort würde sie bei einer Arbeitszeit von sechs Uhr nachmittags bis zwei Uhr nachts sechzehn Männer haben, von denen jeder mindestens einhundert Euro zahlte, das waren im Monat über 48.000 Euro, über 2,5 Millionen Baht. Besonders viel wurde in Deutschland und in England gezahlt. Wenn sie dort nur ein Jahr arbeiten könnte, würde sie mit rund dreißig Millionen Baht zurückkommen.
Das war das richtige Geschäft, nicht das Trinkgeld, mit dem sie in Thailand abgespeist wurde. Sie musste also zusehen, dass sie nach Deutschland oder England kam, um richtig Geld zu machen und als reiche Frau zurückzukommen. Aber es gab keine Möglichkeit, ein Touristenvisum zu bekommen, wenn sie nicht hohes Eigenkapital, eigenen Grundbesitz oder die Bürgschaft eines dortigen Landesbürgers vorweisen konnte. Dass diese Leute nur dann eine Einladung und eine Bürgschaft für eine Thailänderin lieferten, wenn sie überzeugt waren, dass die Frau dann auch mit ihnen in Deutschland leben würde, hielt sie für deren Geschäftsrisiko und sollte sie nicht davon abhalten, ihr Geld auf ihre Art zu verdienen. Sie hatte schon oft Ausländer gebeten, sie nach Deutschland mitzunehmen, aber niemand hatte zugestimmt und trotz aller Versuche und besten Wohlverhaltens hatte sich auch niemand dafür interessiert, sie zu heiraten, so dass sie eigene Wege ins Goldene Land suchen musste, um ihrem Lebensziel näherzukommen.
Als sie an ihrer Bar einen Farang traf, der nach Deutschland musste, um Geld zu beschaffen, aber nicht einmal mehr die Kosten für einen Billigflug aufbringen konnte, kam sie auf den erlösenden Gedanken. Er arbeitete illegal in einem Reisebüro und erhielt im Monat zwölftausend Baht. Nach Miete und Nebenkosten blieben ihm noch sechstausend Baht. Die reichten nicht zum Leben und davon konnte er sich auch kein Flugticket zusammensparen. Er hing fest, konnte keine Arbeit finden und hatte kein Geld. Er musste für einen Hungerlohn arbeiten, nur um etwas zu essen zu haben. Und er musste damit rechnen, erwischt zu werden. Dann hatte er sich strafbar gemacht, kam ins Gefängnis und würde irgendwann ausgeliefert, wenn die deutsche Botschaft ihm einen Flugschein kreditierte, dessen Gebühren er nach seiner Ankunft in Deutschland umgehend zurückzubezahlen hatte.
Pau unterbreitete ihm einen guten Vorschlag. Sie würde ihm Geld geben, wenn er ihr hilft, Geld zu verdienen. Er war sehr skeptisch, fragte, wie viel Geld sie denn hat und was er dafür tun soll. Er hatte in Thailand bisher nur Frauen gesehen, die von ihm Geld haben wollten und nicht eine einzige, die Geld gehabt hätte oder ihm welches geben wollte. Doch er brauchte dringend Geld und war bereit, sich alle Vorschläge anzuhören, um sie näher zu überlegen und Pau erklärte ihm ihren Plan. Er sollte sie heiraten, dann könnte sie in Deutschland leben und Geld verdienen. Er hielt den Gedanken für eine Spinnerei und erklärte noch einmal, dass er kein Geld für ein Flugticket hat, und schon gar nicht für zwei Tickets. Und das Geld, das sie in Deutschland verdienen kann, hilft ihm nicht. Wenn er erst einmal in Deutschland ist, kann er selbst Geld verdienen. Aber sie meinte, sie hat das Geld für den Flug. Wenn er sie heiratet, können sie nach Deutschland fliegen. Er gab zu bedenken, dass es Ewigkeiten dauert, bis sie die Papiere zusammen haben und in Thailand heiraten können. Über ein Jahr müssten sie warten.
Doch Pau erklärte, dass ginge viel einfacher, sie müssten ja nicht in Thailand heiraten. Sie bezahlt die Flugtickets, um mit ihm zusammen nach Deutschland zu fliegen und dort hätten sie dann genug Zeit, um heiraten zu können. Gundolf war begeistert. So ein Glücksfall hatte ihm gefehlt. Er kam also ganz gratis nach Deutschland und dazu sollte er noch Geld bekommen. Nach harter Verhandlung bot sie ihm die Summe von zehntausend Euro für die Heirat. Er erklärte sich einverstanden und wollte von ihr das Geld haben, damit sie sofort nach Deutschland fliegen können. Er meinte, dass die Angelegenheit damit, dass er nach Deutschland kommt, erledigt sei.
Die erste Enttäuschung traf ihn, als er hörte, dass er für ihr Visum eine Einladung schreiben und eine Bürgschaft leisten muss. Dann erklärte sie ihm, dass er auf ihr Visum warten muss, bevor sie zusammen nach Deutschland fliegen können. Er schlug zwar vor, sie sollte ihm jetzt das Geld geben, damit er sich ein Flugticket kaufen kann und sie könnten sich dann später in Deutschland treffen, um zu heiraten. Doch dieser Gedanke wurde von Pau nicht ernst genommen. Sie ahnte wohl, dass sie ihn nie wiedersehen würde, wenn er erst einmal das Geld hatte und in Europa war. Es blieb ihm aber nichts weiter übrig, als auf ihre Bedingungen einzugehen, denn er sah keinen anderen Weg, nach Deutschland zurückzukommen. Andererseits sah sie ein, dass er jetzt Geld braucht, um leben zu können.
Also gingen sie zu einer Firma, die Visa beschafft, wo er seine Einladung schrieb und dafür sorgte, dass in der teuren Heimat seine Bürgschaft bestätigt wurde. Gleichzeitig kauften sie auch die Flugscheine mit offenem Datum. Dann gingen sie gemeinsam zu einem Rechtsanwalt, wo sie einen Heiratsvertrag schlossen, worauf Gundolf den Erhalt von fünftausend Euro quittierte, wovon beim Erhalt die Kosten für das Flugticket abgezogen wurden. Er wollte zwar jetzt gleich die Gesamtsumme erhalten, doch Pau hatte etwas dagegen. Die restlichen fünftausend Euro sollte er nach der Heirat erhalten, da er das Geld für die Heirat bekam und nicht dafür, dass er irgendein Versprechen abgab. Gundolf sah, dass sie alle Schritte bis zur Heirat genau geplant hatte. Aber er sah auch, dass sie meinte, damit sei die Angelegenheit erledigt. Sie hatte sich nicht überlegt, dass sie dann verheiratet war und das dieser Zustand Probleme mit sich brachte, zu deren Lösung er gebraucht wurde, woran er noch viel zu verdienen gedachte.
