Sie suchen Geld, Sex oder Leben

Ein Auszug aus dem ersten Kapitel

„PREECHA WAR ZUM ANSTAND ERZOGEN

Preecha war ein Einzelkind von Bauern, deren ganzer Stolz sie war, eine Prinzessin, die zum Anstand erzogen wurde. Als sie und die Armut größer wurden, zog sie in die Stadt, um ein lustiges Leben zu suchen.
Viele Nachbarn und auch Leute der weiteren Umgebung bezeichneten Preechas Eltern als ein vorbildliches Ehepaar. Sie kamen aus einem sogenannten guten Hause. Das bedeutet, dass ihre Eltern einige kleine Felder sowie etwas eigenen Besitz hatten und es sich erlauben konnten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Als die Eltern heirateten, war der Vater 20 Jahre alt und die Mutter war 17, also für dörfliche Verhältnisse gerade im richtigen Alter. Das junge Paar richtete sich bei den Eltern der Braut ein. Es arbeitete vorwiegen dort im Haushalt und auf den Feldern mit, half aber auch öfter auf den Feldern der Eltern des Bräutigams mit.
Doch schon bald wurde mit dem Bau eines eigenen Hauses begonnen, das dem Status der Familie entsprechen sollte, wozu die Eltern beider Teile etwas beisteuerten und bei der Arbeit mithalfen, nachdem ersichtlich war, dass sie bald Großeltern sein würden. Das Kind war ein Mädchen, sie nannten es Preecha. Bei ihrer Geburt hatte es Probleme gegeben und man sagte den Eltern, dass die Mutter keine Kinder mehr bekommen konnte, was zur Folge hatte, dass diese besonders gut auf ihr einziges Kind aufpassten. Preecha war nun immer bei den Eltern, sei es im Haus, auf den Feldern oder vor dem Haus. Und die Eltern gaben sich alle Mühe, Preecha gut zu erziehen; sie sagten ihr immer sofort, was verboten ist, was sie nicht tun darf, was schmutzig ist, was unhöflich ist und was sich nicht gehört.
Als Preecha drei Jahre alt wurde, schickten die Eltern sie in den Vorschulkindergarten, damit sie auch ja rechtzeitig mit dem Lernen beginnt und möglichst schon vor Schulbeginn lesen und schreiben kann, denn sie sollte etwas Besonderes sein und aus ihr sollte einmal etwas Großes werden, hatten die Eltern beschlossen. Aus diesem Grunde fanden sie es auch gut, wenn sie nicht zu viel mit anderen Kindern spielte, weil sie dabei sicherlich verdorben würde und die Eltern so viel mehr Gelegenheit hatten, Preecha anständig zu erziehen, wenn sie ständig in ihrer Nähe war.
Als Preecha in die Schule kam, war sie begeistert. Die Eltern freuten sich darüber und bemerkten nicht, dass es immer ein schlechtes Zeichen ist, wenn ein Kind sich auf eine Schule freut, in der es die ganze Zeit stillsitzen muss. Denn das bedeutet nicht, das die Schule schön ist, sondern nur, dass es zuhause noch schlimmer ist. Tatsächlich fand Preecha es wesentlich angenehmer, in einer Schule zu sein, wo eine einsame Lehrerin sich neben den langweiligen Vorlesungen noch darum bemühte, sich als wichtige Persönlichkeit darzustellen und auf über 50 Kindern herumzuhacken, als zuhause zu sein, wo gleich zwei Lehrer die Chance sahen, dies gleichzeitig an einem einzigen Opfer durchzuführen.
Preecha hatte immer gute Kleider und gute Schulnoten, was beides darauf zurückzuführen war, dass die Eltern großzügig waren. Welche Dorfschullehrerin gibt einer Schülerin schon schlechte Noten, wenn sie deshalb fürchten muss, dass die Lieferung französischer Toilettenartikel und eine gewisse finanzielle Hilfe für die positive Gestaltung des Unterrichts und der Noten eingestellt werden. Schon ab dem vierten Schuljahr achteten Preechas Eltern sehr darauf, dass sie nie alleine wegging und schon gar nicht mit Freundinnen. Es hat sich so eingebürgert, dass Eltern die eigenen Kinder grundsätzlich immer für gut, anständig und gehorsam halten und nur von den anderen Kindern, die alle böse sind, verdorben werden. Preechas Eltern garantierten dafür, dass Preecha nicht verdorben würde und waren sogar bereit, mit ihr mitzugehen, wenn sie denn einmal ein Schreibheft oder einen Kugelschreiber kaufen wollte oder wenn sie irgendeine andere Ausrede erfand, um einmal alleine von zuhause wegkommen zu können. Die Eltern waren sogar so hilfsbereit, dass sie auf einen Kindergeburtstag mitgingen, weil es sich bei dem Kind um die Tochter des Bürgermeisters handelte und man dort nicht einfach absagen konnte.
Preecha beendete das sechste Schuljahr mit guten Noten und freute sich darauf, während dem nächsten Schuljahr möglicherweise allein in eine andere Schule zu gehen, die weiter weg war. Da diese Schule aber viel weiter weg war und Preecha mit höchstens zwei Mitschülerinnen und sich folglich unkontrollierbar in eine Schule gehen müsste, die die Eltern noch nicht einmal gesehen hatten, erklärten sie ihr, dass sie nicht in diese Schule gehen wird, weil die Eltern sie dort nicht so gut behüten konnten.
So blieb Preecha also den ganzen Tag zuhause, als wäre sie dort angebunden. Nach der Beendigung der Grundschule durfte sie noch auf dem Feld mitarbeiten und mit der Mutter zusammen einkaufen gehen, was sie aber bald schon nicht mehr interessierte, nachdem die Felder nach zwei Jahren Dürre nicht mehr zu bearbeiten waren, die Haushaltskasse sich der Dürre sehr angepasst hatte, die Mutter das Haus kaum noch verließ und auch kaum noch etwas kaufte.
Preecha fand es gar nicht lustig, ständig mit einer unsichtbaren Nabelschnur mit den Eltern verbunden zu sein, und dies schon gar nicht, nachdem es keine Arbeit auf den Feldern gab und ihr Wunsch, vielleicht irgendwo arbeiten zu gehen, schroff abgelehnt wurde, weil sich das für junge Mädchen nicht gezieme. Die Eltern erklärten ihr wie schon so oft, dass sie ein anständiger Mensch bleiben würde und nicht etwa so etwas, wie die Mädchen in Bangkok und Pattaya. Sie erklärten ihr, dass sie sich um ihre Zukunft keine Sorgen zu machen brauchte, weil ihre lieben Eltern schon rechtzeitig einen jungen Mann für sie finden werden, der sie heiratet, damit sie genauso anständig und angesehen leben wird, wie ihre Eltern.
Die Eltern fanden es völlig unverständlich, dass Preecha ob dieser Verheißung nicht in großen Jubel ausbrach. Preecha hingegen hatte es noch nie als ihr Lebensziel angesehen, anständig zu sein, denn schließlich hatte sie lange genug bei ihren Eltern gelernt, dass man so etwas den ganzen Tag lang tun muss, was sehr anstrengend, langweilig als auch völlig sinnlos ist und grundsätzlich nichts einbringt, als Ärger und weitere Ermahnungen zu gehobenem und dauerhaftem Anstand. Außerdem hatte Preecha schon eine sehr gesunde Abneigung gegen diesen Anstand, denn nachdem es keinerlei Arbeit gab, beschäftigten sich Preechas Eltern vornehmlich damit, ihr diesen Anstand immer wieder aufs Neue vorzuhalten und einzuhämmern, was Preecha als ebenso lästig wie unanständig empfand.
Ausgesprochen ungemütlich wurde die Situation, als die Ersparnisse des Haushalts zur Neige gingen. Dies hatte zunächst zur Folge, dass die Hühner, die noch unlängst hin und wieder den häuslichen Suppentopf bevölkert hatten, verbannt wurden. Preecha war fest überzeugt davon, dass sie nun unanständig geworden waren und folglich nicht mehr über die Schwelle ihres Elternhauses kamen. Es versteht sich von selbst, dass sich diese Anstandsregel auch auf andere Fleischsorten und teurere Gemüse, bald auch auf Trockenfisch und die Fischpaste bezog, die es sonst immer noch als letzte Reserve gegeben hatte.
Preecha ließ ihr Leben an sich vorüberziehen. Sie saß nun seit Jahren anständig zuhause und aß Reissuppe. Damit war alles ausgesagt. Die Nachbarn hatten sich von ihren Eltern ebenso zurückgezogen, wie ihre Eltern von den Nachbarn. Gegenseitige Besuche hatte es so gut wie nie gegeben, da ihre Eltern meinten, zu einer besseren Gesellschaftsschicht zu gehören, deren weitere Angehörige jedoch nicht im Dorfe vertreten waren. Sicher hatte Preecha noch viele ihrer Prinzessinnenkleidchen, die die Mutter ihr selbst genäht hatte und die sie noch nie hatte ausstehen können. Doch die Kleidchen störten sie nicht mehr, nachdem sie die direkte Umgebung des Hauses sowieso nie verlassen durfte und von niemand gesehen wurden. Die Frage, ob man diese Prinzessinnenkleidchen nicht zu guten Stricken verarbeiten konnte, um sich daran aufzuhängen, war Preecha nicht neu.
Eines Tages überraschte sie der Vater mit der Mitteilung, dass er in die Stadt geht, um Arbeit zu suchen, weil es auf den Feldern nichts zu tun gab und die Familienkasse leer war. Preecha war darüber nicht sonderlich gerührt, konnte sich bei der Verabschiedung des Vaters auch nicht die Tränen abquetschen, die die Mutter anstandshalber vergoss und von ihr wohl auch zu verlieren erwartete. Vielmehr hatte ihr die Idee des Vaters eine neue Perspektive gegeben. Er glaubte, in der Stadt Arbeit zu finden und Geld verdienen zu können. Er konnte also offensichtlich in der Stadt etwas tun, was er hier nicht konnte. Da Preecha hier gar nichts tun konnte, brachte sie das auf den Gedanken, dass sie dann in der Stadt wohl etwas tun und auch Geld verdienen konnte. Immerhin war sie jetzt 17 Jahre alt. Kurz nach der Abreise des Vaters zog sie einen Strich unter ihr Vorleben und schuf sich damit eine neue Existenz.
Sie wollte zu den Mädchen gehen, die so glücklich waren, dass sie nicht den ganzen Tag lang anständig sein mussten, zu den schlimmen Mädchen, die ganz offensichtlich ungestört durch die ständige Gegenwart von Eltern oder Großeltern in Bangkok oder Pattaya vergnügt leben konnten. Preecha sah solch ein Leben durchaus als verlockend und verheißungsvoll an. Allein schon deshalb, weil ihre Eltern es immer als unanständig bezeichneten, hatte Preecha allen Grund zur Annahme, dass es dann vielleicht Vergnügen bereiten konnte und nicht so kalt und langweilig wäre, wie ihr anständiges Leben es zuhause stets gewesen war.
Sie hatte mit ihren Mitschülerinnen in der Schule guten Kontakt gehabt und viel von ihnen über ihre Familien gehört. Deshalb wurde sie den Gedanken nicht los, dass das Leben in anderen Familien viel schöner war, als bei ihren Eltern und den Großeltern, wo alles kalt, steril und anständig war. Sie hatte dort auch von den so unanständigen Mädchen gehört, die in Bangkok und in Pattaya arbeiteten, denn zwei ihrer Klassenkameradinnen hatten große Schwestern, die damit gutes Geld verdienten, Geld, dass sie selbst ausgeben durften und nicht nur in Gegenwart der Mutter, Geld, mit dem sie kaufen konnten, was sie wollten. Außerdem hatten sie auch etwas Besseres zu essen, als Reissuppe mit irgendeinem Grünzeug.
Trotz aller Angst, das Dorf zu verlassen, die sie wegen ihrer Unerfahrenheit, fehlender Informationen und fehlender Bekannter hatte, gab es doch nichts, was sie halten konnte. Sie hatte im Dorf keine Freunde, sie hatte nur eine Mutter, Reissuppe, Prinzessinnenkleidchen und eine tödliche Langeweile, also alles, was anständig, aber leider unausstehlich war. Sie beschloss, dass es nicht schlimmer kommen könnte. Preecha nahm das Geld, das man ihr in früheren Zeiten noch zum Sparen gegeben hatte, das sie aber niemals Gelegenheit bekommen hatte, zu verwenden. Dann packte sie einige persönliche Habseligkeiten in eine Tasche. Als die Tasche nur gerade viertelvoll wurde, packte sie sogar noch zwei ihrer Prinzessinnenkleidchen ein. Wenn man diese fußlangen Dinger ein erhebliches Stück kürzte, könnte sie sie vielleicht am Anfang gebrauchen, bis sie etwas Geld verdient hatte, um sich vernünftige Sachen zu holen.
Es war lange nach Mitternacht, als sie sich mit ihrer Tasche auf den Weg in die nächste Kleinstadt machte. Sie hatte gehört, dass man zu Fuß wohl gut drei Stunden brauchte. Sie konnte aber nicht gut am Tag das Haus verlassen, um sich von irgendjemand mitnehmen zu lassen. Auch wenn sie bis zum frühen Morgen wartete, hatte sie Angst, die Mutter könnte sie hören. Sie hatte ihr Zimmer noch aufgeräumt, bevor sie gegangen war, dann hatte sie eigentlich eine Nachricht schreiben wollen, aber es war ihr kein sinnvoller Satz eingefallen, so viel sie auch überlegte. Die Mutter würde sowieso nur sagen, dass das nicht anständig war, aber es würde sie nicht sonderlich berühren. Sie würde sich höchstens fragen, was die Nachbarn nun sagen würden, aber was mit ihrer Tochter geschah, würde ihr wohl völlig gleichgültig sein, solange es nur anständig war. Also schrieb sie nur wenige Worte auf einen kleinen Zettel, dass sie weggegangen sei, um Arbeit zu suchen, damit die Mutter sich keine Sorgen machte.
Preecha wanderte durch die Nacht und war froh, dass ein fast voller Mond ihren Weg gut beleuchtete. Sie brauchte zwar nur dem Lauf der Straße zu folgen, aber die Straße war sehr uneben. Als sie durch ein Dorf kam, bellten einige Hunde und folgten ihr ein Stück. Aber vor denen hatte sie keine Angst. Angst hatte vor dem, was jetzt auf sie zukam, aber sie hatte das Gefühl, dass ihr nichts anderes übrigblieb, als das Haus und ihre Heimat zu verlassen, wenn sie nicht weiter Reissuppe essen und hilflos abwarten wollte, bis ihre Eltern eines Tages einen anständigen Mann anschleppten, den sie dann zu heiraten hatte, ob sie ihn mochte oder nicht.
Nein, es tat ihr nicht leid, dass sie alles hinter sich gelassen hatte und sie drehte sich auch nicht um. Es gab jetzt nur noch einen Weg nach vorne, auch wenn sie noch nicht wusste, wo der sie hinführen mochte. Als sie in die Kleinstadt kam, waren die Straßen noch leer, aber sie hatte Glück, dass der erste Bus nach Bangkok schon kurz nach 5 Uhr morgens abfuhr, so brauchte sie nicht lange zu warten. Die Fahrt nach Bangkok sollte etwa sechs Stunden dauern, so dass sie noch vor Mittag ankam. Sie wollte dann gleich eine Arbeitsstelle suchen, weil sie wusste, dass es länger dauern konnte, bis sie eine Stelle fand und weil sie kein Geld für eine Unterkunft und ihr Geld auch bei größter Sparsamkeit nur kurze Zeit ausreichen würde, um sich etwas zu essen kaufen zu können.
