Land der Überraschungen

Auch für dieses Buch wird noch ein/e Übersetzer/in für Englisch und Spanisch gesucht.

Zur Veröffentlichung hier nun ein Kapitel aus dem Buch. Viel Spaß beim lesen.

“ ZURÜCK, MIT GEDANKEN AN THAILAND

Als er sich bei seiner Firma meldete, fand er nicht nur einen Arbeitsplatz, der sich als Trümmerhaufen herausstellte, sondern auch die Mitteilung, dass er für einen einmonatigen Fortbildungskurs eingeteilt war. Das hätte sich so ergeben, weil die Firma eingeladen worden war, zwei Mitarbeiter zu schicken und er die nötige Vorbildung hatte. Bei seiner Rückkehr vom Lehrgang erreichte Ulli eine doppelte Überraschung.
Er fand einen geräumigen, gut eingerichteten Arbeitsplatz vor, an dem er nur wenig zu ändern brauchte, und auf seine Frage, warum er keinen zweiten Mitarbeiter der Firma getroffen hatte, hörte er, dass ein Mann ausfiel, weil seine Frau sich in den Wehen im Krankenhaus befand, und Benni hatte nach seiner Rückkehr aus Thailand gekündigt. Er hatte ein an alle Mitarbeiter gerichtetes Angebot zur Frühpensionierung angenommen, seine Lebensversicherung eingelöst und war nach Thailand ausgewandert, weil man da viel besser leben könnte, erzählte man ihm. Er war auch auf das Angebot einer sofortigen Beendigung des Arbeitsverhältnisses eingegangen.
Ulli war darüber nicht sehr traurig, auch dann nicht, als man ihm erzählte, dass man ihm deshalb etwas mehr Arbeit geben wollte, was wahrscheinlich recht viele Überstunden bedeutete, bis man einen neuen Kollegen gefunden und ihn in die Aufgaben Benni’s eingearbeitet hatte. Doch da sich die Überstunden in Aufenthaltszeit in Thailand konvertieren ließen, war ihm dieses Angebot ganz recht, zumal sein Apartment auch trotz all seines Komforts seine frühere Anziehungskraft verloren hatte und er sich dort gar nicht mehr so wohl fühlte, wie das früher war.
Doch da war noch ein anderes Problem, mit dem er nicht recht klarkam. Hatte es ihn früher an Orte gezogen, an denen er junge Frauen kennenlernen konnte, so war ihm das nun seltsam gleichgültig, seit er gelegentlich noch einmal dort gewesen war. Offensichtlich interessierte er sich nicht mehr für die Frauen, die hier erreichbar waren. Das lag aber sicher nicht daran, dass er sich in Phet verliebt hatte. Es lag eher daran, dass er schon vorher recht lustlos gewesen war, junge Frauen kennenzulernen und nun, seit er gesehen hatte, wie sich die Frauen in Thailand verhalten, gar keine Lust mehr hatte, hier Frauen zu treffen oder sich lange mit ihnen zu unterhalten, was ohnehin zumeist in einen Smalltalk über irgendwelche Nebensächlichkeiten oder eine Diskussion der Regierungspolitik ausgeartet war.
Er versuchte, den Grund herauszufinden. Zunächst war ihm aufgefallen, dass die deutschen Frauen in erster Linie Anglerinnen waren und sich darauf konzentrierten, einen guten Fang zu machen. Sie hielten sich für Filmstars und suchten braun gebrannte Bodybuilding-Typen, die einen Porsche vor dem Lokal hatten und reich waren. Außerdem suchten sie aber auch Anerkennung und Aufmerksamkeit, wollten alles besser wissen und zudem noch hofiert werden. Es war dieses Verhalten, als würden sie einem gewöhnlichen Menschen eine Gnade erweisen, mit ihnen sprechen zu dürfen, was sie so unangenehm machte.
Sie waren nur selten verlockende Schönheiten, aber sie waren oft hochnäsig, versuchten sich gut zu verkaufen und gaben sich nicht die geringste Mühe, einen Menschen kennenzulernen. Die modernen Partnerschaften zeichneten sich durch Streit und Machtkämpfe aus, statt wirklich eine Gemeinsamkeit darzustellen. Im Gegensatz hierzu bemühen sich thailändische Frauen darum, dass sich ihr Partner wohlfühlt. Es gibt keine Diskussionen über Wirtschaftspolitik, Gesellschaftsanschauung oder Kommunalpolitik, aber auch nicht über Gleichberechtigung. Es gibt kaum eine Meinungsverschiedenheit, weil die Frau sich zumeist der Meinung enthält und schweigt, oder die Meinung des Partners vertritt, sofern der nicht die ganz seltsamen Ideen eines „Farang“ haben sollte. Hier herrscht eine ganz klare Rollenverteilung:
Die Frau bemüht sich um das Wohlbefinden des Partners und der Familie. Und sie kümmert sich um den Haushalt, während der Mann für das nötige Einkommen und die finanzielle Versorgung der Familie verantwortlich ist. In seine Tätigkeit mischt sie sich nicht ein. Natürlich bemühen sich auch die thailändischen Frauen darum, einen möglichst wohlhabenden Mann zu finden, doch sind ihre Ansprüche weitaus bescheidener, wahrscheinlich ein Grund dafür, dass in Thailand so wenige Mercedes und Porsche zu sehen sind. Normalerweise sind die zufrieden, einen Mann zu finden, der Unterhalt und Nahrung für eine Familie verdienen kann. Wenn sie bereit sein sollten mit einem Ausländer zu leben und einen finden sollten, entstehen zumindest beim Kennenlernen überhaupt keine Probleme.
Da grundsätzlich alle Ausländer für reich gehalten werden, genügt es ihnen, irgendeinen Ausländer zu finden. Ausländer sind eigentlich nicht sehr beliebt in Thailand. Seit man recht häufig Ausländer mit Boxershirt oder mit nacktem Oberkörper betrunken und laut grölend an Bars und in der Öffentlichkeit gesehen hat, wo sie Frauen und andere Passanten belästigten, geht man stillschweigend davon aus, dass alle Ausländer so sind, dass sie ungebildet und unhöflich sind, sich nicht benehmen können, sich ständig mit Prostituierten abgeben, fortwährend Alkohol trinken und meist betrunken sind, aber viel Geld haben. Kulturelle Unterschiede und Verständigungsschwierigkeiten werden bei einem Versuch des Zusammenlebens als selbstverständlich vorausgesetzt.
Das alles sind Gründe dafür, dass thailändische Frauen normalerweise kein Interesse daran haben, sich in der Nähe von Farang sehen zu lassen, um nicht in Probleme mit denen zu geraten und um nicht für Prostituierte gehalten zu werden. In den Touristenhochburgen ist dies nicht so problematisch, weil Anblick eines Ausländers mit einer Thailänderin hier normal ist, und die Thailänderin kaum Gefahr läuft, hier Familienmitglieder oder Bekannte aus ihrem Dorf zu finden, die nicht ebenfalls im Tourismusgewerbe tätig sind.
Wenn eine Thai sich hier zusammen mit einem Ausländer sehen lässt, so bedeutet dies allerdings nicht unbedingt, dass sie ihn für eine ernsthafte Partnerschaft in Betracht zieht. In den meisten Fällen ist sie seine Begleiterin, solange er sie dafür bezahlt und geht, sobald er die Bezahlung einstellt. Normalerweise ist sie bestenfalls bereit, mit ihm zu leben, sofern sie dafür ein entsprechendes Gehalt erhält. Andererseits muss aber akzeptiert werden, dass sie dieses Geld zur Versorgung ihrer Familie oder ihrer Kinder benötigt und selbst dann, wenn sie niemanden zu versorgen hat, eine gewisse Rücklage für sich selbst braucht. Denn während sie mit dem Ausländer lebt, wird sie älter, womit ihre Einkommensmöglichkeiten sich verringern und schon in wenigen Jahren schwinden. Sie braucht eine Rücklage, weil der Ausländer sie bei Nichtgefallen, im Falle eines Streites oder bei Übernahme einer anderen Arbeit im Ausland jederzeit vor die Tür setzen kann. Damit hätte sie, je nach Alter, ohne Rücklagen keinerlei Einkommensmöglichkeiten mehr.
Allerdings gibt es auch Thaifrauen, die aufgrund näherer Erfahrungen auf eine Partnerschaft mit Thailändern verzichten, weil sie Thailänder für zu beherrschend und teilweise brutal halten und meinen, dass Ausländer aufgeschlossener sind. Und es bleibt eine hohe Anzahl von Frauen, die keinerlei Besitz haben; die ihr Dorf verlassen haben, um in der Stadt Arbeit zu suchen; Frauen, die mit Mühe ihren Lebensunterhalt verdienen; Frauen, die in Massagesalons oder in Bars untergekommen sind; Frauen, die ihre Familie ernähren wollen und vielleicht auch eigene Kinder ernähren müssen; Frauen, die nicht verheiratet sind, keinen Ernährer haben oder von ihrem Mann verlassen wurden.
Dies sind Frauen, die mit höchster Wahrscheinlichkeit keinen thailändischen Ehemann finden können und wohl die meisten von ihnen suchen einen „Farang“. Sei es, um sich durch Liebesdienste den Lebensunterhalt zu verdienen, sei es, um aus ihnen, egal wie, Geld herauszuholen, oder aber auch, um mit einem von ihnen leben zu können, damit sie ihre Familie oder ihre Kinder ernähren können, oder um vielleicht eine Partnerschaft zu versuchen. Grundlage dieser Beziehung ist aber immer die Notwendigkeit, Geld zur Ernährung und Versorgung meist auch einiger Familienmitglieder zu verdienen.