Gundolf arbeitete noch etwas über einen Monat weiter, um beschäftigt zu sein. Er nahm Buchungen an, kassierte Zahlungen, die er erst an die Firma abführte, als er auf seine ‘Vergesslichkeit’ angesprochen wurde, was öfter geschah und schon nicht mehr als eine Reihe von Versehen akzeptiert wurde. Als es dann in der Firma Streit gab, stand er auf und ging. Man hatte ihn vorher unter Druck setzen können, weil er arbeiten musste, um leben zu können. Aber jetzt brauchte er diese Stelle nicht mehr so unbedingt und würde ohnehin in einigen Wochen Thailand verlassen. Er lebte jetzt bequem, während er auf Paus Visum wartete, um nach Deutschland zurückfliegen zu können, bemühte sich aber, nicht allzu viel Geld auszugeben. Er musste sich eine neue Existenz aufbauen, denn er hatte seinerzeit alles, was er besaß, zu Geld gemacht, sein Bankkonto aufgelöst und war als wohlhabender Mann nach Thailand gegangen, um Geschäfte zu machen.
Textilexport war sein erstes Geschäft, aber er kam zu spät, andere Länder waren billiger geworden, man kaufte keine T-Shirts und keine Hemden mehr in Thailand und er hatte auch nicht genug Ahnung von Textilien, um sich einen Markt zu erschließen. Er hatte gedacht, es reicht, wenn er in Thailand ist, um auf die Nachfragen hin die Kunden zu beliefern, aber er wusste nicht, wie er wem welche Waren anbieten konnte. Das Geschäft war ein hoher Verlust. Das Geschäft mit Trinkwasserfiltern war der nächste Verlust. Er hatte sich ein großes Lager solcher Filter zugelegt, weil eine Firma ihn von der Qualität ihrer Filter, vom Mangel an sauberem Trinkwasser in Thailand und von hohen Gewinnspannen überzeugt hatte. Aber man hatte ihm nicht gesagt, dass bereits daran gearbeitet wurde, die Qualität des Leitungswassers zu verbessern und das Trinkwasser in Flaschen wesentlich billiger war, als die Benutzung der Filter. Er hatte trotz hoher Werbeausgaben kaum Filter verkauft. Das letzte Geld hatte er dann in eine gutgehende Bar gesteckt, die er im März übernommen hatte. Aber die Inhaberin hatte ihr Personal in eine neue Bar mitgenommen und ihm nicht gesagt, dass die Saison im April ausläuft und er hatte nicht mehr genug Geld gehabt, um die Zeit bis Dezember zu überbrücken, bis die Saison wiederbegann. Nun hatte er noch einige T-Shirts, viele Wasserfilter und kein Geld, weshalb er das Angebot eines Reisebüros angenommen hatte, dort als illegaler Reiseführer und ohne Arbeitsgenehmigung im Büro als fremdsprachiger Angestellter und als Übersetzer zu arbeiten. Wenn er nach Deutschland kam, dann würde er erst wieder Geld verdienen müssen. Er wusste nur noch nicht, wie. Doch seit Pau ihm das Angebot einer Heirat unterbreitet und ausführlich vorgerechnet hatte, wie viel sie dabei verdienen würde, hatte er schon eine gewisse Vorstellung davon, dass er von ihr noch viel Geld bekommen konnte, genug für eine neue Existenz.
Pau arbeitete auch fleißig in der Bar weiter, in der Gundolf sie getroffen hatte. Sein Gedanke, dass sie ja nun mit ihm leben würde, da sie ja bereits einen Heiratsvertrag geschlossen hatten, bewahrheitete sich allerdings nicht. Sie klärte ihn darüber auf, dass dieser Vertrag ein Geschäft war, ganz so, wie es die gemeinsamen Nächte mit den Farang sind. Deshalb würde sie ihrem Geschäft nachgehen, zumal er ja auch Geld von ihr haben wollte, dass sie nicht verdienen kann, wenn sie mit ihm schläft. Er erschien hin und wieder an ihrer Bar und hoffte, dass sie vielleicht doch mit ihm mitgeht, wenn sie einmal keinen Kunden haben sollte, doch sie zeigte keinerlei Interesse an ihm und ging sogar alleine schlafen. Er hatte wohl seine Anziehungskraft und ihre sexuellen Wünsche überschätzt. Doch bei solch einer Gelegenheit hoffnungsfrohen Wartens erfuhr er, dass Pau endlich ihr Visum von der Botschaft abholen kann und das dann sie mit der nächsten Maschine gemeinsam nach Deutschland fliegen können.
Nur drei Tage später saßen sie im Flugzeug nach Deutschland und träumten gemeinsam von einer Zukunft, die allerdings gar nichts Gemeinsames haben sollte. Schon im ersten Monat heirateten sie, doch dann trennten sich ihre Wege. Als Gundolf nämlich nun die zweiten fünftausend Euro haben wollte, sagte sie ihm, dass sie die selbstverständlich bezahlt, weil sie ihm ja zustehen. Er müsste nur eben warten, weil sie dieses Geld erst noch verdienen muss und darauf verabschiedete sie sich von ihm ohne jede Zahlung, um nun umgehend mit dem Geldverdienen zu beginnen.
Gundolf war hilflos. Er konnte sie nicht zwingen, Geld zu bezahlen, dass sie nicht hatte, er konnte aber auch nicht zur Polizei oder zu einem Anwalt gehen. Er konnte nur warten und hoffen, dass sie ihm Geld geben würde, wenn sie etwas verdient, und dass sie Geld verdient, war sicher. Aber er musste inzwischen mit dem Geld, das er noch hatte, eine Existenz aufbauen. Er hatte eigentlich auf Zahlungen von Pau gehofft. Man wusste ja, dass diese Frauen den meisten Verdienst ihrem Beschützer abgaben und das hatte er eigentlich erwartet. Deshalb war es eine große Enttäuschung für ihn gewesen, dass sie ihn einfach verlassen hatte, um woanders alleine zu arbeiten und alles Geld für sich zu behalten, statt bei ihm zu wohnen, sich von ihm beschützen zu lassen und ihm dafür seinen Anteil zu geben, der bei manchen Frauen neunzig Prozent übersteigen soll. Zunächst suchte er nun eine Arbeitsstelle, um Geld zu verdienen. Aber in langen, einsamen Nächten dachte er viel an das ihm entgangene Glück und er wollte sich an ihr noch schadlos halten. Sie musste zu ihm zurückkommen, wenn sie Geld verdienen wollte.