Als der Bus losfuhr, schlief Preecha bald ein. Bei einer Haltestelle wurde sie einmal wach, als schon die erste Morgenröte am Horizont stand. Um diese Zeit stand die Mutter auf, aber jetzt lag ihr Dorf schon in weiter Ferne. Preecha überlegte ihre ersten Schritte in Bangkok, aber dann schlief sie bald wieder ein. Es war ein unruhiger Schlaf, bei dem sie öfter erwachte und wieder einschlief, bis sie sich Bangkok näherten, was an der zunehmenden Besiedlung erkennbar war. Preecha schaute sich jetzt die Gegend und die vielen Häuser an, die ganz anders, viel größer und viel massiver aussahen, als die Häuser in ihrem Dorf. Als der Bus an einigen Bars vorbeikam, versuchte sie, sich einen der Namen zu merken, denn sie wusste sonst nicht, wie sie in Bangkok eine Bar finden sollte.
Es war erst kurz nach elf Uhr, als sie an der Bushaltestelle von Morchit ausstieg. Die vielen Busse und die vielen Menschen bedrückten sie. Dann sah sie einige Essensstände. Sie setzte sich an einen kleinen Tisch und bestellte sich Reis mit Huhn. Sie sagte der Frau, die ihr den Teller brachte, sie suche ihre Schwester, die in der Sissi Bar arbeitet und fragte, ob sie die Bar kennt. Die Frau schüttelte mit dem Kopf und sagte, sie sollte einmal in der Silom Road nachschauen, da wären viele Bars. Zwei Männer kamen, die ihr eine gute Arbeit anboten, aber sie traute denen nicht und fragte sich durch, bis sie einen Bus fand, der sie bis zur Silom Road brachte. Preecha war von Bangkok überwältigt. Wer so wie sie immer nur wohlbehütet in einem kleinen Dorf gelebt hat, der konnte sich hier unmöglich zurechtfinden. Aber ihr tat es immer noch nicht leid, dass sie nach Mitternacht nur einen Zettel in der Küche und ihr Dorf hinter sich gelassen hatte. Sie wollte auch jetzt nicht aufgeben, weil es für sie keinen anderen Weg gab.
Man hatte ihr gesagt, dass es in der Silom Road und in der New Phetchburi Road viele Bars gibt und sie suchte eine Arbeitsstelle. Schließlich kam sie mit einem Bus auf der Silom Road an. Aber sie war vorsichtig und ging erst einmal los, um sich mehrere Bars anzusehen und Informationen zu holen. Sie fragte, wo die Sissi-Bar ist, weil sie dort ihre Schwester besuchen wollte. Sie hatte zwar keine Schwester, aber sie meinte, dies wäre der beste Weg, um Informationen zu erhalten. Dazu sagte sie denn einmal, dass es ihrer Schwester nicht in der Sissi-Bar gefällt und dass sie vielleicht eine andere Bar sucht. Dann sagte sie bei der nächsten Gelegenheit, dass sie sich überlegt, mit ihrer Schwester zusammen zu arbeiten.
Den Mädchen war das ziemlich egal. Jetzt zur Mittagszeit waren sowieso die meisten Bars geschlossen und an den anderen Bars waren keine Kunden. So war es den Mädchen ganz recht, etwas Unterhaltung zu haben und sie gaben bereitwillig über alles Auskunft. Sie wussten, wie sie sich gefühlt hatten, als sie das erste Mal aus ihrem Dorf nach Bangkok gekommen waren, konnten sich an die Angst und die Hilflosigkeit erinnern und sie hatten Verständnis für die vielen Fragen Preechas. Sicher waren sie auch stolz darauf, dass sie es geschafft hatten, ohne unterzugehen, stolz auf ihre Kenntnisse und Erfahrungen und Preecha war über jede Information froh.
Sie hörte, dass jetzt an der Sukhumvit Road auf der Nana Plaza und in der Soi Cowboy guter Betrieb sei und dass da neue Mädchen immer unterkommen können. Also ging sie von der Silom zu Fuß zur Sukhumvit, denn der Betrieb beginnt dort erst am Abend, sie hatte also reichlich Zeit und sie durfte vor allen Dingen nicht ihr weniges Geld verschwenden. Als Preecha an der Nana Plaza ankam, war es noch früh. Sie setzte sich an einen Straßenstand, aß einen Teller Reis und ließ sich einige Auskünfte über die Bars geben, die sie einige Meter weitersehen konnte. Ein Mädchen, das sich dazugesetzt hatte, um zu essen, gab ihr auch noch einige allgemeine Hinweise über die Arbeitsweise der Bars und erklärte ihr, welches die besten Bars sind, an denen sie nachfragen konnte, an welchen Bars noch Mädchen gesucht und auch ganz neue angenommen wurden.
Nachdem ihren Mitteilungen zufolge drei verschiedene Bars in die nähere Auswahl kamen, ging Preecha nach dem Essen hinüber und fragte bei den Mädchen nach. Es hieß, sie müsse noch gut eine Stunde warten, bis die Inhaberin kommt. Inzwischen erzählten ihr die Mädchen, wie das Leben an der Bar funktioniert. Sie lobten die Bar sehr, weil sie hier nicht mit jedem Gast mitgehen mussten, wie dies an vielen anderen Bars gefordert wird. Sie wären auch nicht verpflichtet, im Monat mindestens zehnmal mit einem Gast mitzugehen, was bei manchen Bars die Voraussetzung dafür ist, dass die Mädchen ihren Monatslohn von 1.600 oder 1.800 Baht bekamen. Aber wenn sie zu spät kommen oder vielleicht einen Tag gar nicht erscheinen, dann gibt es selbstverständlich Abzüge vom Lohn. Sie würde aber sicherlich angenommen, weil gerade drei Mädchen gegangen waren. Die hätten gemeint, es wäre zu wenig Betrieb, aber in Wirklichkeit sei nirgends etwas los und es seien kaum Touristen in Bangkok. Einige Mädchen hätten erzählt, dass auf Phuket und in Pattaya mehr Ausländer seien. Aber das wäre auch nicht sicher, und wo sie hier eine gute Stelle haben, wollten sie nicht riskieren, diese zu verlieren, ohne zu wissen, ob sie so eine gute Stelle in Pattaya oder Phuket auch wiederfinden.
Preecha hatte nun zum ersten Mal gehört, dass die Kunden Ausländer sind, und dass sich kaum einmal ein Thai an diese Bars verirrt, weil die an andere Plätze gehen, wo es billiger ist, oder wo sie teure Luxusfrauen finden, oder vielleicht auch Schülerinnen, die auf der Jagd nach Geld sind. Preecha fühlte sich jetzt noch unsicherer, denn von den Farang, die hier als Gäste kamen, hatte sie nichts Gutes gehört. Doch die Mädchen beschwichtigten sie und erklärten, dass die Farang gut zahlen, weniger Probleme machen, als die meisten Thai und ohnehin nur kurze Zeit da sind.
Als die Inhaberin der Bar ankam, konnte Preecha mit ihr sprechen, sie wurde angenommen und konnte gleich anfangen. Sie stellte ihre Tasche in eine Ecke und ließ sich von den Mädchen erzählen, was sie zu tun hat und wie sie sich verhalten muss. Sie war heilfroh, dass sie so schnell eine Stelle gefunden hatte. Sie hatte damit gerechnet, dass es mehrere Tage dauert, bis sie angenommen wird. Das gab ihr Mut. Aber sie hatte jetzt immer noch keinen Schlafplatz und machte sich Sorgen. Ihre Kolleginnen konnten ihr im Moment auch nicht weiterhelfen, gaben ihr aber den Rat, bei den Nachbarbars zu fragen. Die Chefin erlaubte ihr, die Bar zu verlassen und sagte ihr, sie sollte sich anschließend bei der Kassiererin melden, damit diese sie in die Arbeit an der Bar und in die Preise einweist.
Preecha hatte Glück. Schon in der zweiten Bar, in der sie nach einem Schlafplatz fragte, sagte eines der Mädchen nach einer kurzen Rücksprache mit zwei Freundinnen, dass sie bei ihnen vorübergehend schlafen kann. Sie seien allerdings schon etwas beengt und es ist nichts für die Dauer, aber sie hätte erst einmal einen Schlafplatz mit Dusche und Waschgelegenheit. Dafür brauchte sie dann nur 20 Baht am Tag zu zahlen, aber sie sollte sich bemühen, eine andere Bleibe zu finden, weil sie nur einer Kollegin in Not helfen wollten, aber auf keinen Fall eine Mitbewohnerin suchten.
Als Preecha sich bei der Kassiererin zurückmeldete, hielt die ihr erst einmal einen großen Vortrag über die Bedienung. Wenn ein Farang in die Nähe kommt, so sollte sie ihn laut rufen: „Hello, mister, please, sit down!“, aber auf keinen Fall „Eh, you!“. Dann gab sie ihr einen Zettel und einen Kugelschreiber, um sich die Namen der verschiedenen Getränke und deren Preise aufzuschreiben und erklärte dazu: „Ich will nicht, dass irgendjemand sagt: ‘No have’, wenn das gewünschte Getränk bei uns im Regal steht. Damit können wir leicht einen Kunden verlieren, der sonst vielleicht drei oder vier Wochen lang jeden Abend zu uns kommt.“ Als Preecha sich die Namen in Thai notierte, schaute die Kassiererin auf ihre Handschrift und war zufrieden. Als sie ihr sagte, sie sollte einmal versuchen, die Getränke in Englisch zu schreiben, fiel das Ergebnis gar nicht so gut aus und die Kassiererin sagte, dass Preecha unbedingt Englisch lernen muss, wenn sie mehr Geld verdienen will. Die Männer nehmen die Mädchen nur dann für mehrere Tage oder längere Zeit mit, wenn sie sich mit ihnen auch verständigen können und es gäbe keine Farang, die Thai sprechen.
Preecha sagte, dass sie Englisch lernen will, aber sie wüsste nicht, wo und wie. Darauf schrieb die Kassiererin einige Sätze auf, die an einer Bar wichtig sind und übte diese Sätze mit ihr. Dann sagte sie ihr anschließend, sie solle sich das Buch ‘95 Lektionen’ kaufen, damit konnte sie zumindest anfangen, etwas zu lernen, aber sie sollte sich bemühen, dass regelmäßig jeden Tag zu tun. Dann fügte sie noch hinzu, dass zu dieser Jahreszeit wenige Gäste kommen und meinte, Preecha sollte sich ruhig mit dem Buch an die Theke setzen, wenn keine Gäste da sind oder nur wenig Betrieb herrscht. Ferner gab sie ihr den Tipp, dass sie am Abend auch eine oder zwei Stunden vor Beginn ihrer eigentlichen Arbeitszeit kommen kann, weil sie dann am meisten Zeit und Ruhe hat, Englisch zu lernen. Preecha war darüber ganz froh, denn ihre Unterkunft war wirklich nur ein Schlafplatz und sie wusste nicht recht, wo sie sich aufhalten konnte. So kam sie regelmäßig früher zur Arbeit, lernte etwas Englisch und zeigte sich auch ansonsten als gelehrig. Nur hatte sie immer noch keinen Kunden gehabt, nachdem sie schon fast zwei Wochen da war. So langsam ging ihr trotz sparsamster Haushaltung die magere Geldreserve zur Neige, die sie mitgebracht hatte, ohne Aussicht auf einen baldigen Verdienst zu haben.
Da die Kassiererin mit Preecha gut zurechtkam, kam sie ihr zur Hilfe und erklärte den Gästen, dass Preecha gerade erst aus ihrem Dorf kam. Sie übernahm auch die Übersetzung und vermittelte Preecha schließlich an ihren ersten Kunden. Der nahm sie in ein besseres Hotel mit und ärgerte sich über ihre Hilflosigkeit, die er zunächst für Dummheit hielt. Dann aber staunte er nicht schlecht, als er bemerken musste, dass Preecha noch Jungfrau war. Er fragte sie verblüfft, was denn die anderen Männer mit ihr gemacht hätten und war ganz entgeistert, als er hörte, dass Preecha noch nie mit einem Mann mitgegangen sei. Er war so durcheinander, weil er an einer Bar in Bangkok eine Jungfrau gefunden hatte, dass er ihr am nächsten Morgen von sich aus statt der vereinbarten Summe 2.000 Baht gab.
Es war Preechas erstes selbst verdientes Geld, was ihrer Hoffnung einen enormen Auftrieb gab. Sie verdoppelte auch sofort ihre Anstrengungen, Englisch zu lernen, weil sie erlebt hatte, dass das unbedingt erforderlich ist, wenn sie in diesem Beruf Geld verdienen wollte. Sie war geradezu begeistert, als derselbe Mann sie am Abend wieder auslöste und verstand sogar, als die Kassiererin übersetzte, dass er ihr aber diesmal nicht wieder so viel Geld gibt. Er war wegen geschäftlicher Verhandlungen in Bangkok, kam fünf Tage hintereinander in die Bar und löste Preecha aus, dann fuhr er zurück nach Europa und gab ihr zum Abschied noch ein paar schöne Scheine. Dabei erklärte er, dass er sie sicher nie vergessen wird, und versuchen wird sie zu finden, wenn er wieder einmal nach Bangkok kommt.
Preecha hatte nun einiges Geld verdient. 1.000 Baht schickte sie der Mutter. Das gehörte sich einfach so, zumal sie wusste, dass die Mutter kaum etwas zu essen hatte. Nein, sie hatte kein Heimweh, sie gab auch keine Anschrift an. Sie schrieb nur, dass sie eine gute Arbeit gefunden hat, dass es ihr gut geht und dass sie hofft, bald eine bessere Unterkunft zu finden und das war nicht gelogen. Mehr brauchte die Mutter nicht zu wissen und mehr würde sie auch nicht interessieren, wenn sie das Geld erhalten hatte.
Die Regenzeit hatte schon begonnen. Das bedeutete, dass der Barbetrieb sehr still war, weil die Ausländer offensichtlich glaubten, dass es zur Regenzeit Tag und Nacht regnet und sehr heiß ist. Jedenfalls kamen zu dieser Zeit nur wenige Ausländer an die Bar und sie hatte gehört, dass sich das erfahrungsgemäß während der nächsten Monate nicht ändert. Immerhin hatte sie Geld verdient, genug zu essen und sie fand das Leben hier wesentlich unterhaltsamer, als die Anstandsregeln, die zuhause ihre Unterhaltung gewesen waren. Die Möglichkeit, sich mit den Mädchen unterhalten zu können und selbst auswählen zu können, was sie essen wollte, schien ihr schon ein großer Teil der Freiheit zu sein, von der sie geträumt hatte.
Zu dieser Jahreszeit sind nicht sehr viele Mädchen an den Bars. Nun ist es nicht so, dass sie von den Barinhabern weggeschickt werden, aber wenn viele Mädchen an der Bar sind und es kommen nur wenige Gäste, dann bleibt auch der Verdienst aus und manche Mädchen kommen dann nach der Lohnauszahlung nicht wieder. Sie versuchen, eine Bar zu finden, die mehr Betrieb hat, vielleicht auch in einer anderen Stadt. Und die Barinhaber bemühen sich nicht zu sehr, neue Mädchen zu finden, weil sie diese erst anlernen müssen und die dann mit Beginn der Hochsaison wahrscheinlich wieder eine andere Bar suchen. Für Preecha hatte das den Vorteil, dass ihr ein Zimmer angeboten wurde, dass sie sich mit zwei Mädchen teilen konnte, die auch in den Bars von Nana Plaza arbeiteten.
Es vergingen nun mehrere Wochen, in denen Preecha nur hin und wieder einmal einen Kunden hatte, meist Männer zwischen 35 und 60 Jahren, die sie für eine Nacht oder für zwei oder drei Tage auslösten, Männer, die sich auf Geschäftsreisen in Bangkok befanden. Nein, es war kein Geschäft. Das Geld reichte gerade für ein Überleben ohne Not oder Hunger, für die Geldsendung an ihre Mutter und für eine kleine Reserve für Notzeiten.
Aber es war doch recht unangenehm, dass man jeden einzelnen Baht erst dreimal umdrehen und dann noch einmal langsam bis zehn zählen musste, bevor man ihn ausgab. Sie schickte der Mutter jetzt jeden Monat 700 Baht, was für eine einzelne Person auf dem Lande viel Geld ist. Dann musste sie 1.000 Baht Miete bezahlen und sie hatte sich etwas Kleidung gekauft. Preecha musste sich mit ihren Ausgaben einschränken, damit sie jeden Monat 2.000 Baht für Notfälle oder für zukünftige Investitionen beiseitelegen konnte, wie sie es sich vorgenommen hatte.