Doch das konnte Ulli nicht wissen, als er an die Unterschiede zwischen den deutschen und den thailändischen Frauen dachte. Ihm fiel nur auf, wie problemlos die Partnerschaften erschienen waren, die er in Thailand gesehen hatte und wie sehr sich die Frauen bemüht hatten, es den Männern recht und ihnen ihr Leben möglichst bequem zu machen. Auch hatte er selbst niemals irgendwelche Probleme oder gar Streit mit seiner Phet erlebt. Sie hatte sich immer an ihn angepasst, versucht, ihm eine Freude zu machen.
Wenn es auch keine große Liebe gewesen war, so konnte man doch von einer schönen und problemlosen Freundschaft sprechen, von einer schönen Zeit, die sie gemeinsam verbracht hatten. Und genau das war es, was ihm jetzt fehlte. Eine nette Gemeinsamkeit, ein gemütliches Zusammensein ohne große Diskussionen, aber das ließ sich hier nicht finden. Hier gab es zwar Stammkneipen, Diskotheken und Lokale für Singles, aber das hatte alles nichts mit einer netten Gemeinsamkeit zu tun.
Das waren in der Regel teure Abende, nach denen man enttäuscht nachhause ging, um dann in Kürze mit neuer Hoffnung doch wieder auszugehen, weil man es auf die Dauer zuhause nicht alleine aushielt. Aber es war ganz anders, als in Thailand, wo zumindest ein gemütlicher Abend in netter Gesellschaft garantiert erschien und auch die Nacht in einer attraktiven und bereitwilligen Gesellschaft sicher war.
Doch Ulli war sich darüber im Klaren, dass es sich nur um eine schöne Urlaubszeit gehandelt hatte, eine Zeit, in der man viel Geld ausgab, um sich wohl zu fühlen, damit man sich von den Anstrengungen des normalen Alltagslebens erholen konnte. Damit war es aber auch eine Zeit, die man nicht bedenkenlos verlängern konnte. Alleine schon deswegen, weil diese Zeit und selbst die schönsten Vergnügungen, auf die Dauer gesehen, schon durch das Fehlen einer sinnvollen Tätigkeit langweilig und öde würden, und dann auch deshalb, weil man sich die im Urlaub üblichen Ausgaben nicht leisten kann, wenn man dort auf die Dauer lebt.
Er kam nach reiflicher Überlegung zum Ergebnis, dass er die sichtlich sinnlosen und nur auf unbegründeten Hoffnungen basierenden Vergnügungen in Deutschland einschränken wird und dafür lieber in Thailand Urlaub macht. Dann dürfte er im Laufe der Jahre selbst sehen, ob er seinen Lebensabend in Thailand verbringen kann oder ob er vielleicht irgendeine Arbeit in Thailand findet oder eine Beschäftigung, die er in Thailand durchführen kann, um seinen Lebensabend dort zu verbringen.
Die Industrialisierung Thailands schien ihm zu langsam fortzuschreiten, um Hoffnung auf eine Anstellung in seinen Berufen zu finden. Und schlicht als Chemiker zu arbeiten, brachte dort wohl nicht viel Geld ein, zumal Thailand über ausreichend inländische Chemiker verfügen konnte, wie er bereits in Erfahrung gebracht hatte. Es würde auch von seinen Urlaubserfahrungen und sicherlich von seiner Finanzlage und seinen Verdienstmöglichkeiten abhängen, auf welches Alter er seinen Lebensabend ansetzen konnte. Vorsichtshalber schrieb er Phet einen Brief mit einer kleinen Beilage und der Mitteilung, dass er sie in seinem nächsten Urlaub gerne wieder treffen würde. Er meinte, das verbesserte seine Chancen, sie wiederzusehen und würde es ihm ersparen, nach einer geeigneten Frau zu suchen, was ihn einige Urlaubstage und einige Enttäuschungen kosten könnte.“

Dieses Buch ist überarbeitet und neu veröffentlicht. Es ist als E-Book und Taschenbuch zu kaufen. Im Shop von Amazon, ist der Einführungspreis für das E-Book kurze Zeit auf 2,99 € festgelegt.

Copyrigth

Informationen über mich findet ihr in meinen Büchern, bei FB wenn ihr Euch die Mühe mach dort meine umfangreiche Chronik zu studieren (aber auch meine Kommentare, denn da teile ich sehr viel über mich mit), aber auch hier auf meinem Blog

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