Pau ging nach Frankfurt, wo sie die Anschrift von zwei Freundinnen hatte, die dort eine größere Wohnung mit mehreren Zimmern gemietet hatten und ab mittags bis vier Uhr morgens im Schichtdienst arbeiteten. Zuerst lernte sie, dass die Kunden zumindest hier nicht vor der Tür Schlange standen. Dadurch kam sie nicht auf sechzehn Kunden pro Tag, wie sie sich ausgerechnet hatte, sondern nur auf fünf oder sechs. Unter diesen Voraussetzungen würde es viel länger dauern, als ein Jahr, bis sie die erwarteten dreißig Millionen Baht zusammen hatte.
Ihre Freundinnen sagten ihr, dass es vollkommen unmöglich ist, einen Tagesdurchschnitt von sechzehn Kunden pro Tag zu erreichen, aber Pau hatte andere Informationen. Sie musste endlich richtiges Geld verdienen und suchte sich eine neue Gruppe von Frauen, mit denen sie zusammenarbeiten und wesentlich mehr verdienen konnte. Diese Frauen hatten sich in einer Gegend angesiedelt, die ohnehin als Rotlichtviertel bekannt war und in der die Freier abends auf der Suche nach Frauen spazieren gingen. Sie hatten wesentlich höhere Preise und sie hatten auch mehr Betrieb. Pau kam bis auf zehn Kunden täglich. Sie meinte zwar, dass sie noch viel mehr Geld verdienen müsste, sah aber ein, dass sie sich als Ausländerin bei einer illegalen Tätigkeit nicht allzu sehr sehen lassen und nicht ins Rampenlicht setzen durfte, sondern nur versteckt arbeiten konnte.
Dennoch suchte sie eine Möglichkeit, mehr zu verdienen. Sie wechselte noch einmal das Etablissement, aber das war ein Reinfall, weil die neue Adresse nirgends bekannt war, keine Werbung gemacht wurde und kaum Kunden kamen. Dafür kam aber eine Polizeikontrolle. Pau konnte über das Dach und durch ein Nebenhaus flüchten. Diese Möglichkeit war offensichtlich auch der Polizei bekannt, die sie auf der Straße anhielt und kontrollierte. Da sie aber eine Aufenthaltsgenehmigung hatte und noch nicht eingetragen war, ließ man sie laufen. Doch sie wusste, dass sie sich hier besser nicht mehr sehen lässt, weil sie das nächste Mal sicher auf die Polizeistation mitgenommen würde. So suchte sie einen neuen Wirkungskreis, bei dem sie für ein Zimmer wesentlich mehr zu zahlen hatte, weil es im Zentrum des nächtlichen Vergnügens lag. Doch der Zulauf war nicht wesentlich besser, die Konkurrenz war stark und sie verdiente nur unwesentlich mehr.
Inzwischen war sie schon über zehn Monate in Deutschland, als sie ein Angebot erhielt, in Hamburg zu arbeiten, wo die Frauen wesentlich höhere Einnahmen haben sollten. Sie ging zu Gundolf, denn sie musste zuvor die Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung erhalten und dazu brauchte sie ihn. Doch er witterte ein gutes Geschäft und verlangte nicht nur die ausstehenden fünftausend Euro, sondern nunmehr sechzigtausend Euro, wenn er für die Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung sorgen sollte. Er hielt ihr ihre eigene Rechnung vor, dass sie im Monat über fünfzigtausend Euro verdienen kann und meinte, dass ihm mindestens zehn Prozent von dieser Summe zustehen, wenn er ihr die Möglichkeit solcher Verdienste beschafft. Sie gerieten in einen Streit über das Geld, dass er von ihr verlangte, bei dem Pau ihn voller Empörung stehen ließ und wegging.
Pau hatte Gundolf erklärt, dass sie nicht so viel verdient hat, wie sie sich zuvor ausgerechnet hatte. Wenn sie ihm sechzigtausend Euro zahlen soll, damit ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängert wird, arbeitet sie nur noch für ihn und ihr bleibt nichts übrig. Doch er meinte, sie hat ja zu essen. Wenn sie mehr Geld haben will, soll sie eben mehr arbeiten. Pau meinte, wenn sie nur noch für ihn arbeiten soll, dann ist es besser, sich scheiden lassen. Aber er ließ nicht mit sich reden und erklärte nur, dass sie ihm dann erst die fünftausend Euro geben muss. Darauf war sie aufgeregt gegangen.
Sie war machtlos und konnte nichts unternehmen. Sie hatte nie mit ihm zusammengelebt, konnte nicht sagen, dass er sie verlassen hat und sie konnte ihn zu nichts zwingen. Ihr Visum würde bald auslaufen und dann müsste sie Deutschland verlassen oder sie musste riskieren, dass sie alles verlor, wenn man sie fasste. Sie hatte keinen festen Wohnsitz, war dann illegal im Land, kam ins Gefängnis und ihr Geld würde konfisziert. Kurz bevor sie zur Verlängerung des Visums auf dem Ausländeramt zu erscheinen hatte, ging sie mit fünftausend Euro und einem Rest Hoffnung zu Gundolf. Doch der war ausgezogen und seine neue Anschrift war nicht bekannt.
Pau konnte ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängern lassen und flog nach Thailand zurück. Sie hatte zwar längst nicht so viel Geld verdient, wie sie zuvor errechnet und erwartet hatte, doch sie war eine reiche Frau, als sie nachhause fuhr. Sie hatte ihren Eltern unmöglich sagen können, dass sie ohne ihre Genehmigung geheiratet hatte, und dazu noch einen Ausländer. Deshalb hatte sie den Eltern auch nie gesagt, dass sie im Ausland gewesen war und dort Geld verdient hatte. Einen gelegentlichen Brief mit Geld hatte sie über eine Freundin in Pattaya schicken lassen. So rief sie nun von Bangkok aus beim Dorfvorsteher an und ließ den Eltern ausrichten, dass es ihr sehr gut geht und dass sie jetzt unterwegs zum Dorf ist.