Eines Tages bekam eine ihrer Zimmerkolleginnen Besuch von einer Freundin. Sie hatte gerade einen Farang, mit dem sie in Pattaya drei Wochen zusammen gewesen war, zum Flughafen gebracht. Sie war deswegen nicht besonders traurig, denn sie hatte gut verdient und der Farang hatte gesagt, er wollte in einem halben Jahr wieder einige Wochen mit ihr zusammen verbringen. Aber er hatte leider nicht gesagt, dass er ihr jeden Monat Geld schicken wird. Nur zu ihrem Geburtstag wollte er das einmal tun. Die Freundin blieb drei Tage, weil sie sich erholen und in Bangkok einige Sachen einkaufen wollte, die hier viel billiger seien, als in Pattaya, wenn man nur die richtigen Adressen kennt, meinte sie.
Die Freundin kam sie auch abends an der Bar besuchen und sagte nachher, dass in Pattaya aber viel mehr Betrieb sei. Da wäre natürlich auch nicht gerade Hochsaison, aber die Bars seien doch noch besser besetzt, als hier in Bangkok. Diese Nachricht war für Preecha und ihre Zimmerkolleginnen natürlich sehr interessant. Es war nur schade, dass jetzt gerade erst der Zehnte war. Man musste also auf den Lohn von zehn Arbeitstagen verzichten, oder zwanzig Tage warten, wenn man Arbeit in einer Bar in Pattaya suchen wollte. Sie sprachen sich ab, dass die Freundin nach einer guten Arbeitsstelle und einer Unterkunft sucht und dann am Ersten des nächsten Monats anruft. Die Zeit verging mit nur wenigen Kunden und vielen Gesprächen über eine neue Zukunft in Pattaya, bis am Ersten tatsächlich der Anruf kam. Die Drei packten ihre Sachen und machten sich nach der Lohnauszahlung auf den Weg nach Pattaya.
Preecha und ihre zwei Freundinnen Oy und Dao kamen am frühen Nachmittag in Pattaya an. Gerade rechtzeitig, um nach ihrer Freundin Gung zu suchen, die sie Wäsche waschend vor ihrer Wohnung fanden. Nach einer kurzen Begrüßung stellten die drei Mädchen ihre Habseligkeiten bei der Freundin ab und gingen mit ihr zum Eigentümer des langgestreckten Hauses mit einzelnen Zimmern, wo auch sie jetzt ihre Unterkunft fanden. Sie zahlten die Miete und bekamen den Schlüssel. Der Raum hatte in einem hinteren, nur halb abgetrennten Teil eine Spüle und einen kleinen Platz zum Kochen und davon abgetrennt eine thailändische Toilette, eine in den Boden eingelassene Porzellanschüssel mit einem Loch, neben der sich auch ein Wasserbecken mit einer Plastikschüssel befand, die man mit Wasser füllte, um auf der Toilette nachzuspülen oder sich das Wasser zum Duschen über den Kopf zu schütten. Es war alles sauber, aber völlig leer. Die ein paar Türen weiter wohnende Gung meinte, sie könnten heute Nacht bei ihr schlafen und ihr Zimmer am nächsten Tag einrichten, denn es sei besser, wenn sie gemeinsam mit ihr zu einer Bar an der Second Road gehen, wo sie selbst schon seit zwei Jahren arbeitet, damit sie möglichst schnell eine günstige Arbeitsstelle fanden, die guten Kundenverkehr hatte.
Die Hoffnung, zusammen in derselben Bar anzukommen, zerschlug sich bald, denn die Chefin meinte, sie könnte jetzt höchstens zwei Neue aufnehmen, weil zu dieser Zeit wenig Betrieb herrschte. Weil die anderen Mädchen sich schon länger kannten, erklärte Preecha sich bereit, eine Stelle in einer anderen Bar zu suchen. Die Chefin gab ihr eine Empfehlung für eine der benachbarten Bars, wo sie auch prompt angenommen wurde und gleich anfangen konnte. Damit war sie wenigstens in der Nähe ihrer Freundinnen beschäftigt und sie konnten sich gegenseitig helfen.
Preecha fand es nicht schlimm, dass sie nicht zusammenarbeiteten, sie bewohnten zusammen ein Zimmer und während der Arbeitszeit waren ihre Freundinnen in der Nähe. Sie war auch nicht so unsicher, wie zuvor, als sie das erste Mal in einer Bar Arbeit gesucht hatte. Sie kannte inzwischen die Getränke und wusste, was die Gäste wollten. Die vier Mädchen hatten mit ihrer Schicht schon um 18 Uhr begonnen und gingen um 2 Uhr morgens gemeinsam nachhause, während die anderen Mädchen, die um 21 Uhr gekommen waren, bis zum Beginn der mit nur zwei Mädchen besetzten Frühschicht um 5 Uhr morgens blieben, die dann ihre Arbeit mit dem Saubermachen anfingen, wenn nicht noch Gäste im Lokal waren.
Mit dem ersten Arbeitstag waren sie zufrieden, obwohl keine von ihnen ausgelöst worden war. Aber der Betrieb war besser, als sie das in Bangkok erlebt hatten. Hier kamen die Gäste etwas früher und sie blieben nach Mitternacht länger. Vor allen Dingen waren die Tipps besser. Der Tipp, der von den Gästen bei Bezahlung der Rechnung gegeben wird, kam in der Bar, in der sie jetzt arbeiteten, in eine Sammelkasse und wurde anschließend zu gleichen Anteilen an die Mädchen verteilt. So hatte jedes der Mädchen an diesem Tag 45 Baht erhalten, was fast so viel ist, wie ein Landarbeiter in der Provinz am Tag verdient und bei sparsamem Umgang auch in Pattaya reicht, um einen Tag davon leben zu können. Die Mädchen unterhielten sich noch eine Zeitlang über die Geschehnisse der vergangenen Wochen, über vergangene Zeiten und die Erwartungen und Hoffnungen an die nähere Zukunft mit den Farang, bis sie schließlich auf den Matten, die sie auf dem Fußboden ausgebreitet hatten, einschliefen.
Der nächste Tag galt der Einrichtung des Zimmers. Sie brauchten dafür keine Möbelwagen zu bestellen, obwohl es leer war. Sie holten sich Matten und richteten sich damit für nächste Zeit auf dem Fußboden ein. So brauchten sie nur ein Gestell für die Wäsche, Küchenutensilien und Hygieneartikel. Nachdem sie fertig waren, sahen sie sehr zufrieden aus und setzten sich gemütlich hin. Hier wollten sie jetzt ohne Änderungen oder weitere Anschaffungen längere Zeit leben, ohne noch irgendwelche Sachen zu kaufen. Nur Preecha meinte, sie sollten vielleicht doch noch einmal losgehen und Gardinen besorgen, damit man nicht in das Zimmer hineinsehen kann. Dao meinte, das macht nichts, denn bei der Gelegenheit könnten sie auch einen Besen und Putzmittel zum Saubermachen holen, worauf Oy sagte, dann könnten sie ja auch gleich eine Schüssel und Waschpulver für die Wäsche und eine Wäscheleine zum Aufhängen der nassen Wäsche außerhalb des Hauses mitbringen. Nach einem kurzen Gelächter zogen sie also noch einmal los. Anschließend überprüften sie alles noch einmal und waren sehr zufrieden. Nun war es aber auch schon Zeit, zur Arbeit zu gehen, denn wer zu spät kam, bekam später keinen Tipp. Als sie von der Arbeit kamen, freuten sie sich auf ihr neues Zuhause. Als sie den Lichtschalter anknipsten und dann mit einem Feuerzeug den Sicherungskasten suchten, vereinbarten sie, dass sie die Glühbirnen am nächsten Tag auswechseln könnten und Oy, die sich in einer Plastiktüte eine Portion Nudeln mitgenommen hatte, meinte kleinlaut, dass sie dann vielleicht auch ein paar Teller und Schalen und Besteck kaufen sollten. Man kann ja schließlich nicht an alles denken und Organisation war nie ihre Stärke gewesen.
Die Drei gewöhnten sich auf ihrer Arbeitsstelle schnell ein, denn diese Arbeit war für sie ja nicht mehr ganz so neu. Oy wurde inzwischen von dem Fahrer eines Motorradtaxis belagert, der bemerkte, dass sie hier neu war und ihr seine heiße Liebe erklärte. Als Oy ihm trocken erklärte, dass sie nicht frisch aus dem Dorf kommt, sondern schon in anderen Bars gearbeitet hat, dass sie deshalb auch weiß, worin seine heiße Liebe besteht, und dass sie es vorzieht, wenn die Farang dafür 500 Baht bezahlen, statt sich ihm aus lauter Liebe gratis zur Verfügung zu stellen, gab er seine heiße Liebe auf. Preecha hatte es mit einem wandernden Zigarettenverkäufer etwas schwieriger. Der hatte ihr gesagt, dass er sie heiraten wird. Obwohl sie ihm sagte, er müsse schon alleine heiraten, weil sie auf keinen Fall mitmacht, wollte er nicht lockerlassen, wo es sich doch herumgesprochen hatte, dass Mädchen, die neu kamen und noch keinen Menschen kannten, froh waren, wenn sie mit einem Menschen sprechen konnten und etwas Gesellschaft hatten. Aber deswegen waren die drei Mädchen ja auch gemeinsam nach Pattaya gekommen, damit sie etwas Gesellschaft hatten und sich gegenseitig helfen konnten. Außerdem war ihnen gut bekannt, was für ein Schicksal sie erwartete, wenn sie den Fahrer eines Motorradtaxis oder einen Zigarettenverkäufer heirateten. Sie würden einige Zeit in Armut leben und ihrem Mann ihr Geld geben müssen. Wenn dann aber ein Kind kam und sie kein Geld mehr einbrachten, sondern zur finanziellen Belastung wurden, dann würde der Mann verschwinden und sich woanders eine andere Frau suchen. Das war bei den Mädchen allgemein bekannt und Oy hatte das schon hinter sich. Sie waren aber alle nicht gekommen, um für einen Mann arbeiten zu gehen. Außerdem waren sie an Sex gar nicht interessiert. Das war ihre Arbeit, etwas, was sie machten, um Geld zu verdienen und wovon sie viel zu viel hatten.
Freilich war das mit dem Geldverdienen noch etwas schwierig. Die Zeiten waren ruhig und nur hin und wieder wurde einmal eine von ihnen ausgelöst, meist nur für eine oder zwei Nächte. Es waren ältere Männer, die die Abende an Bars verbrachten, denen diese Gesellschaft genug war und denen es reichte, nur hin und wieder einmal ein Mädchen ins Hotel mitzunehmen, weil sie sich ja mit den Mädchen ohnehin nicht unterhalten konnten. Nachdem sie drei Wochen in Pattaya waren, wurde Preecha für ganze acht Tage ausgelöst. Es war ein älterer Farang, der hauptsächlich Gesellschaft suchte. Er hatte schon zwei Wochen in Phuket verbracht und mit seiner Freundin Streit gehabt. Darauf war er für seine letzten Urlaubstage nach Pattaya gekommen. Er redete gerne und er redete viel, aber Preecha war das ganz recht, so konnte sie ihr Englisch etwas aufbessern und es störte den Farang nicht, wenn sie ihn nicht verstand, es reichte ihm, wenn er zu jemand sprechen konnte, der ihm nicht widersprach.
Oy wurde am wenigsten ausgelöst. Aber das lag auch an ihr selbst, denn Oy konzentrierte sich auf die Suche nach einem reichen Farang, der sie entweder ins Ausland mitnehmen oder heiraten sollte. Sie glaubte, im Ausland könnte sie viel Geld verdienen, weil ja alle Ausländer viel Geld haben und reich sind. Sie hatte verstanden, dass viele ältere Ausländer nach Thailand kommen, weil sie in ihrer Heimat keine Frauen finden. Oy führte das darauf zurück, dass eben alle Ausländer reich sind, auch die Frauen. Und sie verstand vollkommen, dass eine reiche Frau es nicht nötig hatte, mit einem älteren Mann ins Bett zu gehen. Wofür sollte sie das tun, wenn sie das Geld nicht brauchte. Hier in Thailand gab es eben noch genug junge und hübsche Frauen, die das Geld brauchen und deshalb mit den Männern ins Bett gehen, denen es nichts ausmachte, dafür zu bezahlen.
Oy war deswegen sehr wählerisch. Die jungen Leute hatten meistens nur wenig Geld und waren von daher uninteressant. Bei den älteren musste man erst wissen, ob sie schon verheiratet waren. Vor allen Dingen musste man aber darauf achten, wie sie gekleidet waren und wie sie sich verhielten. Sie mussten keinen Anzug tragen, wer aber in Gummisandalen oder zerrissenen Turnschuhen kam, der hatte mit Sicherheit kein Geld, war also uninteressant. Leute, die sich nicht benehmen konnten oder sich betranken, waren auch uninteressant, denn mit denen würde sie später nur Ärger haben. So blieben denn nicht allzu viele Leute übrig, aber Oy schien das nicht zu stören. Sie meinte, wenn sie jetzt eine schlechte Auswahl trifft, dann hätte sie später keine Chance mehr, den Richtigen zu finden.
Dao dagegen war mehr darauf aus, jetzt Geld zu machen. Sie nahm jede Gelegenheit mit, denn das waren immerhin mindestens 500 Baht. Sie lebte sehr sparsam und meinte, wenn sie genug Geld zusammen hat, wird sie vielleicht ein Nudelshop aufmachen, oder eine Bar. Eine Bar war besser, weil man da nicht so viel arbeiten muss und immer Unterhaltung hat, erklärte sie, während ein Nudelshop zwar billiger einzurichten ist, aber viel Arbeit macht und nicht viel Geld einbringt. Außerdem musste man da oft auf Kunden warten. So begrüßte und umarmte Dao inzwischen jeden Farang, der an die Bar kam und weil sie auch schon etwas Englisch sprach, hatte sie ganz gute Erfolge und verdiente am besten von allen Mädchen an ihrer Bar, auch wenn ihr Sparkonto nur sehr langsam wuchs.
Preecha war sich unschlüssig. Männer, die zu grob oder zu laut waren, mochte sie auch nicht. Ob sie aber einen Mann heiraten würde oder nicht, war ihr selbst nicht ganz klar. Sie meinte, wenn sich einmal einer finden würde, den sie auch leiden mochte, dann könnte es schon möglich sein, dass sie mit ihm zusammenleben wollte. Aber die Farang waren alle so komisch, so überhaupt nicht thailändisch, dass es ihr schwerfiel, daran zu glauben, dass sie einmal mit einem von ihnen zusammenleben würde. Was aber die thailändischen Männer betraf, so wusste sie ziemlich genau, dass sie kaum eine Chance hätte, von einem, der auch etwas Geld hatte, geheiratet zu werden und sie hatte absolut keine Lust, mit einem Mann in Armut zu leben. Armut war nicht nur langweilig, sondern konnte äußerst unangenehm werden, wie sie aus Erfahrung wusste. Da bot ihr jetziger Beruf doch wenigstens die Möglichkeit, ohne allzu harte Arbeit recht bequem zu leben und sich keine ernsthaften Sorgen um den täglichen Reis und die Miete machen zu müssen, obwohl ihr Dasein auch noch nicht so richtig gesichert war. Oy war von einem gut vierzigjährigen Mann ausgelöst worden, der nicht verheiratet war und nicht arm zu sein schien. Sie bemühte sich schon, ihm möglichst zu gefallen, weil sie meinte, er käme vielleicht als Heiratskandidat infrage. Als sie jedoch mit ihm auf sein Hotelzimmer ging, sah sie zu ihrem großen Schrecken einen Rucksack. Der Mann erklärte ihr, dass er seit zwanzig Jahren um die Welt reist und es liebt, sich alle Länder anzusehen. Damit entfiel er für Oy als Heiratskandidat und sie bemühte sich auch nicht mehr, ihm zu gefallen, sondern wollte nur noch möglichst viel Geld aus ihm herausholen, was ihm überhaupt nicht gefiel, weshalb er sie schon nach zwei Tagen wegschickte.
Dao war drei Tage von einem amerikanischen Marinesoldaten ausgelöst worden und war ganz happy, als der ihr auch noch ein gutes Trinkgeld gab. Er hatte ihr sogar Fotos von seiner Frau und seinen zwei Kindern gezeigt. Da Dao aber sowieso nicht erwartete, dass er sie heiraten sollte, hatte sie das überhaupt nicht gestört. Für sie war viel interessanter gewesen, dass sie ihm am letzten Tag ‘zur Erinnerung’ noch zwei T-Shirts abluchsen konnte. Er hatte an Dao seinen Spaß gehabt und gab ihr sogar noch ein kleines Goldkettchen. Eigentlich hatte er es für seine kleine Tochter gekauft, sagte er, aber er würde es Dao zur Erinnerung geben und der Tochter ein neues kaufen. Das waren die Kunden, die Dao liebte. Da sie eigentlich gar nichts erwartete und immer fröhlich war, hatte sie meist sehr zufriedene Kunden, die versprachen, wiederzukommen. Es waren aber nur wenige, die sich noch einmal sehen ließen.
Preecha fand wieder jemand, der sie für längere Zeit auslöste. Er war schon über fünfzig Jahre alt, vorsichtig und zurückhaltend. Als er schon drei Tage an die Bar gekommen war, sich mit Preecha unterhalten und einige Spiele gespielt hatte, löste er sie endlich aus. Im Hotel erzählte er ihr, dass er schon einmal in Thailand gewesen war, aber er hätte keine vernünftige Frau finden können. Alle, die er traf, hätten immer nur an Geld gedacht und versucht, den letzten Baht aus ihm herauszuholen. Nachdem er die Nacht und den nächsten Tag mit Preecha zusammen verbracht hatte, löste er sie gleich für die restlichen zwei Wochen seines Urlaubs aus.
Robert hatte den Eindruck, dass sie ein fröhlicher, aber nicht krakeliger Mensch war, mit dem er wahrscheinlich gut auskommen konnte. Robert war seit fünf Jahren Witwer und seine zwei Söhne waren bald nach dem Tod der Mutter ausgezogen und arbeiteten jetzt als Computerspezialisten in den USA. Bei den Rationalisierungsmaßnahmen seiner Firma war er wegrationalisiert worden, hatte mit 54 Jahren eine Abfindung genommen und war jetzt in Frühpension. Nun aber sehnte er sich nach der Arbeit zurück. Nicht etwa, weil ihm die Arbeit jemals Spaß gemacht hätte, sondern vielmehr, weil er sich zu Tode langweilte. Sein Haus war viel zu groß und vollgestopft mit allen möglichen Sachen, und sein Zimmer war viel zu leer. Es fehlte an Leben und Bewegung in seinem Haus. Er hatte schon den Versuch unternommen, zwei Zimmer zu vermieten, aber die Idee war gar nicht gut gewesen. Tagsüber war das Haus leer und nachts hatte er Partys mit lauter Musik und betrunkenen Gästen im Haus erlebt, nur kein Leben und keine Unterhaltung, an der er hätte teilhaben können.
Dann hatte er in einer Zeitschrift einmal einen Artikel über die heiratswilligen Frauen in Thailand gelesen und wollte sich diese Frauen näher ansehen. Robert war aber kein Träumer. Er glaubte nicht, dass die Mädchen in Asien auf ihn warteten, weil sie einen hübschen Ausländer suchten, sondern weil sie kein Geld hatten und jemand suchten, der sie versorgt. Nun wollte er genauer wissen, was sie erwarten, wie sie versorgt werden wollten und vor allen Dingen wollte er genauer wissen, was sie dafür taten, denn dass diese Heiraten oder Partnerschaften ein Geschäft waren, stand für ihn außer Zweifel und es störte ihn auch nicht. Die Frage war nur, ob das Geschäft einseitig war, oder ob es beiden Partnern diente.
Freilich hatte er dabei eine Kleinigkeit vergessen, nämlich, dass ‘die Asiatinnen’ ebenso wenig alle gleich waren, wie ‘die Deutschen’. Aber immerhin war ihm das aufgegangen, nachdem er in Thailand gelandet war und die ersten Stunden an einigen Bars verbracht hatte. Dort hatte er schöne und hässliche Frauen gesehen, Frauen, die in ihrem Verhalten jeder Marktfrau Ehre machten, Frauen, die zurückhaltend, ja sogar schüchtern waren und natürlich auch Frauen, bei denen man keine fünf Minuten brauchte, um festzustellen, dass sie nur darauf aus waren, ihre Kunden auszunehmen. Irgendwie fühlte Robert sich wie in seiner Jugendzeit, als er auf der Suche nach der richtigen Frau war. Und er fühlte sich etwas unwohl dabei, denn das hatte ziemlich lange gedauert, bis er seine Frau gefunden hatte, obwohl er damals mit den Frauen sprechen konnte und dadurch ziemlich schnell herausfand, was sie wollten und wie sie waren. Hier war aber wieder alles anders. Es war schon so, dass er hier nicht eine Frau suchen musste, sondern die Frauen suchten ihn. Aber er machte sich keine Illusionen; es war sein Geld, das sie suchten, denn keine der Frauen würde mit ihm aus lauter Liebe mitgehen. Sie alle verkauften sich, aber die Einen taten das, um der Armut zu entfliehen, die Nächsten, um bequem und gemütlich leben zu können und wieder andere, um reich zu werden, möglichst schnell und ohne Skrupel. Es war schwer, dass herauszufinden, wenn man noch nicht einmal richtig mit ihnen sprechen konnte.
Nachdem er aber einen Tag lang mit Preecha unterwegs gewesen war, meinte er, es hätte Sinn, sie in den nächsten zwei Wochen näher kennenzulernen. Dass sie ihm bei der Bestellung des Frühstücks nicht viel helfen konnte, weil sie kein europäisches Frühstück kannte, war nicht weiter schlimm. Das könnte sie ja noch lernen, meinte er. Doch als er sie bat, ihm anschließend beim Einkauf von Souvenirs für die Nachbarn und Freunde zu helfen, erwies sie sich als sehr nützlich. Eigentlich brauchte er niemand etwas mitzubringen, aber er meinte, das wäre eine gute Möglichkeit, sie näher kennenzulernen. Bei einem Pullover für die Tochter von Nachbarn meinte sie erst, dass in Thailand kaum jemand Pullover trägt. Als Robert ihr erklärte, dass es in Europa sehr kalt ist und man selten ohne einen Pullover oder eine Jacke herumlaufen kann, achtete sie darauf, dass der Ausschnitt nicht zu tief lag und dass der Pullover auch wirklich guter Qualität und nicht zu dünn war. Als Robert einen festen, grauen Pullover auswählte, widersprach sie und meinte, wenn das Mädchen vierzehn Jahre alt ist, dann will es bestimmt etwas Buntes, Auffallendes haben. Bei einer Bluse für eine Nachbarin monierte sie, dass man diese Bluse nicht tragen und nicht ändern kann, wenn sie nicht genau passt und dass sie im Verhältnis zu anderen Stücken viel zu teuer war. Beim Spielzeug für einen Fünfjährigen hielt sie Holzklötze und Knetmasse für viel besser, als ein ferngesteuertes Auto mit Batterieantrieb, weil das nicht nur viele Batterien kostete, sondern für den Jungen auch nach einer Woche langweilig würde. Insgesamt zeigte sie sich als umsichtig und überlegt, ohne besserwisserisch zu sein und sie achtete auf die Preise und handelte sie für Robert auch herunter.
Auf dem Weg ins Hotel ließ er Preecha ein Restaurant aussuchen, weil er sich hier ja nicht auskannte. Sie wählte ein kleineres, aber sauberes Restaurant, in dem es preiswerte internationale Speisen und auch Thailändische Küche gab. Sie wählte süßsauren Reis mit Huhn, ein sehr preiswertes Gericht. Nachmittags gingen sie zusammen an den Strand. Preecha ging nicht ins Wasser, weil ihre Kleidung dafür gerade nicht geeignet war. Auf keinen Fall wollte sie, dass Robert einen Bikini kauft, denn mit so etwas würde sie sich nie in der Öffentlichkeit sehen lassen und sie wollte auch nicht, dass er andere Sachen kauft, weil das für einige Minuten, die sie im Wasser plantschen würde, viel zu teuer war.
Als sie abends an eine Bar gingen, saß Preecha zwei Stunden vor einem Orangensaft und meinte, sie hätte keinen Durst. Sie ging kurz weg, um eine Schale Reisnudeln zu essen, fragte Robert aber nicht nach dem Geld dafür. Das alles waren für Robert deutliche Anzeichen dafür, dass er mit ihr wohl auskommen könnte. Sie verkaufte zwar ihren Körper, um Geld zu verdienen, aber sie zog dabei klare Grenzen, versuchte, sich das Geld wirklich zu verdienen und nicht etwa, ihn auszunehmen. Sie spielte die Rolle einer Geliebten, sah nicht nur sich selbst und mögliche Vorteile, die sie ergattern konnte, sei es Bequemlichkeit oder Geld, sondern achtete hauptsächlich darauf, dass er sich wohlfühlt, was sie für ihre Aufgabe hielt.
Nach knapp zehn Tagen, die Robert mit Preecha verbracht hatte, war er sich sicher, dass er mit ihr ohne große Probleme leben konnte. Deshalb sprach er mit ihr darüber, was sie davon hält, mit ihm nach Deutschland zu gehen. Aber es dauerte nicht lange, bis Robert einsah, dass er etwas vergessen hatte. Preecha fragte, was sie in Deutschland machen kann; ob sie dort auch Freundinnen findet; mit wem sie sich unterhalten kann; ob sie dort ausgehen kann, wie in Thailand, mit einigen Freunden an den Strand oder zum Picknick in einen Park; ob man thailändisches Fernsehen oder thailändische Radiosendungen empfangen kann, womit sie sich in Deutschland beschäftigen kann, ob sie dort Arbeit findet und ob man Tom Yam Gung, eine Art Fischfondue und thailändisches Nationalgericht, oder überhaupt thailändisches Essen finden kann.
Robert merkte, dass er sich nur überlegt hatte, ob er sich wohl fühlen würde, wenn Preecha bei ihm in Deutschland lebte. Aber er hatte sich nicht überlegt, ob sie dort überhaupt leben kann. Nach einigen Überlegungen kam er zu dem Schluss, dass er ihr bei einem Aufenthalt in Deutschland nur Geld geben, dafür aber ihre Lebensmöglichkeiten nehmen würde. Das bedeutete, sie wäre in Deutschland unglücklich und er müsste dann mit einem Menschen leben, der unglücklich ist. Das war völlig sinnlos.
Robert verbrachte die nächsten Tage in der angenehmen Gesellschaft Preechas, aber er war recht nachdenklich geworden. Er überlegte sich, dass er vielleicht nach Thailand kommen konnte. Das Klima tat ihm gut, er war hier zufrieden, hatte mehr Gesellschaft, als in Deutschland und es fehlte ihm an nichts. Er musste sich aber eingestehen, dass er erst kurze Zeit hier war, das Land nicht kannte und sich noch nicht recht vorstellen konnte, wie er hier auf lange Zeit leben konnte. Ihm war klar, dass einige Wochen Urlaub nicht mit einem langjährigen Aufenthalt zu vergleichen sind. Er entschloss sich, erst einmal Thailand zu bereisen, um es näher kennenzulernen. Er verlängerte seinen Urlaub um vier Wochen. Er fuhr zusammen mit Preecha nach Songkhla, nach Phuket und nach Ko Samui, blieb mit ihr eine Woche in Bangkok und fuhr dann weiter nach Mae Hong Son, nach Chieng Rai, Chieng Mai, Khon Kaen und Korat.
Die Reisen waren interessant und unterhaltsam. Preecha war begeistert, ihr Land kennenzulernen und war ihm in jeder Hinsicht behilflich.
Aber Robert musste schließlich einsehen, dass die Reisen zwar unterhaltsam und vergnüglich gewesen waren, ihm aber nichts davon zeigen konnten, wie er später in Thailand leben konnte, denn er konnte nicht dauernd auf Reisen sein. Um sich nicht festzulegen, aber wirklich einmal einige Zeit auszuprobieren, wie das Leben tatsächlich sein würde, wenn er hier lebte, verlängerte er seinen Aufenthalt nochmals um weitere vier Wochen und mietete ein eingerichtetes Apartment, in das er mit Preecha einzog.
Er war froh, zu sehen, dass er mit Preecha keinerlei Probleme hatte. Sie hielt das Haus sauber, wusch die Wäsche, erledigte die Einkäufe und war eine fröhliche Gesellschafterin. Hin und wieder ging sie nachhause in das Zimmer, dass sie nicht aufgeben wollte und sie traf sich mit ihren Freundinnen, um etwas Unterhaltung zu haben. Ihr war klar, dass Robert im Urlaub war, auch wenn er den schon zweimal verlängert hatte. Es war aber absehbar, dass Robert irgendwann abreisen wird. Er war für sie zwar kein Geliebter und kein Lebenspartner, aber immerhin ein freundlicher und sehr angenehmer Kunde, der ihr einen guten Verdienst einbrachte und an den sie sich vielleicht auch auf längere Zeit gewöhnen könnte.
Robert sah demgegenüber immer deutlicher, dass er genau zwischen zwei Stühlen saß. In Deutschland hatte er seinen gewohnten Komfort und sein gewohntes Leben. Er hatte eine Auswahl an kulturellen Veranstaltungen, die er dort wenigstens einmal in der Woche besucht hatte, er hatte das Fernsehen, sein Klavier, einen Computer mit Internet Anschluss und er hatte seine Spazierwege. Aber er kannte kaum irgendwelche Menschen und er hatte auch keine Lust, deswegen in einen Kegelclub zu gehen. Er hatte allen Luxus, aber den musste er dort alleine genießen. Hier hatte er keine Nachbarn, keine kulturellen Veranstaltungen, kein Klavier, kein Fernsehen – wenn man die Deutsche Welle ein paar Stunden gesehen hatte, dann kannte man auch schon die Programme der nächsten Tage, die viele Wiederholungen bringen. Beim Zustand der Bürgersteige musste man auf der Straße spazieren gehen, was keinen Spaß machte, oder an der Strandpromenade, was langweilig und durch die vielen ambulanten Verkäufer und einige Bettler oft lästig wurde.
Kurz: In Deutschland hatte Robert seine gewohnte und ihm bekannte Umgebung, die Kultur und den Luxus, aber das Klima war kalt und er war allein. In Thailand kannte er sich nicht aus, kannte keine Leute, hatte keine Kultur und keinen Luxus. Hier gab es nur die Bars zur Unterhaltung. Aber er war nicht allein. Er hatte Preecha und konnte sich notfalls auch jederzeit ein anderes Mädchen suchen. Eines passte ihm so wenig, wie das Andere. Er überlegte sich schon, ob es nicht besser wäre, während des Sommers in Deutschland zu leben und während des Winters in Thailand, jeweils etwa ein halbes Jahr. Aber dann war er nicht sicher, ob er hier wieder jemand finden würde, wie Preecha, oder ob er vielleicht auf eine Frau hereinfiel, die nichts weiter als Probleme machte, wie er es schon oft von anderen Ausländern gehört hatte. Zu keiner klaren Lösung fähig, verlängerte Robert seinen Urlaub noch einmal um zwei weitere Wochen.