Dort wurde sie von ihrer Familie stürmisch begrüßt, die ja wusste, dass sie ihre Tochter zum Erhalt der Familie erzogen und zum Geldverdienen weggeschickt hatte und annehmen musste, dass sie in Pattaya viel Geld verdient hat. Gleich nach der Begrüßung wollte man wissen, wie viel sie verdient hat und über wie viel Geld sie jetzt verfügt. Und dann erklärte die Familie ihr sofort liebevoll, wie wichtig es ist, dass die Familie ein neues, großes Steinhaus baut, in dem alle Familienmitglieder zusammenleben können, weil die kleinen Holzhütten verfallen waren, dass man hierfür auch schon ein schönes, großes Grundstück nahe des Dorfzentrums gefunden hat, dass gar nicht teuer ist, dass man für das Haus mehrere Fernsehgeräte und Kühlschränke braucht, weil ja mehrere Familien hier leben sollen, dass die Eltern einen Traktor, einen Pick-up und für die Mutter ein kleines Motorrad brauchen, sowie einige Felder, die gerade günstig angeboten werden, und die Brüder ein Motorrad, man sagte, dass die jüngeren Geschwister nach der Grundschule zur Oberschule gehen sollten, und… und… und…
Nachdem man einige Zeit emsig mit allen unumgänglichen Anschaffungen zur Förderung des Familienglücks und dem Hausbau beschäftigt war, dauerte es nicht lange, bis der Reichtum verflogen war. Noch bevor das Familienhaus mit dem großen Wohnzimmer fertig wurde, in dem sie ihr Leben mit allen anderen Familienmitgliedern teilen sollte, war offensichtlich, dass sie mehr Geld bringen musste und es wurde auch offensichtlich, dass die Familie das als selbstverständlich vorausgesetzt hatte, denn in dem Familienhaus war kein Zimmer für sie vorgesehen, weil sie ja ohnehin nicht mit der Familie leben, sondern nur losziehen würde, um mehr Geld zu verdienen. Wenn sie dann zu Besuch kam und Geld brachte, konnte sie ja im Wohnzimmer schlafen, weil ein eigenes Zimmer für sie, dass sie gar nicht brauchte, viel zu teuer, eine unnötige Ausgabe und eine hohe Belastung für das wenige Geld war, dass der Familie zur Verfügung stand.
Pau ging wieder nach Pattaya, doch sie erlebte bald, dass ihre Familie mit ihr nun gar nicht mehr zufrieden war. Die hatte sich nämlich ausgerechnet, dass Pau im letzten Jahr im Monat mindestens eine Million Baht verdient haben muss und das war es, was sie jetzt von Pau erwartete. Es war ja ihre Aufgabe, die Familie zu versorgen und sie hatte bewiesen, dass sie das kann. Nun musste sie es auch weiterhin tun, weil sie es ja konnte und schon getan hatte. Und sie hatte selbst einmal erzählt, dass sie in Pattaya über Nacht bei den Farang schläft und von ihnen zum Essen eingeladen wird. Also hatte sie überhaupt keine Ausgaben und eine Million war dann ja wohl des Wenigste, was man von ihr erwarten konnte, wenn sie eine gute Tochter sein wollte. Schließlich bestand ihre Aufgabe darin, ihre Familie zu versorgen.
Mit dem Geld, das sie noch zu verdienen hatte, konnte man einige Felder kaufen, damit die Landwirtschaft einträglicher wurde, und dann wollte der Vater eine Fabrik für Holzmöbel einrichten. Er hatte sich mit dem Möbelhändler unterhalten. Das war gar nicht so schwer, hatte er erfahren, brachte aber einen hohen Gewinn, wie er beim Kauf ja selbst erlebt hatte. Mit einigen Millionen Baht konnte man so eine Fabrik einrichten und geeignete Leute anheuern, die die Arbeit machten. Dann konnte man viel Geld verdienen, aber natürlich musste Pau diese Millionen erst einmal abliefern, wozu sie sicherlich noch nicht einmal ein Jahr benötigen würde, denn zehn Millionen würden für die Fabrik und ein angenehmes Leben sicher ausreichen.
Doch so viel Geld konnte Pau unmöglich in Pattaya verdienen, was die Familie gar nicht verstehen konnte, denn das hatte sie im letzten Jahr doch auch geschafft, sagte man ihr. Doch dazu musste sie ins Ausland gehen, am liebsten nach Deutschland, wo sie sich schon auskannte. Aber es war unmöglich, Gundolfs Aufenthaltsort zu erfahren. Das war dem deutschen Einwohnermeldeamt genauso wenig gelungen, wie der deutschen Botschaft. Als thailändische Ehefrau eines verschwundenen deutschen Ehemannes erhielt sie aber keine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland, teilte man ihr mit, als sie unverbindlich anfragte, und man warf ihr vor, dass sie doch wissen müsste, wo ihr Mann ist, wie es ihm geht und wie er sich ernährt.
Um einen anderen Mann zu heiraten, musste sie sich aber erst scheiden lassen, was unmöglich war, wenn Gundolf verschwunden war. Sie hatte gehört, dass sie sich auch ohne sein Einverständnis von ihm scheiden lassen konnte, wenn er nachweislich über ein Jahr nicht in der gemeinschaftlichen Wohnung in Deutschland erschienen war. Aber sie hatten keine gemeinschaftliche Wohnung, sie war nicht in Deutschland und sie bekam kein Visum, um dort ein Jahr zu leben und sich scheiden zu lassen. Sie musste die Scheidung in Deutschland einreichen, bekam aber kein Visum, um dort einen verschollenen Ehemann zu suchen.
So arbeitete Pau in einer Bar in Pattaya, wo sie statt einer Million höchstens zehntausend Baht im Monat an die Familie schicken konnte. Man war sehr ungehalten und setzte sie unter Druck. Man wusste ja genau, wie viel sie verdient, war beleidigt, dass sie so wenig Geld schickt und wollte wissen, wozu sie die Million verbraucht, die sie im Monat verdient, wo sie doch gar kein Geld nötig hat. Der Vater warf ihr vor, dass sie einen Geliebten aushält, dem sie das Geld gibt und das sie diesen Geliebten der Familie vorzieht. Er hielt ihr vor, was sie für eine schlechte Tochter ist, dass sie bei einem Einkommen von über einer Million Baht im Monat ihre Familie Hunger leiden lässt und teilte ihr mit, dass die jüngeren Geschwister nicht zur Oberschule gehen können, wenn sie nicht mehr Geld schickt.