An einer Bar, dem meistbesuchten Ausflugsziel von Langzeiturlaubern, sprach er mit einem anderen Urlauber über dieses Problem und der hatte sofort eine Lösung parat: Er solle seiner Freundin doch jeden Monat fünftausend Baht schicken, damit sie zuhause bleibt und auf ihn wartet, und wenn er dann wiederkommt, kann er seine Freundin wieder für die nächsten Urlaubsmonate holen. Er habe von Bekannten gehört, dass die das so machten. Robert musste laut lachen und erklärte, dass weder seine Freundin noch er dafür dumm genug wären. Es käme ihm nicht in den Sinn, zu glauben, dass ein junges Mädchen ein halbes Jahr lang alleine auf einem Zimmer sitzt, um auf einen alten Farang zu warten, der mit ihr ins Bett will, nur weil sie dafür etwas zu essen bekommt. Wenn ein Mädchen mit solch einem Vorschlag einverstanden war, dann würde es auch nur solange darauf eingehen, wie der Farang noch anwesend ist.
Robert war sich sehr wohl bewusst, dass die Probleme in ihm selbst lagen und in der Tatsache, dass Preecha ihn nicht liebte und er sie nicht liebte, sie ihm dabei aber auf eine sehr angenehme Art Gesellschaft leistete. Es war ebenso, dass man immer etwas mehr haben, mehr bekommen und erleben möchte, aber möglichst nichts dafür aufgeben will. Robert fuhr nun nachhause, um sich in seiner alten Heimat in Ruhe zu überlegen, was er mit der Zukunft machen will. Preecha kam zum Flughafen mit, war fröhlich und weinte nicht einmal. Er würde ihr nicht sehr fehlen. Robert sagte, er würde sich melden und bestimmt einmal wiederkommen.
Als Robert nach Deutschland abgeflogen war, saß Preecha mit gemischten Gefühlen wieder in der Bar. Robert war ein ruhiger und gemütlicher Kunde gewesen. Er war freundlich und seine Gesellschaft war nicht unangenehm. Vor allen Dingen hatte sie bei ihm in einem Vierteljahr sehr gut verdient. Robert hatte zwar nach den ersten Wochen mit Preecha einen Pauschalpreis ausgehandelt, aber er hatte für den Monat immer noch 10.000 Baht gezahlt, was hier sehr viel Geld war, zumal er ja auch ihre Verpflegung bezahlte. Sie hatte außer ihrer Miete keine Ausgaben gehabt und zudem bei seiner Abreise noch einen guten Betrag zum Abschied erhalten.
Aber sie hatte sich schon an Robert gewöhnt und er fehlte ihr jetzt, obwohl sie froh war, sich in der Bar mit den Mädchen unterhalten zu können, denn die Unterhaltung mit Robert war doch nur sehr stockend gewesen. Sie hatte mit ihm nicht viel über ihr Leben in Thailand sprechen können, denn die Grundlagen, die Geister, die so wichtigen Träume, die Traditionen des Landes und die Kunst, aus alltäglichen Geschehnissen die garantiert richtigen Lottozahlen zu finden, kannte er nicht und er schien sich auch nicht sonderlich dafür zu interessieren. Nicht einmal ihre Erzählungen über den Buddhismus, die Mode, die Bar oder die Nachbarn interessierten ihn. Seine Gesprächsthemen über die Gesellschaft, die Politik und die Wirtschaft interessierten sie dagegen nur wenig und so waren ihre Unterhaltungen stets sehr beschränkt gewesen.
Doch nun gab es in der Bar genug zu erzählen und es war Dao, die durch ihre Art, jedem Gast möglichst viel Geld aus der Tasche zu locken, oft genug für neuen Unterhaltungsstoff sorgte. Sie erwartete, dass der Gast eine Lokalrunde spendierte, verlangte Geld für Ladydrinks, für Essen und für die Toilette. Selbst wenn jemand eine Auskunft haben wollte oder nach der Bedeutung eines Wortes in Thai fragte, wollte Dao erst einmal Geld sehen. Die Mädchen mussten darüber oft lachen. Dass sie damit viele Kunden verärgerte, die nichtmehr wiederkamen, schien niemand zu stören.
Nun war sie allerdings einen Schritt zu weit gegangen und war in erheblichen Schwierigkeiten, die sie hinter die Gitter der Polizeistation brachten. Nachdem sie bei einem Kunden im Hotel übernachtet hatte, gab dieser ihr am Morgen das vereinbarte Geld, sagte, sie könnte jetzt gehen und ging unter die Dusche. Sie ärgerte sich darüber, denn sie hatte gehofft, dass ihr Kunde ihr längere Zeit Einnahmen bringt. Aus Rache nahm sie seine Armbanduhr, die auf dem Nachttisch lag, zeigte sie ihm und sagte, dass sie die als Souvenir mitnimmt. Als er laut protestierte, lachte sie und lief mit der Uhr weg. Der Mann würde ihr nicht nackt hinterherlaufen und wegen einer alten Uhr auch sicher keine großen Umstände machen, schließlich konnte er sich ja bei den Händlern, die jeden Abend mit Uhren an die Bar kamen, für ein paar Baht eine neue kaufen, denn die Farang waren ja alle reich. Bevor sie am Abend zur Arbeit ging, besuchte sie noch einen jener Plätze, wo Motorradtaxifahrer und andere junge Thai Billard spielen. Sie bot die Uhr zum Verkauf an und freute sich, dass sie auch sofort einen Abnehmer fand, der dumm genug war, ihren Preis von 300 Baht sofort zu bezahlen, ohne sie herunterzuhandeln.
Als sie in der Bar ankam, dauerte es nur wenige Minuten, bis ihr Kunde der letzten Nacht mit der Polizei ankam. Die Polizei sagte, sie hätte eine Uhr gestohlen, die der Farang wiederhaben wollte. Sie lachte und erklärte, dass sie die nicht gestohlen hat, sie hat sie dem Farang sogar gezeigt und gesagt, dass sie sie mitnimmt. Die Polizei meinte, dass der Farang damit aber nicht einverstanden war und ihr die Uhr nicht gegeben hat, sie soll ihm jetzt die Uhr zurückgeben. Dao erklärte, dass ginge nicht, weil sie die schon verkauft hat. Auf eine Bemerkung der Polizei holte sie mit saurer Miene zweihundert Baht aus der Tasche, um sie dem Ausländer zu geben. Der schaute groß auf die zweihundert Baht und wollte die gar nicht haben. Er sagte, die Uhr sei eine goldene Rolex, die 120.000 Baht kostet. Er wollte keine zweihundert Baht, sondern die Uhr zurückhaben, die sie gestohlen hat. Nun fuhr man zusammen zu dem Billardclub, wo aber der Käufer der Uhr nicht zu sehen war und es gab selbstverständlich auch niemand, der ihn kannte. Und so fuhr die Polizei mit Dao zur Polizeistation und nach dem Schreiben des Protokolls kam Dao hinter Gitter. Sie brauchte aber nur die Uhr zurückzugeben oder zu bezahlen, hieß es, dann käme sie wieder frei. Oder man brächte sie vors Gericht.
Die Mädchen, die mit ihr in der Bar arbeiteten, besuchten sie im ‘Ban ling’, dem ‘Affenhaus’ der Polizeistation und brachten ihr Zigaretten und etwas zu essen. Nach der Unterhaltung mit Dao zogen sie los, um den Käufer der Uhr zu suchen, aber er war nur unter einem Spitznamen bekannt. Man wusste von ihm nur, dass er aus Korat kam und nur wenige Tage beim Billardclub gewesen war. Es war anzunehmen, dass er den Wert der Uhr erkannt hatte und sie wahrscheinlich längst in Bangkok verkauft hatte. Damit war auch sicher, dass er sich vorläufig nicht mehr in Pattaya sehen lassen wird und dass man ihn kaum finden konnte. Letztlich rührte die Mädchen das wenig, denn es war sicherlich Daos vorbestimmtes Schicksal, das zudem auf eigenes Verschulden zurückzuführen war. Weder die Mädchen noch die Inhaberin konnten das Geld aufbringen, um Dao von der Polizei auszulösen, die Summe war entschieden zu hoch.
Ein Polizist machte dem bestohlenen Farang den Vorschlag, er solle der Polizei 10.000 Baht zahlen, dann könne man Dao aus dem Polizeigefängnis entlassen und sie müsste dann das Geld bei ihm abarbeiten, aber der meinte, er hätte keine Lust, dafür zu bezahlen, dass er bestohlen wurde und außerdem noch ein Jahr in Thailand zu bleiben und Dao zu ernähren, damit sie das Geld abarbeiten kann. Die Mädchen versuchten, mit dem Farang zu sprechen. Sie wollten ihm eine andere, schöne Uhr kaufen und erklärten, dass Dao nicht gewusst hätte, wie teuer seine Uhr war. Sie sagten, dass es ihm ja nichts nützt, wenn Dao hinter Gittern sitzt, dass es doch besser, wenn er eine schöne Uhr bekommt und Dao einen Teil ihrer Schulden bei ihm abarbeitet. Doch er sagte, er will Dao nicht mehr sehen und so sei es gut, wenn sie hinter Gittern bleibt.
Nachdem man an der Sache nichts ändern konnte, geriet das Thema in der Bar bald in Vergessenheit. Während sie in Pattaya untergebracht war, besuchten ihre Kolleginnen sie noch. Als Dao jedoch nach Chonburi kam, wurde den Mädchen der Weg zu weit und auch sie geriet in Vergessenheit.
Die Hochsaison kam langsam näher, aber es kamen noch nicht viele Leute in die Bar. So war Oy gezwungen, sich mehr auf Kunden als auf potentielle Ehemänner oder Langzeitpartner zu konzentrieren, denn ihre Taschen waren wieder einmal leer und das monatliche Einkommen von 1.800 Baht und die täglichen Tipps reichten zum Leben nicht aus. Nachdem Dao nicht mehr da war, die sich immer sofort auf jeden Kunden gestürzt hatte, war es aber auch leichter geworden, an Kunden zu kommen, wenn man nur wollte und sich etwas Mühe gab. Nachdem sie einzelne Kunden unterschiedlichen Alters gehabt hatte, kam endlich jemand, der eine Frau für seinen Urlaub suchte. Er war etwa 35 Jahre alt und Oy hoffte schon, dass dies ihr ersehnter Langzeitpartner werden könnte. Aber es stellte sich bald heraus, dass er ein verheirateter Vater von drei Kindern war, der seiner Frau erzählt hatte, seine Firma hätte ihn auf Montage nach Frankreich geschickt. Er hieß Ulf und hatte eigentlich keine langen Haare, sah aber aus, wie eine besonders wuschelige Version der Bärenfellmützen der englischen Palastwache. Er trank sehr gerne viel Bier er fuhr sehr gerne Motorrad. Und zwar meist in dieser Reihenfolge.
Ulf war nicht kleinlich. Er mochte die lebhafte Oy und verbrachte fast seine gesamte Zeit mit ihr. Sicher war es nicht gerade die große Liebe, denn meistens behandelte er Oy etwa so, wie man einen Dackel behandelt, wenn man ihn mag. Da er dabei aber keine großen Ansprüche stellte, meistens guter Laune war und Oy dringend Geld brauchte, war sie mit ihm ganz zufrieden, auch wenn er vom Einbruch der Dunkelheit bis weit nach Mitternacht nur in Bars herumsaß. Morgens stand Ulf gerne etwas spät auf, verzichtete dafür auf das Hotelfrühstück und ging lieber in ein Lokal, das nur ein kleines Stück vom Hotel entfernt war, wo er Bratkartoffeln mit Ei und Speck bekam. Er liebte das Lokal, weil es dort richtig kaltes Bier gab. Nach dem Essen und mehreren Flaschen Bier schwang er sich auf sein gemietetes Motorrad, eine 750-er Honda, und fuhr mit Oy durch die Gegend. Dabei besuchten sie Chantaburi, Rayong, Bang Saen, Sriracha, Chachoengsao und viele andere nahegelegene und interessante Orte, die Oy noch nicht kannte. Dann kamen sie meist zum frühen Abend gegen Einbruch der Dunkelheit zurück, gingen essen und anschließend in eine Bar, von der sie so gegen zwei oder drei Uhr morgens ins Hotel fuhren. Die Fahrten durchs Land waren für Oy sehr interessant und angenehm und den abendlichen Aufenthalt in den Bars war sie ohnehin gewohnt. Da sie dabei weder arbeiten noch einen Kunden suchen brauchte, konnte sie sich in der Zeit mit den Mädchen unterhalten.
Die morgendlichen Fahrten ins Hotel waren problemlos, obwohl Ulf beim Verlassen der Bar meist etwas schwankte. Aber Oy hatte keine Angst vor dem Motorradfahren. Zumindest nicht die ersten zwei Wochen mit Ulf, bis sie vom Motorrad fielen. Das war, als Ulf von Süd Pattaya zur Soi 2 wollte. Ulf startete den Motor und Oy setzte sich wie immer im ‘Damensitz’ hinter ihn. Vor der Ampel an der Central Road war Ulf in einer ungünstigen Position, aber er wollte die Straße überqueren, bevor die Linksabbieger ihm den Weg blockierten, deshalb legte er einen perfekten Kavaliersstart hin und schoss zwischen den anderen Fahrzeugen über die Straße. Dass der Kavalier dabei seine Dame verloren hatte, merkte er erst, als er an der Soi 2 ankam. Aber er dachte sich nichts dabei, ärgerte sich nur etwas, weil er glaubte, dass Oy es sich vor der Abfahrt wieder anders überlegt hatte und vom Motorrad wieder abgestiegen war.
Oy ging es dabei gar nicht so gut. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Ulf so plötzlich losrasen würde und hatte sich nicht festgehalten. Während des Starts fiel sie vom Motorrad vor einen Personenwagen. Der Fahrer bremste zwar sofort, als er Oy fallen sah und er überfuhr sie auch nicht, aber sie bekam vom Kühler doch noch einen kräftigen Schubs und lag dann mit einem gebrochenen Bein auf der Straße. Ein Polizist an der Kreuzung hatte den Unfall gesehen und sorgte dafür, dass sie in ein Krankenhaus kam. Er wunderte sich auch überhaupt nicht, als Oy sagte, dass sie den Motorradfahrer nur als ‘Unaf’ kennt.
Oy war wütend, als sie im Krankenhaus lag und vergipst wurde. Dabei war es nicht das rücksichtslose Fahren oder der Unfall, was Oy so wütend machte. Da sie beim Fallen ja gerufen hatte, musste Ulf doch wissen, dass sie gefallen war, und dass er einfach weitergefahren war und sich noch nicht einmal umgedreht hatte, brachte sie zur Weißglut. Das war wohl auch der Hauptgrund dafür, dass sie einem Polizisten sagte, in welchem Hotel Ulf wohnt, als er den Unfallhergang notieren wollte. Aber Ulf war nicht im Hotel, sondern inzwischen wieder an Oy’s Bar, wo er sie suchen und Krach machen wollte. Als er hörte, dass sie doch mit ihm zusammen losgefahren war, staunte er nicht schlecht, meinte, sie kann doch nicht verschwunden sein und ging bald in eine andere Bar, um sich über den schweren Verlust zu trösten und Ersatz zu suchen. Nur kurze Zeit später kam ein Polizist an die Bar, um Bescheid zu sagen, dass Oy im Krankenhaus liegt. Sie erhielt sofort Besuch von ihren Kolleginnen.
Am nächsten Morgen kam ein Polizist ins Krankenhaus und brachte Ulf. Er hatte nicht glauben wollen, dass er einen Unfall verursacht hatte und Oy im Krankenhaus lag. Ulf erklärte sich bereit, die Krankenhauskosten zu bezahlen und Oy sagte aus, dass Ulf vor dem Unfall keinen Alkohol getrunken hatte. Oy sollte wegen möglicher Komplikationen drei Tage im Krankenhaus bleiben. Kurz vor ihrer Entlassung kam der Polizist noch einmal mit Ulf, der auch schon die Krankenhausrechnung bezahlt hatte. Der Polizist erklärte Oy, dass er ein sehr besorgter und umsichtiger Mensch sei und deshalb dafür gesorgt hat, dass Ulf auch noch ein sehr gutes Schmerzensgeld zahlt. Es war in der Tat ein sehr mitfühlender, umsichtiger und anteilnehmender Beamter. Nachdem er sich vorsichtig gründlich umgesehen hatte, nahm er einen Anteil von 50 Prozent.
Kurz nachdem Oy entlassen worden war, kam Ulf ins Krankenhaus. Als er eines frühen Morgens nach einer schweren, langen Nacht nachhause fuhr, donnerte er über die Strandstraße, bis ein Motorradfahrer aus einer Querstraße kam. Ulf konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen, kam beim Ausweichversuch an den Randstein und flog in hohem Bogen auf die Straße. Er hatte einige Knochenbrüche und die Motorräder waren Totalschäden. Die Versicherung zahlte nicht, weil er 2,3 Promille Alkohol im Blut hatte. Er hatte auch keinen Führerschein und kein Geld, um Unfallkosten und Motorräder zu bezahlen. Er hatte jetzt nur noch eine Ehefrau, die darauf wartete, dass er von seiner Arbeit aus Frankreich zurückkam.
Preecha dachte wieder einmal über ihr Leben nach. Eigentlich ging es ihr nicht schlecht, auf jeden Fall weit besser, als vorher zuhause. Sie kam mit ihrem Geld zurecht und hatte ein kleines Polster. Aber ihre Absicht, sich die Welt zu erobern, hatte sie noch nicht recht durchsetzen können. Vielleicht kam das daher, dass man sie in ihrem Heimatdorf wegen ihrer Schönheit gerühmt und prophezeit hatte, dass ihr das Leben in den Schoss fiele. Vielleicht war das auch ein Grund dafür, dass sie beschlossen hatte, mit diesem Schoss zu arbeiten, denn Männer geben bekanntlich sehr viel, wenn nicht gar alles für eine schöne, junge Frau. Aber im Dorf hatte es kaum Männer gegeben, die viel geben konnten und hier in Pattaya gab es einfach zu viele schöne, junge Frauen und zu viele Männer, die nur ein kurzes Vergnügen suchten und dafür gar nicht viel geben wollten. Manche waren sogar so geizig, dass sie eine halbe Stunde lang verhandelten, während der sie zwei Gläser Whisky zu je 80 Baht tranken, um die erwünschte Frau um 100 Baht herunterzuhandeln.
Vorwiegend mit solchen Männern, die nur ein kurzes Vergnügen suchten, hatte Preecha es in den vergangenen Wochen zu tun gehabt. Sie hatte dabei genug verdient, um einigermaßen leben zu können, aber ihrem Ziel, sich ein selbständiges, wohlhabendes Leben aufzubauen, war sie dabei nicht wesentlich nähergekommen und zudem war ihre Arbeit mit diesen Männern zeitweilig ausgesprochen unangenehm. Hin und wieder dachte sie deshalb an Robert zurück, mit dem sie ein Vierteljahr verbracht hatte. Die Zeit mit ihm war sehr angenehm gewesen und sie hatte dabei sehr gut verdient. Aber wenn man in einer Bar arbeitet, kann man vielleicht die allerschlimmsten Kunden ablehnen, doch richtig auswählen kann man sich die Männer sicher nicht, zumal man sie ja auch gar nicht kennen kann.
Preecha wurde sich klar darüber, dass sie nicht gerade anständig, dafür aber bequem und wohlhabend leben wollte, ohne dafür viel zu tun. Das ging aber nur, wenn sie einen entsprechend wohlhabenden Mann fand. Mit Robert wäre das vielleicht gegangen, denn der hatte nur wenige Ansprüche an sie und er war sehr wohlhabend. Aber er hatte nichts mehr von sich hören lassen und nur gesagt, er käme noch einmal wieder.
Neue Hoffnung schöpfte Preecha daher, als sie von Benno ausgelöst wurde, der auch gleich mehrere Tage mit ihr zusammenblieb. Benno ging auf die Sechzig zu und hatte offensichtlich viel Geld. Sie hatte bisher nur aus ihm herausbekommen, dass er im Ausland einen Betrieb hatte und ‘Business’ machte. Wo er lebte, ob er verheiratet war und Kinder hatte, konnte sie von ihm nicht erfahren, weil er ihren Fragen auswich. Benno war etwas eigenartig, nicht so gemütlich, wie Robert. Benno war eher launisch und es musste alles nach seinem Willen geschehen. Er war nicht geizig und bezahlte sie großzügig, aber er warf ihr das Geld auf den Tisch, wie man einem Hund einen abgenagten Knochen hinwirft. Benno regte sich schnell auf, wenn ihm etwas nicht passte und er musste über alles bestimmen. An der Bar bestimmte er, dass sie Orangensaft zu trinken hatte, zum Frühstück musste sie Toastbrot essen und mittags europäisches Essen, das sie absolut nicht mochte. Sie fühlte sich in seiner Gegenwart wie eine Dienerin. Aber auf der anderen Seite bezahlte er sehr gut.
Benno besprach mit dem Hotelpersonal, was er unternehmen könnte, er buchte auch einige Ausflüge. An anderen Tagen ging er ins ‘Big C Shopping Mall’ oder ins ‘Golden City’ und er ging gerne in Restaurants. Was immer er tat, nie fragte er Preecha, er schleifte sie einfach mit und wenn er mit ihr in ein Restaurant ging, bestellte er für sie irgendeine europäische Mahlzeit, die sie dann zu essen hatte. Nachdem Benno schon über vier Wochen mit ihr zusammen war, überlegte Preecha hin und wieder, wie es wäre, über längere Zeit mit ihm zusammen zu leben. Er sprach mit ihr nur im Befehlston, sie konnte ihm nie etwas recht machen, sie fühlte sich in seiner Gegenwart nicht wohl, aber er gab ihr viel Geld. Sie überlegte, wie lange sie wohl mit ihm leben müsste, um genug Geld zu haben, damit sie ihn endlich verlassen und sich selbständig machen könnte. Doch nach näherer Überlegung zweifelte sie daran, dass sie so lange mit Benno durchhalten könnte. Das Einzige, was sie an ihm reizte, war sein Geld.
Aber das Problem löste sich viel schneller, als sie gedacht hatte, ganz von allein, als sie an einem späten Nachmittag zu ihrer Bar gingen. Preecha war ohnehin schon verärgert, weil sie eigentlich nachhause gehen wollte, um Wäsche zu waschen und sich umzuziehen, aber das hatte Benno ihr verboten. Als sie in der Bar waren und Preecha sich mit einer Kollegin unterhielt und mit ihr lachte, hatte ihr Benno verboten, mit den Mädchen zu sprechen, wenn er in der Nähe ist. Sie sollte sich in eine Ecke setzen.
Einige Minuten später übernahm sie von sich aus die Aufgabe, das Geisterhäuschen der Bar mit den üblichen Opfern zu versehen – kleine Schälchen mit Reis und Früchten und Gläser mit verschiedenen Getränken. Dazu entzündete sie Räucherstäbchen und kniete zum Beten nieder. Benno hatte sich inzwischen aber überlegt, dass er zum Essen in ein Restaurant wollte. Er hatte bezahlt und vor der Bar, die an der Second Road war, ein Taxi angehalten. Nun wollte er aber nicht warten, bis Preecha mit dem Geisterhäuschen fertig war. Er rief sie und als sie nicht sofort kam, ging er hin, nannte sie ‘blöde Hure’ und riss sie am Arm hoch. Preecha geriet aus dem Gleichgewicht und machte eine abwehrende Bewegung, die er wohl für einen Angriff hielt. Er schlug auf Preecha ein. Das schaffte er aber nicht lange, weil nicht nur weitere fünf Mädchen an der Bar waren, sondern auch, weil an dieser Kreuzung immer ein Polizist in Zivil herumsteht und zwei weitere Polizisten in Uniform gerade vorbeikamen.
Man hatte gesehen, dass Preecha vor dem Geisterhäuschen kniete und betete, woraufhin ein Farang kam und sie beim Beten schlug. Es ist klar, dass man sich nun auf den Farang stürzte. Er wurde überwältigt und verhaftet. Preecha hatte es auch nicht anders erlebt und war sehr aufgeregt. Sie hatte doch überhaupt nichts getan, sie hatte nur vor dem Geisterhäuschen gebetet und einen Menschen, der betet, muss man in Ruhe lassen. Er hatte ihr schon einmal gesagt, dass er diesen ‘Buddha-Scheiß’ nicht mag und glaubte nun, dass er sie deswegen geschlagen hat. Die Mädchen und vor allen Dingen die Polizisten waren empört. Sie brachten ihn zur Polizei Station. Es tat Preecha gar nicht leid, ihren Kunden verloren zu haben.
Es ist erstaunlich, wie viele Ausländer den Mädchen Schimpfwörter in ihrer Muttersprache beibringen und wie viele Ausländer dann immer noch glauben, dass die Mädchen kein Wort verstehen könnten. Die Beleidigung Buddhas hatte Preecha verstanden, wie auch die Beschimpfung als ‘blöde Hure’, weil sie betete. Leider ist es auch so, dass viele Ausländer aus dem christlichen Abendland kommen und daher genau wissen, dass man keine nichtchristlichen Religionen nicht akzeptieren darf. Gleichgültig, ob sie selbst religiös sind oder nicht, lehnen sie die anderen Religionen als ‘heidnisch’ ab und bezeichnen die Anhänger dieser Religionen als dumm. Das Schlimmste ist, dass sie als Gast eines fremden Landes erwarten, dass die dort lebenden Gastgeber sofort von ihrem Glauben abzurücken haben, weil der irgendeinem Ausländer gerade nicht passt.
Als Benno abgeführt wurde, hatte Preecha geklagt, dass sie noch Sachen auf seinem Zimmer hat, worauf ihr einer der Polizisten anbot, mit ihr am nächsten Tag in Bennos Hotel zu gehen, um ihre Sachen abzuholen. Bei dieser Gelegenheit erfuhr sie, dass Benno versucht hatte, sich zu retten, indem er gegen sie eine Anzeige wegen Prostitution erstatten wollte. Das ging aber nicht, weil er nicht wusste, wie sie heißt, denn er hatte sie meistens nur ‘Dummkopf’ genannt. Ferner erfuhr sie, dass er sich bei der Polizei genauso verhalten hatte, wie bei ihr; er hatte viel gebrüllt und wollte dauernd Befehle erteilen. Nun sollte er hinter Gittern zur Ruhe kommen nach dem Wochenende einem Richter vorgeführt werden.
Die Anklage lautete auf Störung religiöser Zeremonien, Erregung öffentlichen Ärgernisses, Körperverletzung, Widerstand gegen die Staatsgewalt bei der Verhaftung, tätlicher Angriff gegen Polizeibeamte und Führung einer illegalen Waffe in der Öffentlichkeit ohne Lizenz, denn man hatte bei ihm auf der Polizeistation eine Kugelschreiberpistole gefunden. Benno kam also als Kunde für lange Zeit nicht mehr in Betracht. Außerdem hatte er in der Bar ohnehin Hausverbot erhalten.
Der ‘Widerstand gegen die Staatsgewalt’ und der ‘tätliche Angriff von Polizeibeamten’ sind höchstwahrscheinlich eine Zugabe der verhaftenden Beamten oder der Polizeistation. Wer sich allerdings in Thailand gegen das Königshaus oder die Religion wendet, muss damit rechnen, dass hier die so hoch gepriesene Toleranz der Thailänder beendet ist und dass er sich umgehend den brachialen Zorn des Volkes zuzieht. Auch dann, wenn es ein befehlsgewohnter Benno ist. Er dürfte vor dem Richter auch kaum eine Möglichkeit gehabt haben, verständlich zu erklären, warum er Preecha beim Beten gestört und verprügelt hat. Die dezente Frage eines Polizisten, ob Benno sie nicht vergewaltigt hat, oder ob sie bei ihm nicht auch Drogen gesehen hätte, wies Preecha aber zurück. Sie wollte keine Rache, denn Benno war wohl sehr eigenartig, aber er hatte sie doch immer gut bezahlt, war also irgendwie doch ein guter Mensch.
Dennoch hatte Preecha in den nächsten Tagen Probleme, mit einem Kunden mitzugehen. Die Behandlung, die sie durch Benno in einem Monat erhalten hatte, machte ihr die Ausländer gar nicht mehr so sympathisch, obwohl sie genau wusste, dass Benno nur ein Einzelfall war und sie auch viele andere Ausländer kennengelernt hatte, darunter sogar solche, die wirklich nett gewesen waren. Dennoch war der Gedanke, einmal mit einem Ausländer zu leben, vorläufig in weite Ferne gerückt. Sie zog sich vorläufig aus dem Kundendienst etwas zurück und kümmerte sich um ihre Freundin Oy, die mit ihrem Gipsbein ganz anders bettlägerig war, als sie es sich gewünscht hätte. Aber die beiden Mädchen hatten in den vergangenen Wochen sehr gut verdient und versüßten sich das Leben mit Faulenzen, Filmen, gutem Essen und einigen Leckereien.
Die Zeit heilt keine Wunden, sie lässt sie nur weniger sichtbar erscheinen und in Vergessenheit geraten. Und da man sich lieber an positive als an negative Geschehnisse erinnert, so dachte Preecha kaum noch an Benno, sondern öfter einmal an Robert, die angenehmen Wochen mit ihm und seine Bemerkung, dass er wiederkommen wollte. Das half ihr, wieder nach neuen Kunden Ausschau zu halten. Immerhin war sie ihrem Ziel des selbständigen Wohlstands dank Benno um knapp 20.000 Baht nähergekommen und nun galt es, ihr Erspartes nicht zu verplempern, sondern nach Möglichkeit zu erweitern, um wirklich einmal selbständig zu werden.
Auf der Suche nach solch einer Kapitalerweiterung lief ihr Freddy über den Weg, der so lustig aussah. Er hatte blonde Haare und viele Sommersprossen, die sie noch nie gesehen hatte. Er war sehr groß und lachte sehr viel. Er rauchte nicht und trank nicht, Frauen gegenüber schien er aber nicht abgeneigt zu sein, ganz im Gegenteil. Und Freddy hatte es ausgerechnet auf Preecha abgesehen, die auch relativ groß von Statur war, zumindest nicht ganz so klein, wie die meisten Barmädchen. Freddy himmelte sie an und versuchte, mit ihr zu sprechen. Er hatte schon drei Flaschen Limonade hinter sich, als er sich endlich ein Herz fasste und Preecha auslöste. Er feilschte nicht um den Preis und ging auch nicht mit ihr direkt ins Hotel, sondern lud sie zunächst zum Abendessen ein. Dazu ging er mit ihr in ein kleines thailändisches Lokal, las die Speisekarte von der rechten Seite her, weil dort die Preise standen, die ihn mehr zu interessieren schienen, als die Art der Speisen. Schließlich landete er bei einem besonders scharf gewürzten Gericht mit Reis, Garnelen und Gemüse. Ihm liefen zwar die Tränen aus den Augen, aber er lachte dabei und meinte, er müsse sich wohl daran gewöhnen. Freddy hatte viele Fragen. Er wollte Preechas ganzes Leben erfahren und wie alle Leute, die besonders blauäugig sind, wollte er wissen, warum sie denn diese Arbeit macht, wie lange sie schon in einer Bar arbeitet und wie viel sie dabei verdient.
Dann erzählte Freddy, dass er verheiratet war. Bis vor zwei Wochen. Ein ganzes halbes Jahr lang. Aber es hatte nur Streit gegeben. Seine Frau war mit dem Geld nicht zufrieden, dass er verdiente, weil er noch im Studium war. Sie wollte, dass er das Studium abbricht und richtiges Geld verdient. Sein Auto war ihr zu klein, weil die Nachbarn ein größeres haben. Da sie arbeiten ging und Mittagspause hatte, meinte sie, dass er ja wenigstens das Haus saubermachen und das Mittagessen zubereiten kann, da er ja nicht arbeitet, sondern nur studiert und es störte sie, dass er mittags gar nicht zuhause war, sondern auf der Uni und dass er nie richtig saubermachte und nicht richtig einkaufte, und dass er nicht da war und dass er überhaupt da war. Nach sechs Monaten Streit hatte sie einen richtigen, vernünftigen Mann getroffen und Benno und sie entschlossen sich gemeinsam, sich in gegenseitigem Einverständnis scheiden zu lassen. Danach zog seine ehemalige Frau zu dem richtigen, vernünftigen Mann und Freddy ging nach Thailand, um eine richtige, vernünftige Frau oder auch mehrere kennenzulernen. Am meisten beklagte er, dass seine Frau nie gelächelt, sondern immer nur gestritten hatte, womit verständlich wird, warum er nach der Scheidung ins Land des Lächelns kam.