Dann kam die Mitteilung, dass der Pick-up und eines der Motorräder repariert werden müssen und dass sie mehr Geld schicken muss. Außerdem war der Bau des Hauses teurer geworden und man musste dringend die Rechnungen bezahlen. Der Vater hatte auch noch eine überdachte Terrasse anbauen lassen, damit die Familie gemütlich im Freien sitzen kann, die auch noch nicht bezahlt ist. Der Vater hatte den Bauleuten versprochen, dass er die Arbeiten in einem Monat bezahlt. Außerdem wollte er mit dem Bau der Fabrikhalle für die Möbelfabrik beginnen. Pau würde die Familie also in ernsthafte Schwierigkeiten bringen, wenn sie bis zum Ende des nächsten Monats nicht wenigstens eine Million Baht schickt, was das Mindeste ist, was ihre Eltern von ihr erwarten können, denen sie ewig dankbar sein muss.
Doch daran war gar nicht zu denken, so sehr sie sich auch bemühte, Geld zu verdienen. Sie sah die finanziellen Probleme der Familie und fühlte sich zu deren Versorgung verpflichtet, wie sie es ja immer in ihrer Kindheit gehört hatte. Aber um die geforderten Summen beizubringen, musste sie nach Europa und das war schlicht unmöglich. Sie konnte den Eltern die Situation auch nicht richtig erklären, denn sie durften ja nicht erfahren, dass sie ohne ihre Genehmigung einen Ausländer geheiratet hatte und dass sie im Ausland gearbeitet hatte. Also konnte sie ihnen auch nicht erklären, warum sie jetzt so viel weniger verdiente, als im letzten Jahr.
Pau ließ Gundolf suchen, bemühte sich inzwischen um jeden Farang, dessen sie habhaft werden konnte und vermied alle überflüssigen Ausgaben, um ihrer Familie so weit zu helfen, wie möglich, weil das ja ihre Pflicht gegenüber den Eltern war. Dann wurde sie von Gernot ausgelöst, mit dem sie vier Wochen zusammen war. Er wollte sie nach Deutschland mitnehmen, aber aufgrund einer Anfrage erfuhr sie, dass Gundolf sie in Deutschland als ‘abgängig’ und vermisst gemeldet hat, und dass sie ohne Gundolf kein neues Visum erhalten würde.
Da sie Gernot ihre Ehe und den Deutschlandaufenthalt verschwiegen hatte, blieb ihr jetzt nur übrig, ihm zu sagen, dass sie Angst hat, in ein fremdes Land zu gehen und sich das Angebot, mit ihm nach Deutschland zu gehen, erst noch überlegen muss. Es ist verständlich, dass das Überlegen länger dauerte, als Gernots Aufenthaltszeit. Aber da sie nicht abgelehnt hatte, machte er sich noch weiterhin Hoffnungen auf ein glückliches Leben mit ihr und gab ihr zum Abschluss seines Aufenthaltes noch eine größere Summe, die ihr zeigen sollte, welches Glück sie bei einem gemeinsamen Leben mit ihm zu erwarten hatte und die ihr beim Überlegen helfen sollte. Er versprach, in einem halben Jahr wiederzukommen, aber sie könnte ihm auch vorher schreiben, wenn sie sich überlegt hat, ob sie mit ihm in Deutschland leben kann und nicht mehr so viel Angst vor dem Ausland hat, nachdem sie ja ausführlich darüber gesprochen hatten und sie sich weiterhin informieren kann. Fieberhaft suchte Pau jetzt nach Gundolf. Wenn sie sich wenigstens scheiden lassen könnte, dann konnte sie mit Gernot nach Deutschland gehen und noch einmal ein Jahr lang das Geld verdienen, auf das ihre Familie so dringend wartete. Gernot würde die Reise bezahlen und für das Visum sorgen. Dass sie schon einmal verheiratet war, würde ihn sicher nicht stören, denn er würde sie in Deutschland kaum zu sehen bekommen. Es reichte ihr, wenn sie ein Jahr Zeit hatte, um Geld zu verdienen, bevor sie Deutschland verlassen musste. Aber sie hatte sicher keine Lust, ein Jahr lang Gernot zur Verfügung zu stehen und dafür vielleicht jeden Monat einhundert Euro zu bekommen, weniger, als ihr ein einzelner Kunde zahlte.
Nachdem Gernot abgeflogen war, kratzte sie alles Geld zusammen, was sie in den letzten zwei Monaten und insbesondere von Gernot erhalten hatte, schickte ihren Eltern achtzigtausend Baht. Sie hoffte, ihren Verpflichtungen damit nachgekommen zu sein und den Eltern das nötigste Geld gegeben zu haben. Doch das stellte sich als ein grober Irrtum heraus. Der Vater war ihr sehr böse und schrieb ihr, sie sollte sich nicht einbilden, ihre Familie vergessen und ihre Eltern, denen sie für ihre Geburt ewig dankbar sein muss, mit einem Almosen abspeisen zu können, während sie in Pattaya im Monat eine Million Baht verprasst.
Kurz darauf schrieb der Vater einen weiteren Brief, in dem er ihr mitteilte, dass sie offensichtlich nicht mehr in der Lage ist, für ihre Familie einzustehen und ihre Eltern zu versorgen. Sie haben verstanden, dass sie nicht mehr mit ihrer Unterstützung rechnen können, weil sie das für ein ausschweifendes Leben mit einem Geliebten verbraucht. Deshalb habe er eine andere Lösung gefunden. Um das Problem der Bauschulden der Familie regeln zu können, hat er mit dem Bauunternehmer abgemacht, dass sie dessen Sohn heiraten wird. Ihr zukünftiger Mann ist über vierzig Jahre alt, etwas korpulent und geistig etwas schwach, aber er sei ein gutherziger Mensch und mit der Heirat werden der Familie die Schulden erlassen, die durch den Bau der Terrasse entstanden sind. Die Hochzeit findet in drei Wochen statt, weshalb sie wegen der Vorbereitungen unbedingt umgehend ihr restliches Geld von der Bank zu holen und in ihr Dorf zurückzukommen hat.