Hatte Benno immer nur befohlen, was Preecha zu tun hatte, so war sie nun mit dem krassen Gegenteil konfrontiert. Freddy fragte sie nun fortwährend, was er tun sollte, was sie am liebsten möchte, was ihr Spaß macht und was sie jetzt am besten gemeinsam unternehmen sollten. Freddy war wirklich wie ein zu schnell zu groß gewordenes Kind. Preecha fühlte sich, als wenn er sich dauernd an ihren Rockzipfel klammerte. Er hatte dauernd einen Arm um sie geschlungen, was weder das Gehen erleichterte, noch die Tageshitze erträglicher machte. Zumindest musste er Händchen halten und er konnte es nicht lassen, fortwährend Küsschen zu geben und Küsschen zu verlangen. Da sie meinte, das gehörte wohl zu ihrer Aufgabe, gab es aber keine Probleme, sondern nur endlos viele Küsschen. Dabei hatte er aber ansonsten ein sonniges Gemüt und dachte fortwährend an Preecha, fragte sie, ob sie nicht etwas essen oder trinken möchte, ob sie nicht diese Bluse, jenen Rock oder so ein süßes Armbändchen aus bunten Glasperlen oder aus kleinen Plastikkugeln haben möchte.
Preecha stellte zweifelsfrei fest, dass Freddy ein gutes Herz hatte. Und außerdem stellte sie fest, dass auch ein gutes Herz auf die Dauer nur sehr schwer zu ertragen ist. Es ist offensichtlich noch ein Geheimnis des Lebens, das man erst einmal mit sich selbst leben können muss, bevor man mit einem anderen Menschen gemeinsam leben kann. Und dann muss auch dieser Andere in der Lage sein, mit sich selbst fertig zu werden. Aber das wussten Beide nicht. Und so fragte Freddy, ob er jetzt nicht besser in seine Bücher schauen sollte, die er mitgebracht hatte, oder ob Preecha lieber mit ihm an den Strand oder durch die Einkaufszentren gehen wollte, oder ob sie nicht etwas essen möchte. Preecha war es am liebsten, wenn er seine Bücher las, so konnte sie wenigstens diese Zeit seiner Umklammerung entgehen. Freddy himmelte sie dafür umso mehr an, weil er glaubte, dass sie ihn die Bücher lernen ließ, weil sie sich Sorgen um seine Zukunft machte. Abends gingen sie kurz an ihre Bar, wo er zwei Flaschen Limonade trank und einige Spiele spielte. Das machte aber auch keinen Spaß, denn dabei wurde Freddy geradezu verkniffen und gab sich alle denkbare Mühe, zu gewinnen. Er war sehr ungehalten, wenn er einmal verlor und so ließ Preecha ihn eben gewinnen. Aber auf die Dauer machte das auch keinen Spaß und so gingen sie denn ziemlich früh ins Hotel, wo er versuchte, ihr die Weisheiten aus seinem Archäologiestudium beizubringen und von Ländern wie Assyrien und Mesopotamien, von Atlantis, Babylonien und Kanaan redete, wo Preecha doch nicht einmal wusste, wo man einen Bus dorthin findet und wie lange wohl die Fahrt dauert. Sie verstand nie etwas, nickte aber immer begeistert mit dem Kopf, denn es ist in Thailand ausgesprochen unhöflich, ‘nein’ zu sagen. Außerdem war es sicherlich störend, wenn sie dauernd sagte, dass sie nichts versteht. So nickte sie also mit dem Kopf und sagte hin und wieder einmal ein kurzes Wort, was ihn dazu verleitete, anzunehmen, dass sie ihn perfekt verstanden hätte.
Wenn seine Erzählerwut zu fortgeschrittener Stunde nachließ, fragte er sehr behutsam, ob Preecha heute vielleicht Lust hätte, mit ihm ins Bett zu gehen und mit ihm zusammen zu sein. Natürlich hatte Preecha keine Lust, mit einem fremden Kleinkind ins Bett zu gehen, das fortwährend brabbelte, das man aber nie verstehen konnte, zumal er noch nicht einmal im Bett seinen Mund halten konnte. Aber wofür wurde sie schließlich bezahlt. Also lächelte sie ihn verführerisch an und war ihm liebevoll behilflich, einen möglichst schnellen Schlaf zu finden.
Aber wenn Freddy auch seinen Rockzipfel brauchte, so war er doch kein Dummkopf. Er erwähnte zwar zwischendurch, dass Thailand ein herrliches Land ist, in dem er gerne mit ihr leben würde. Dann fügte er aber gleich hinzu, dass man dafür viel Geld braucht, dass er nicht hat. Dafür müsste er erst einmal sein Studium beenden und bis dahin würde noch viel Zeit vergehen. Er kam auch gar nicht erst auf den Gedanken, dass Preecha ja mit ihm nach Deutschland kommen könnte, gab ihr aber seine Anschrift und meinte, sie könnte ihm ja einmal schreiben, vielleicht käme er noch einmal im Urlaub nach Thailand. Nachdem zwei Drittel seines Urlaubs verstrichen waren, besann Freddy sich auf sein Studium und unternahm schnell noch einige touristische Pflichtreisen zum Königspalast nach Bangkok, nach Chantaburi und Kanchanaburi, nach Bang Pa In und Ayutthaya. In Ayutthaya trennte er sich allerdings von der Reisegruppe und blieb mit Preecha noch drei weitere Tage dort, weil die archäologischen Stätten ihn doch zu sehr interessierten. Er meinte, er wäre sich nun sicher, dass er irgendwann noch einmal nach Thailand kommt. Bei dieser Gelegenheit wollte er dann auch Sukhothai, Lop Buri, Chieng Rai, Chieng Saen und einige andere Orte sehen, wofür er jetzt nicht genug Geld habe. Nach drei Wochen verabschiedete Freddy sich, der Preecha jeden Tag voll bezahlt hatte. Er hatte ihr noch etwas Schmuck als Abschiedsgeschenk gekauft und hinterließ ihr einige frisch gewaschene T-Shirts, die Preecha getrost als Abendkleid benutzen konnte. Der Abschied war tränenlos, aber herzlich. Anschließend bemerkte Preecha, dass sie ihn eigentlich doch gemocht hatte, hauptsächlich, weil er sie als Freund voll akzeptiert hatte.
Die nächsten zwei Wochen verliefen ruhig, doch die Saison war nicht mehr weit entfernt. Inzwischen kam nur hin und wieder einmal ein Kunde, der das Abenteuer einer Nacht suchte. Inzwischen hatte man ihre Kollegin Oy von dem Gipsverband um ihr Bein befreit und sie kam hinkend, um ihre Arbeit wiederaufzunehmen. Nach ihrem langen Verdienstausfall war es für die Mädchen selbstverständlich, ihr bei der Suche nach einem Kunden zu helfen. Zwar wussten sie, dass Oy eigentlich einen nicht zu alten Farang mit viel Geld suchte, der sie heiraten wollte, aber sie waren sicher, dass sie wegen des langen Verdienstausfalls auch gerne andere Kunden nahm und so wurden alle Männer, die zur Bar kamen, darauf aufmerksam gemacht, dass Oy ein guter Mensch und eine sehr schöne Frau sei, die einen bösen Unfall erlitten und leider überhaupt kein Geld hatte. Dennoch dauerte es drei Tage, bis endlich ein älterer, leicht besäuselter Farang anbiss, Oy auslöste und in sein Hotel mitnahm.
Das tat er wohl eher aus Mitleid, denn aus dem so oft gepriesenen ‘inneren Bedürfnis’ heraus, denn er wollte gar nichts von ihr und rührte sie nicht einmal an. Aber nach dem Frühstück am nächsten Morgen sagte er Oy, dass sie ruhig bleiben konnte, denn er empfand ihre Gesellschaft als angenehm und hatte es als ein Zeichen von ernsthafter Bemühung und Fleiß angesehen, dass Oy am frühen Morgen, als er noch schlief, schon aufgestanden war, seine Wäsche gewaschen und saubergemacht hatte, was hier bei den meisten Mädchen zu den Pflichtübungen einer Berufsgeliebten gehört. Die meisten Mädchen tun eben das, was ein Mann von einer Geliebten erwartet, obwohl die Anzahl berufsmäßiger Ladies zuzunehmen scheint, die sich nur noch auf Sex und Geld konzentrieren.
Er war knapp siebzig Jahre alt und hatte keine besonderen Ansprüche, sondern wollte nur etwas Gesellschaft haben. Man geht in diesem Alter nicht gerne allein in ein Restaurant, an den Strand oder auf die Tagesfahrten in die weitere Umgebung, die in Pattaya von vielen Reisebüros angeboten werden. Oy gab sich als Gesellschaftsdame alle Mühe, besonders, nachdem sie gemerkt hatte, dass er viel Geld hatte und ihre Gesellschaft ihm sichtlich angenehm war. Er aber hatte nur vierzehn Tage Urlaub gebucht, von denen schon drei Tage verstrichen waren und er hatte nicht die Absicht, seinen Urlaub zu verlängern. Ganz offensichtlich hatte er auch kein Interesse, in Thailand zu leben oder gar zu heiraten. Er erklärte Oy, dass Thailand ein sehr schönes Land sei, wenn man einmal einige Tage Urlaub machen wollte, auf die Dauer würden ihm hier aber seine gewohnte Umgebung und die Unterhaltung fehlen. Er meinte, es gibt hier für alte Leute nur wenig zu unternehmen und das Land würde Ausländern zu viele Schwierigkeiten beim Hauserwerb und mit der Aufenthaltsgenehmigung bereiten. Die Ausländer, die hier leben, würden nicht zusammenhalten, sondern sich untereinander bekämpfen. Eine Unterhaltung mit Thailändern sei so gut wie unmöglich, weil die Einen nichts mit Ausländern zu tun haben wollen, die Anderen das zwar gegen gute Bezahlung tun, aber für eine vernünftige Unterhaltung weder die nötige Allgemeinbildung haben, noch das erforderliche Sprachvermögen. Deshalb bleibe Thailand für ihn höchstens ein Land für einen schönen, aber nicht zu langen Urlaub, weil es ihm hier zu schnell langweilig werde. Zum Abschluss bedankte er sich bei Oy für ihre umsichtige Begleitung und wünschte ihr alles Gute. Er sagte nicht, ob er wiederkommen oder sie wiedersehen wollte. Er wollte nicht, dass sie ihn zum Flughafen bringt und verabschiedete sich am Taxi vor dem Hotel, wobei er ihr noch einen Umschlag überreichte.
Doch Oy kam trotz aller Neugier noch nicht einmal dazu, in den Umschlag zu schauen. Zur Verabschiedung war noch ein Farang erschienen, der sich mit dem Abreisenden öfter unterhalten hatte. Auch er wünschte ihm eine gute Reise und alles Gute und als das Taxi abfuhr, fragte er Oy, ob sie nicht mit ihm einen Kaffee trinken wollte. Sie hatte zwar keine Lust und lehnte zuerst ab, nachdem der Farang aber darauf bestand und sagte, sie könnte ja auch etwas anderes trinken, witterte sie eine gute Verdienstmöglichkeit. Sie sagte schließlich zu und ging mit ihm an die Coffee-Bar des Hotels zurück.
Der Farang mochte gerade gut fünfzig Jahre alt sein und stellte sich zunächst einmal vor. Er heiße Hans und komme aus Belgien. Nach einem einführenden Geplänkel wollte er von Oy wissen, ob sein Freund mit ihr wirklich so oft im Bett war, wie er immer gesagt hatte und forderte sie auf, zu erzählen, was er alles mit ihr angestellt hatte. Oy war klug genug, darauf nicht weiter einzugehen. Männer liebten es offensichtlich, an der Bar damit zu prahlen, was sie alles mit ihren Frauen erlebt hatten, aber sie mochten es gar nicht, wenn die Frauen dann erzählten, was wirklich gewesen war. Wenn sie Hans etwas sagte, müsste er denken, dass sie auch über ihn spricht, wenn er sie mitnimmt. So sagte sie ihm nur, dass es ein guter Freund gewesen ist, dass sie über die privaten Angelegenheiten nicht spricht. Sie wollte wissen, ob er seinem Freund helfen will, wen sie ihm Auskunft gibt und warum er seinen Freund nicht selbst gefragt hat.
Der wich aus und meinte, dass es ihn eigentlich nicht so sehr interessiert, er hätte es nur seltsam gefunden, dass er in seinem Alter noch jeden Tag zwei- bis dreimal mit einer Frau ins Bett gehen könnte. Doch Oy lächelte nur und damit war das Thema beendet. Nun wollte Hans etwas über ihr Zuhause wissen, über ihre Kindheit und ihre Familie. Oy erzählte etwas, bis Hans meinte, er wäre jetzt müde. Er sagte, dass er am Abend gegen 20 Uhr zu ihrer Bar kommen wollte und fragte, ob sie einverstanden wäre, wenn er sie auslöst. Dann ging er auf sein Zimmer, um sich etwas hinzulegen. Oy ging nachhause und überlegte sich, ob das wohl ein geeigneter Partner zum Heiraten wäre. Aber sie wusste zu wenig von ihm, sie wusste ja noch nicht einmal, ob er auch wirklich genug Geld hatte. Außerdem wusste sie nicht, ob er nicht schon verheiratet war und wie lange er noch in Thailand bleiben wollte. Aber am Abend kam Hans pünktlich und löste Oy aus. Er blieb zwei Stunden in der Bar und lud sie dann in ein Restaurant ein, um sich noch etwas mit ihr zu unterhalten, was in der Bar wegen der lauten Musik nicht gut möglich war.
Er wollte von Oy verschiedene Informationen über Thailand haben und er wollte sie wohl auch etwas näher kennenlernen. Hans erzählte, dass er schon seit mehreren Jahren geschieden ist und alleine lebt. Er hat in Belgien als Beamter gearbeitet und ist frühzeitig in Pension gegangen. Er erzählte, dass er nicht reich ist, von seiner Pension aber gut leben kann. Seine Fragen über das Leben in Thailand konnte Oy ihm nur sehr begrenzt beantworten, denn das Leben eines Mädchens, das vom Dorf kommt und in einer Bar arbeitet, hat mit dem Leben eines Touristen nur sehr wenig gemein. Das bezieht sich auf den Lebensstil genauso gut, wie auf die Kommunikation. Sie wusste nicht, ob man hier alle Zutaten für europäisches Essen findet, denn dazu hätte sie erst einmal die Europäische Küche kennen und selbst kochen können müssen. Sie konnte ihm aber sagen, dass er am besten in die großen Supermärkte geht, weil die meisten Ausländer dort einkaufen und viele europäische Sachen finden. Dort könnte er selbst sehen, ob es die Sachen gibt, die er braucht.