Pau war schockiert. Sie kannte den Sohn des Bauunternehmers. Sie war jetzt fünfundzwanzig Jahre alt und sollte ihr Leben mit einem geistesbehinderten Fettkloß verbringen, damit der Familie die Kosten für eine Terrasse erlassen werden, die sie brauchte, um gemütlich im Freien sitzen zu können und keine achtzigtausend Baht gekostet haben kann. Vielleicht sollte das nur eine Drohung sein, damit sie jetzt endlich die verlangten Millionen schickt. Aber das war nicht denkbar. Sie ging zum Tempel, wo man ihr erklärte, wie viel Gutes sie als gehorsame Tochter tut und wie viel Pluspunkte sie sich für ein künftiges Leben nach einer Wiedergeburt erwirbt, wenn sie sich um diesen Mann kümmert, der ja auch ein lebendes Wesen ist, seinen Eltern zur Last fällt und ohne fremde Hilfe nicht lebensfähig ist. So würde sie ihr Leben zu einem guten Zweck verwenden, den Eltern ihre Dankbarkeit zeigen und hätte sicher ein glückliches Leben nach ihrer Wiedergeburt.
Aber sie sprach auch mit einigen Kolleginnen, die ihr dringend abrieten und meinten, dass sie ihre Eltern nie zufriedenstellen könnte und wo sie zuhause in ihrem Haus noch nicht einmal ein Zimmer hat, würde es Zeit, dass sie an sich selbst denkt. Eine Denkweise, die in Thailand sehr selten ist, nur in ganz krassen Fällen geäußert wird und gerne auf den Einfluss der verderblichen Einflüsse westlicher Kulturen zurückgeführt wird.
Sie überlegte lange, was sie tun kann. Die Freundinnen hatten Recht. Sie kannte keine andere Frau, die ihren Eltern Millionen gebracht hatte und beschimpft wurde, weil sie nicht genug Geld bringt. Die Eltern der anderen Frauen freuten sich über ein paar tausend Baht. Sie sah ein, dass ihre Eltern sie nicht mochten, nie gemocht hatten und nur dazu brauchen wollten, Geld zu bekommen und immer noch mehr Geld. Als sie nicht mehr genug bekamen, ‘nur’ achtzigtausend Baht in zwei Monaten, hatten sie beschlossen, sie mit einem Geisteskranken zu verheiraten, weil ihnen das Geld einbrachte.
Sie schrieb ihren Eltern, dass sie gerade geheiratet hat, jetzt mit ihrem Mann in Bangkok lebt und deshalb nicht zu ihrer Hochzeit erscheinen kann. Aber sie freut sich, dass ihre Eltern von ihr kein Geld mehr erwarten. Sie bat eine Freundin, den Brief in Bangkok zur Post zu bringen. Dann las sie noch einmal alle Briefe von ihren Eltern, die sie gesammelt und aufgehoben hatte. Als sie fertig war, zerriss sie die Briefe und verbrannte sie. Es waren ja nur Bettelbriefe. Und es waren ja auch keine Eltern gewesen.
Pau lernte nach einigen Monaten den reichen Hubert kennen, der sich in sie verliebte und sehr nett war. Er verwöhnte sie und sie unternahmen eine ausführliche Reise durchs Land. Sie verbrachten anschließend viel Zeit am Strand und im Hotel. Er kaufte ihr schöne Kleider und teuren Schmuck, um sie zu überreden, mit ihm nach Wien zu gehen, um mit ihm glücklich bis ans Ende aller Zeiten zu leben. Aber Pau war ja untrennbar verheiratet und konnte ohne Gundolf kein Visum erhalten. So sagte sie Hubert, dass sie Angst vor dem Leben im Ausland hat und sich sein Angebot noch gründlicher überlegen und über das Leben im Ausland informieren muss. Sie hoffte, unterdessen Gundolf zu finden, um sich scheiden lassen zu können, denn dann konnte sie Hubert sagen, dass sie sich über das Ausland informiert hat und mit ihm nach Europa geht.
Gundolf hatte ernsthaft mit den Einnahmen von Pau gerechnet, mindestens 60.000 Euro, denn sie selbst hatte gesagt, dass sie im Jahr 600.000 Euro machen kann und er konnte sich nicht vorstellen, dass sie darauf verzichten würde, nur weil sie ihm zehn Prozent davon abgeben sollte, damit er für die Aufenthaltsgenehmigung sorgt. Als sie ihm gesagt hat, dass sie weniger verdient, hatte er das für eine glatte Lüge gehalten, die sie ihm auftischte, um ihm kein Geld geben zu müssen. Und als sie von Scheidung sprach, war er überzeugt, dass sie ihn nur bluffen wollte. Nachdem sie sich im Streit getrennt hatten, war er noch überzeugt gewesen, dass sie umgehend zurückkommen wird, weil sie ihre Aufenthaltsgenehmigung brauchte, um Geld verdienen zu können. Doch dann hatte er sich mit einer Frau aus dem horizontalen Gewerbe unterhalten, die hellauf lachte, als sie etwas von sechshunderttausend Euro Gewinn im Jahr hörte. Sie sagte, dass seien die Träume kleiner Mädchen, die hören, dass sie in einer halben Stunde einhundert Euro machen können und dann ausrechnen, dass sie bei zehn Stunden täglich zweitausend Euro am Tag und sechzigtausend Euro im Monat verdienen. Aber wenn sie mit der Arbeit anfangen, merken sie, dass sie am Tag vielleicht zwei oder drei Kunden haben, dass sie nicht jeden Tag arbeiten können, dass sie sich zeitweise vor der Polizei verstecken müssen und die hohen Kosten, die in diesem Gewerbe für Miete und Versorgung üblich sind, übersehen haben. Schließlich freuen sie sich über 10.000 Euro im Monat.
Das war eine herbe Enttäuschung für Gundolf, weil er die 60.000 Euro, die er erwartete, schon verplant hatte und nun hören musste, dass Pau sie gar nicht zahlen konnte, selbst wenn sie wollte. Doch nun holten seine Planungen ihn ein und es gab keinen Ausweg. Da er sich ganz sicher gewesen war, dass Pau ihm das Geld geben würde, hatte er sich Geld geliehen. Er hatte Spielschulden und es war sehr gefährlich, Spielschulden nicht pünktlich zu bezahlen. Außerdem hatte er in einer Zeit hoher Gewinne eine Frau kennengelernt, die einen eigenen Betrieb und viel Geld besaß. Als das Spielerglück ihn verließ, lieh er sich Geld bei ihr und hoffte, es bei der nächsten Wendung seines Glücks zurückzahlen zu können. Doch das Glück im Spiel ließ auf sich warten und das Glück in der Liebe verendete plötzlich und unerwartet, als die Geschäftsfrau ihn nach längeren Klagen über sein ausgedehntes Nachtleben am hellen Tage mit einer fremden Frau in ihrem Bett fand. Er hatte nicht gewusst, dass sie in ihrer Wohnung Überwachungskameras hatte, die mit einem Bildschirm in ihrem nahen Büro verbunden waren. Er wusste auch keine bessere Erklärung abzugeben, als dass er sie wegen der Verletzung seiner Intimsphäre verklagen wird. Sie beendete daraufhin die Beziehung und verlangte ihr Geld zurück, worauf er lachend erklärte, dass er von ihr niemals Geld erhalten hat und das sie keine Quittung vorlegen kann. Nun schaltete sie einen Anwalt ein, der dahinterkam, dass Gundolf verheiratet war. Der schickte Gundolf einen schönen Brief, in dem er mitteilte, dass seine Klientin in ihrer eigenen Wohnung unmöglich seine Intimsphäre verletzen kann, da er kein Aufenthaltsrecht hat. Dazu schickte er die Kopie eines Liebesbriefes, den Gundolf der Geschäftsfrau geschickt hatte, in dem er ihr die Heirat versprochen und um die Erweiterung seines Kredites von erhaltenen dreißigtausend Euro auf weitere zehntausend Euro gebeten hatte. Der Anwalt gab Gundolf drei Tage, um seine Schulden zurückzubezahlen und eine von Gundolf zu zahlende Summe als Entschädigung zu vereinbaren und drohte, ihn wegen Betruges als Heiratsschwindler anzuzeigen.
Er hatte kein Geld zum Bezahlen und fürchtete, dass der Anwalt ihn gleich verhaften lässt, wenn er ohne Geld auftaucht. Außerdem brauchte er Geld, um seine Spielschulden zu bezahlen oder wenigstens, um sich verstecken zu können. Aber es standen keine nennenswerten Summen in Aussicht. Als er eine Vorladung zur Kriminalpolizei erhielt, wusste er, dass er jetzt schnell reagieren musste. Er erinnerte sich an einen Geschäftsmann, der mit ihm gesprochen hatte, weil er in Thailand gewesen war und sich in Südostasien auskannte. Der Mann wollte Computer nach Kambodscha verkaufen und Gundolf hielt ihn für einen Trottel. Dieser Mann kam ihm nun gelegen. Er meldete sich bei ihm mit angeblichen Neuigkeiten, die er bei Erkundigungen über den Verkauf von Computern in Phnom Penh erfahren hatte. Diese Informationen waren so positiv, dass der Mann ihn sofort wegen seiner immensen Erfahrungen und der einflussreichen Freunde nach Kambodscha schickte, um die Gründung der Firma vorzubereiten. Nach Ausfertigung der Vollmachten und Verträge erhielt Gundolf das Geld für sein Flugticket als auch zur Anmietung und Einrichtung geeigneter Geschäftsräume. Er war sehr erleichtert, als die Maschine vom Flughafen abhob und fühlte sich sehr wohl, als er in Phnom Penh die Passkontrolle passiert hatte.
Gundolf hatte nun genug Geld, um eine neue Existenz zu gründen. Es reichte mit Sicherheit nicht, um Räume für ein Computergeschäft zu mieten und einzurichten, aber das hatte er ja auch nicht vor. Die Preise und Konditionen hierfür hatte er so niedrig angegeben, damit sein Geschäftspartner darauf hereinfällt und ihm seinen Auszug aus Deutschland und eine neue Existenz finanziert. Es war sehr hinderlich, dass Gundolf nicht die geringste Ahnung hatte, was er geschäftlich unternehmen könnte und so beschränkte er sich darauf, privat etwas zu unternehmen und bewies, dass er hier viel konkretere Vorstellungen hatte und sehr genau wusste, was er wollte. So kam es denn, dass er sich geschäftlich noch nicht entschieden hatte, als bereits zweieinhalb Monate seines Dreimonatsvisums verstrichen waren.
Verzweifelt suchte er nach Wegen und Auswegen, denn er durfte auf gar keinen Fall nach Deutschland zurückfahren, weil dort nicht nur seine Freunde seine Spielschulden einkassieren wollten. Vielmehr war er sicher, dass wegen seines Nichterscheinens inzwischen auch ein Haftbefehl ausgestellt worden war, der ihm einige Jahre hinter Gittern garantierte. Nach sorgfältigen Erkundigungen in Phnom Penhs einschlägigen Ausländerkreisen fand er einen todsicheren Ausweg. Er musste einen Pass kaufen und in Kambodscha heiraten. Dann konnte er mit seiner Frau ein Haus mieten und ein Guesthouse mit Bar einrichten. Da konnten sich die Ausländer treffen und ihr Geld ausgeben, während die Kambodschaner ja doch kein Geld hatten.
Die Beschaffung eines Reisepasses war zwar sehr teuer, aber der Pass, den er nach nur einer Woche erhielt, war echt und gültig, er hatte einen neuen Visastempel und wurde von einem perfekt einmontierten Bild von ihm verziert. Gundolf war auch klug genug gewesen, den Leuten zu sagen, dass er unbedingt den Pass eines unverheirateten Belgiers braucht, weil er eine Kambodschanerin heiraten will. Das hatte ihn einen erheblichen Aufpreis gekostet. Die Leute, die ihm den Pass beschafften, versorgten ihn auch mit einer Armeepistole, die er brauchte, weil Phnom Penh doch ziemlich unsicher war, und die Waffe war im Verhältnis zum Pass erstaunlich billig. Aber nun war er sicher, ein in Brüssel geborener und wohnhafter Belgier, was ihn besonders freute, da diese Leute ein gutes Ansehen haben und in Südostasien niemals in kriegerische Handlungen verwickelt waren. So brauchte er sich jetzt nur noch eine passende Frau auszusuchen, was ihm nicht sehr schwerfiel, da er nur die von ihm erwünschten Körpermaße mit der erforderlichen Intelligenz und Englischkenntnissen zu kombinieren brauchte. Er ließ sich passende Frauen von einem Kambodschaner vermitteln, den er vor einer Bar traf. Schon nach nur fünf Tagen hatte er genau das, was er suchte. Das Mädchen war gertenschlank, sah wundervoll aus und sprach ausreichend Englisch. Sie waren schon eine ganze Woche zusammen, er hatte ihr schon öfter Geld gegeben und mitgeteilt, dass er sie heiraten wird und sie auf die Suche nach einem geeigneten Mietobjekt geschickt, in dem er mit ihr zusammen ein Guesthouse mit einer Bar eröffnen konnte.
Seine Zukunft erschien ihm nun wieder sicher und in leuchtenden Farben, als mitten in der Nacht die Polizei in der Tür stand. Er fühlte sich in seinem Privatleben als auch in seinen privaten Aktivitäten sehr gestört, war empört über diese Behandlung und trat sehr laut und energisch auf. Er meinte, dass hülfe immer bei primitiven Leuten, wusste aber noch nicht, dass man bei südostasiatischen Polizisten keinen größeren Fehler machen kann, als sie anzuschreien. Er bekam eine gewisse Ahnung von der Bedeutung ihres Besuches und seines Fehlers, als sie ihm mitteilten, dass das Mädchen, mit dem er gerade noch im Bett gelegen hatte, noch keine sechzehn Jahre alt ist. Nun wusste er zwar, dass das in Kambodscha nicht ungewöhnlich war, er wusste aber auch, dass man sich nicht erwischen lassen durfte. So versuchte er nun, die Situation zu retten, indem er erklärte, dass er das Mädchen heiraten wollte und dass er dem Mädchen das auch schon gesagt hat, was es bestätigte. Die Polizisten sahen hier eine interessante, möglicherweise recht lukrative Wendung des Falles und bestimmten für den nächsten Tag ein Treffen mit seinen zukünftigen Schwiegereltern auf der Polizeistation, zu der sie ihn gleich mitnahmen. Und da sich bereits einige Kommunikationsschwierigkeiten bemerkbar gemacht hatten, bestellten sie auch gleich einen Übersetzer, einen Belgier, der schon viele Jahre in Phnom Penh lebt, in einer Hilfsorganisation tätig ist und für die Polizei schon oft Übersetzerdienste in mehreren Sprachen übernommen hatte.
Dieser Mann störte sich erst daran, dass Gundolf mit einer Minderjährigen im Bett angetroffen worden war. Dann störte es ihn, dass er mit ihm überhaupt nicht sprechen konnte, weil der weder Flämisch noch Wallonisch oder Französisch sprach, was besonders bei Belgiern aus Brüssel extrem selten sein soll. Deshalb zog man Erkundigungen ein und durchsuchte sein Hotelzimmer. Dort fand man seinen deutschen Pass sowie sein Geld und brachte seine Sachen zur Polizeistation. Auf seine Bemerkung, dass über zwanzigtausend Euro fehlen, erklärte man ihm lachend, dass er sich irren muss, dass niemand über zwanzigtausend Euro in einem Hotelzimmerschrank aufbewahrt und konstatierte, dass er zweihundertzwanzig Dollar und einige kambodschanische Geldscheine besaß, die aber umgerechnet keine zwanzig Dollar ausmachten, kurz, dass er ein armer Mann war.
Ins Protokoll hatte man inzwischen aufgenommen, dass er mit einer Minderjährigen Sex gehabt hat und dass er sie heiraten wollte. Das wurde sehr unangenehm, als die Pässe überprüft worden waren. Gundolf erfuhr, dass der belgische Pass als gestohlen gemeldet worden war und der Belgier im Übrigen verheiratet war, so dass er auch mit falschem Pass nicht hätte heiraten können. Und dann erfuhr die Polizei, dass Gundolf verheiratet war. Die deutsche Botschaft wurde über seine Festnahme informiert und teilte mit, dass Gundolf in Deutschland gesucht wird. Darauf informierte die Polizei die Botschaft, dass er dort wahrscheinlich noch länger gesucht werden wird, weil er wegen illegalen Aufenthaltes, illegalen Waffenbesitzes, Urkundenfälschung, Vergewaltigung einer Minderjährigen und Heiratsschwindel festgenommen worden war und einen Gerichtsprozess zu erwarten hat, der seinen Aufenthalt in Kambodscha um viele Jahre verlängern dürfte.
Ein Vertreter der deutschen Botschaft besuchte ihn und teilte mit, dass westliche Ausländer keinesfalls einfach ohne Prozess abgeschoben würden, insbesondere dann nicht, wenn sie dafür niemand die entsprechenden Summen zahlen könnten. Ferner erfuhr er, dass er bei der Anzahl seiner Vergehen nicht mit Milde zu rechnen habe, die vor kambodschanischen Gerichten ohnehin recht unbekannt ist und nur in Einzelfällen auf Privatinitiativen zurückgeführt werden kann, die aber in seinem Fall kaum erreichbar sein dürften. Dann sagte man ihm, dass in Deutschland gegen ihn ein Haftbefehl vorliegt. Zum Abschluss wurde er gefragt, ob er seine Familie benachrichtigen möchte. Da er mit den Mitgliedern seiner Familie schon lange keinen Kontakt mehr hatte, bat er darum, die Anschrift seiner Frau ausfindig zu machen, denn ihm war eingefallen, dass sie ja recht gut verdiente und dass er jetzt zumindest einige finanzielle Zuwendungen gut gebrauchen konnte. Doch es stellte sich heraus, dass der Aufenthaltsort seiner Frau weder in Deutschland noch in Thailand ermittelt werden konnte.
Pau lebte zu dieser Zeit mit einem Farang in Pattaya. Der wollte sich dort niederlassen, ein Haus kaufen und mit Pau leben. Aber er wollte sie heiraten, weil er gehört hatte, dass es dann leichter sei, eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Er wollte das Haus auf ihren Namen eintragen lassen und sie erklärte sich einverstanden, aber es machte ihn misstrauisch, dass sie nicht heiraten wollte. So ließ er Nachforschungen anstellen und fand heraus, dass sie verheiratet war. Er brach die Verbindung ab, warf sie aus dem Haus und sagte ihr, sie soll zu ihrem Mann gehen. Das hätte sie wegen der Scheidung auch gern getan, wenn ihr nur jemand sagen würde, wo er ist.“

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