Mit der Unterhaltung zwischen Thai und Ausländern gibt es aber überhaupt keine Probleme, sagte sie Peter. Schließlich erlebte sie ja jeden Tag an der Bar, dass sich dort die Ausländer einfanden und mit den thailändischen Mädchen redeten und sie eventuell mitnahmen. Also konnte es ja keine Probleme mit der Unterhaltung geben. Dass Hans unter Unterhaltung und Kommunikation vielleicht etwas Anderes verstand als sie, konnte sie nicht wissen. Hans überlegte, ob er nach Thailand kommen und hier leben sollte. Einmal wegen seiner Knochen, die ihm in Belgien das ganze Jahr lang weh taten und in Thailand überhaupt nicht, und außerdem wegen des unbekümmerten Lebensstils, mit dem man sein Leben und die Abende recht preiswert gestalten kann. Denn man kann in Thailand sehr billig leben, hatte er von vielen Ausländern gehört. Das ist allerdings nicht so ganz richtig. Man kann nicht gutsagen, dass das Leben in Thailand außerordentlich billig ist und dann noch hinzufügen, dass es so angenehme Möglichkeiten gibt, seine Abende an den Bars und mit hübschen Frauen zu verbringen, denn dann ist das Leben hier gar nicht mehr so billig. Aber Hans meinte, er könnte ja ein Apartment mieten und dann herausfinden, wie das Leben hier ist. Vielleicht zusammen mit Oy.
Hans hatte Oy einige Tage beobachtet, als sie mit seinem Freund im Hotel gelebt hatte. Sie war immer freundlich und ruhig gewesen und Hans war zu der Überzeugung gekommen, dass man mit ihr zurechtkommen könnte. Er hatte ja auch schon die Jahre hinter sich, in denen man noch auf die ‘Liebe auf den ersten Blick’ wartet oder die ‘ideale Partnerin’ sucht. Er hatte sie zum Essen eingeladen, um sich ein besseres Bild von ihr machen zu können und war mit dem Ergebnis zufrieden. Er wollte nun einige Tage mit ihr zusammen verbringen, um sie näher kennenzulernen und sich entscheiden zu können, ob er mit ihr in ein Apartment ziehen sollte. Er hielt es für besser, erst einmal einige Monate mit ihr in einem Apartment zu leben, bevor er sich entschließen würde, ein Haus zu kaufen. Man konnte nie wissen, wie sich eine Frau im Laufe einiger Monate verändert und wenn es Probleme geben sollte, war es viel leichter, ein Apartment zu kündigen und auszuziehen, als wenn man ein eigenes Haus hat, das man verkaufen wollte, wobei es dann ja auch noch die Probleme des Besitzrechtes gab, wenn er kein Haus fand, das er längere Zeit mieten konnte.
Hans ging mit Oy erst einmal ins Hotel, aber er rührte sie nicht an. Er hatte einmal von einem ehemaligen Legionär gehört, wie das mit den Frauen in Asien war. Der hatte erklärt, dass man die Frauen zwar mitnehmen und mit ihnen dann auch ins Bett gehen kann. Aber das wäre für die Stimmung und für ein Zusammenleben nicht gut, weil sie sich dann doch wie vergewaltigt fühlen. Es wäre viel besser, eine Frau mitzunehmen und sie in Ruhe zu lassen. Die besseren fühlen sich dann trotzdem verpflichtet, für das Geld, das sie bekommen, auch etwas zu tun. Sie kommen dann von selbst.
Oy war von dem Vorschlag, einige Zeit mit Hans zu leben, geradezu begeistert, obwohl Hans ihr sofort darauf mitteilte, dass er dann aber keine 500 Baht pro Tag zahlen würde, sondern nur zwei Drittel, sprich 10.000 Baht im Monat. Aber das war schließlich immer noch weit mehr, als wenn sie in der Bar stand und auf Kunden wartete. Außerdem war es eine sichere Angelegenheit und sie hatte sich auch nicht dauernd auf einen neuen Kunden einzustellen. Dabei musste sie sich eingestehen, dass es jedes Mal ein Risiko war, mit jemand mitzugehen, den sie nicht kannte. Während der nächsten Tage bemühte Oy sich darum, Hans das Leben angenehm zu gestalten, denn es war ja möglich, dass hier eine Partnerschaft entsteht, bei der sie dann angenehm leben könnte und finanziell gut versorgt wäre.
Oy machte sauber und kümmerte sich um die Wäsche. Sie ging in Reisebüros, um Hans Vorschläge für Ausflüge zu machen und sie hörte sich nach preiswerten Restaurants um, in denen man europäische und thailändische Speisen bekommen konnte. Hans war von ihren Aktivitäten sehr angetan und meinte, es wäre eine nette Abwechslung, jede Woche einmal eine Ausflugsreise zu unternehmen. Ansonsten regelte er sein Leben so, dass er nach einem späten Frühstück spazieren ging und dabei vielleicht einige Kleinigkeiten einkaufte, oder sich mit einem Buch oder einer Zeitung an den Swimmingpool des Hotels setzte. Nach dem Mittagsessen ging er mit Oy an den Strand, legte sich anschließend vielleicht für eine Stunde hin, während Oy nachhause ging und ihre Wäsche wusch. Wenn sie wiederkam, aßen sie in einem Restaurant gemeinsam zu Abend und verbrachten vielleicht noch ein oder zwei Stunden an der Bar.
Nach zwei Wochen meinte Hans allerdings, dass dieses Leben doch etwas eintönig war. Nachdem er sich über Oy bisher nicht beklagen konnte, zog er los und suchte ein Apartment, in das sie eine Woche später einzogen. In dem Apartmenthaus hatte man Satellitenfernsehen und im Parterre einen Gemeinschaftsraum mit einer kleinen Bar, in der man frühstückte und nachmittags oder abends bei ein oder zwei Getränken einen Videofilm sehen konnte. Hans kaufte sich für die übrige Zeit einige Bücher und einen Computer, den er ans Internet anschließen ließ. So hatte er genug Ablenkung und Beschäftigung, statt dauernd nur herumsitzen zu müssen. Er beschäftigte sich damit, dass er im Internet die verschiedensten Zeitungen las und die Nachrichten miteinander verglich. Abends trafen sich meist mehrere Bewohner des Apartmenthauses in dem Gemeinschaftsraum. Dadurch, dass man jeden Abend dieselben Gesichter sah, war es auch leichter, miteinander Kontakt aufzunehmen und so war die Unterhaltung besser, als in der Bar, die ihm ohnehin zu laut war. Oy sprach auch mit Preecha über das Apartmenthaus und dass es dort viel angenehmer war, als in einem unpersönlichen Hotel, wo man sich nicht so richtig einrichten und kein Essen bereiten konnte, sondern für jeden Kaffee und jede Kleinigkeit in den Coffeeshop des Hotels hinuntergehen musste.
Preecha war froh, dass sie diese Information hatte, als sich unvermutet Robert meldete. Er hatte zwar gesagt, dass er vielleicht noch einmal in Urlaub käme, war nun aber doch viel schneller wiedergekommen, als er angedeutet hatte. Robert war etwas unschlüssig gewesen, aber doch ganz gerne wieder nach Deutschland zurückgegangen. Dort war sein Zuhause, er kannte die Umgebung, hatte seine Freunde und hatte gemeint, dort wäre er lieber, wo er in Thailand ja doch mit keinem Menschen vernünftig reden kann. Aber nachdem er wieder in Deutschland war, musste er bemerken, dass auch das schönste Zuhause kein Vergnügen bedeutet, wenn man dort ganz alleine sitzt und mit gar keinem Menschen reden kann, weil man einfach nicht mehr attraktiv genug ist. Und dann war ihm eingefallen, dass es vielleicht doch besser ist, in Thailand mit keinem Menschen vernünftig reden zu können, als in Deutschland mit vielen Leuten überhaupt kein Wort zu wechseln. So war es gekommen, dass er schon nach wenigen Wochen wieder nach Thailand zurückflog.
Hier meldete er sich bei Preecha, an die er sich gern erinnerte und sie war froh, Robert zu sehen, nicht nur, weil das vermutlich ein gutes Einkommen bedeutete, sondern auch weil sie ihn als einen ruhigen und freundlichen Menschen in guter Erinnerung hatte. Robert fragte sie, ob sie derzeit einen Freund habe und sie antwortete seelenruhig, dass es zurzeit sehr ruhig ist und die Mädchen wenig zu tun haben. Robert sagte, er sei gerade erst angekommen und müsste schnell etwas Essen gehen. Preecha sollte aber auf ihn warten; er käme gleich zurück. In einer halben Stunde war er wieder da und überreichte Preecha einen Strauß Rosen, die er unterwegs einer Blumenfrau abgekauft hatte. Er erwähnte, dass er noch eine Kleinigkeit für sie mitgebracht habe, aber er habe seine Koffer noch nicht geöffnet und würde das tun, wenn sie später zusammen ins Hotel gingen. Als Preecha ihn fragte, wie lange er in Thailand bleiben würde, meinte Robert, er überlege sich, ob er nicht bis zum Ende der kalten Jahreszeit bleiben sollte, um dann mit Beginn der heißen Jahreszeit nach Deutschland zu gehen. Im Winter säße man in Deutschland allein im Haus und könnte nicht hinaus in die Kälte, während er im Sommer doch öfter ausgehen, spazieren gehen oder sich mit Freunden treffen und unterhalten kann.
Nach einiger Zeit sagte Robert, dass er sich in Thailand vielleicht ein kleines Haus kaufen will, um dann ein halbes Jahr in Thailand und ein halbes Jahr in Deutschland zu verbringen. Er war sehr erstaunt, als Preecha ihm davon abriet und sagte, ein Apartment wäre viel besser, weil er dabei ein halbes Jahr Miete spart und sich keine Sorgen zu machen braucht, wenn sein Haus sechs Monate lang unbewohnt und unbewacht ist.
Wie oft hatte er schon gehört, dass die ‘Thai-Ladies’ ihren Langzeitfreunden sagen, sie sollten ein Haus kaufen, das dann auf den Namen der ‘Lady’ eingetragen wird und ihr somit gehört. Später gäbe es für den Ausländer Probleme, weil die ‘Lady’ das Haus einfach verkauft oder mit ihrem thailändischen Mann oder ihrer Familie einzieht. Und nun sagt Preecha ihm, dass er kein Haus kaufen soll. Aber Preechas Hinweis auf das Apartmenthaus kam ihm sehr recht und war durchaus verständlich. Am nächsten Tag gingen sie los, um Oy und Hans zu besuchen, der bestätigte, dass er sich hier sehr wohl fühlt und sich nach einiger Zeit munterer Unterhaltung auch bereit erklärte, ihnen das Apartment mit Küche, Fernseher und seinem Computer zu zeigen, dass er mit Oy bewohnt. Das lag vor allen Dingen daran, dass er sich mit Robert gut verstand und ihn auch ganz sympathisch fand. Er war ein Mensch, mit dem er sich gut unterhalten konnte und schon deshalb als Mitbewohner wünschte.
Robert zog anschließend mit Oy los, um mit dem Inhaber des Apartmenthauses zu sprechen. Er konnte sich ein Apartment ansehen, das in einer Woche frei werden sollte und dann wollte er einziehen. Er regelte mit dem Eigentümer auch, dass er einige Sachen bei ihm unterstellen kann, wenn er im Sommer nach Deutschland geht, sofern er später wieder zurückkommen wollte. Er sprach anschließend noch mit Preecha darüber, dass ein eigenes Haus vielleicht doch besser ist, weil man dort nicht so beengt ist und auch seinen eigenen Garten hat, aber er stimmte zu, dass er es erst einmal mit dem Apartmenthaus probiert und wenn es ihm nicht gefällt, immer noch in Ruhe ein eigenes Haus suchen kann.
Ein Hintergrund für seinen Wunsch nach einem eigenen Haus bestand auch darin, dass er sich umgehört hatte und wusste, dass er sich ein eigenes Haus kaufen konnte, wenn dieses das eingetragene Eigentum einer Company war, die mehrheitlich in thailändischer Hand war und weniger als die Hälfte der Häuser auf Ausländer geschrieben wurden. Er war sich also bewusst, dass es für ihn die Möglichkeit gab, ein Haus zu besitzen, dass er nicht auf den Namen einer ‘Thai-Lady’ oder eines Rechtsanwaltes eintragen lassen musste. Aber er fragte sich auch, was mit dem Haus geschieht, wenn er jedes Jahr sechs Monate abwesend ist. Es war schwer, sich darauf zu verlassen, dass sich in seiner Abwesenheit jemand ernsthaft um das Haus kümmert, statt sich ein halbes Jahr lang Zeit zu nehmen, um es langsam auszuräumen und die Sachen zu verkaufen.
Robert hatte zwar beim Einzug in das Apartment auch gleich einen Computer gekauft und ans Internet angeschlossen, aber er war ein etwas pedantischer Mensch und so entwarf er erst einmal einen Stundenplan, um sich seine Beschäftigung zu sichern. Nach dem Frühstück, das Preecha bereiten sollte, hatte er für sich zwei Stunden ‘Computer’ eingetragen. In dieser Zeit sollte Preecha Englisch lernen. Anschließend wollte er ihr vorläufig eine Stunde lang beibringen, wie sie mit einem Computer umgehen kann. Dann wäre es Zeit, dass Preecha sich um das Mittagessen kümmert, während er beginnen wollte, Thai zu lernen. Er machte sich keine Illusionen, dass er diese Sprache schnell lernen würde, zumal man in seinem Alter von siebzig Jahren ein Wort schneller vergisst, als man es lernt. Aber er meinte, dass er es jedenfalls versuchen müsste, wenn er schon in Thailand leben will, und dass es ja schließlich darum ginge, sich zu beschäftigen.
Bald bemerkte er, dass es für ihn unmöglich war, alleine Thai zu lernen und der Stundenplan wurde umgebaut, damit Preecha ihm jeden Tag eine Stunde beim Lernen der Aussprache helfen konnte. Somit war ein Teil des Nachmittags belegt und zwei weitere Stunden saßen beide in einem Raum und lernten Englisch und Thai. Dann war für ihn eine Stunde Ruhe angesagt und anschließend waren es Bücher oder Fernsehen, mit denen er sich beschäftigte. Am Abend war es manchmal das Fernsehen, oder sie gingen nach unten in den Gemeinschaftsraum mit der kleinen Bar, wo sie sich oft mit Hans und Oy zusammensetzten und eine Zeit lang unterhielten. Hin und wieder gingen sie auch einmal in ein Restaurant oder in eine Bar.
So hatte sich das Leben bald geregelt und verlief weitgehend problemlos. Man hatte sich aneinander gewöhnt und man hatte sich auch an einen gewissen Tagesrhythmus gewöhnt, so dass man nicht über Langeweile klagen konnte. Hin und wieder gab es auch einmal eine Abweichung vom Stundenplan, wenn es darum ging, mit Hans und Oy zusammen an einem Ausflug in die Umgebung oder auch nach Ayutthaya oder Lop Buri teilzunehmen, um etwas Abwechslung zu haben.
Oy und Preecha gingen des Öfteren zusammen los, um ihre Einkäufe zu erledigen, wobei sie auch gelegentlich die Freundinnen besuchten, mit denen sie früher zusammengearbeitet hatten. Abends unterhielten sie sich gemeinsam, während Hans und Robert beisammensaßen, sich einen Videofilm anschauten oder sich unterhielten und dabei einige Gläser leerten. Es war ein friedliches, beschauliches und zufriedenes Leben.
Das änderte sich, als auf einmal Dao auftauchte. Sie sagte nicht, wie sie es geschafft hatte, so schnell wieder die Gitter hinter sich zu lassen und in der Öffentlichkeit zum Vorschein zu kommen, aber sie erklärte, dass sie kein Geld und nichts zu essen hat und deswegen gekommen sei, damit Preecha und Oy ihr helfen könnten. Dann wandte sie sich zuerst an Hans und dann an Robert, um Geld zu bekommen und etwas zu trinken, Klosterbier selbstverständlich. Als hier nichts mehr zu holen war, wandte sich an die anderen männlichen Gäste, wobei sie auch gleich ihre freundschaftlichsten Dienste anbot. Dao war da und sie war sofort im Mittelpunkt und es führte nichts an Dao und ihrem Ziel vorbei, Geld zu bekommen, notfalls irgendetwas anderes, wie Getränke oder Zigaretten. Unglücklicherweise machte sie Eindruck auf einen noch unbeweibten Gast namens Franz, der an ihr Interesse hatte und sie in sein Apartment mitnahm.
Franz hatte sicherlich keine Ahnung, was er sich eingehandelt hatte, als er Dao mitnahm. Sicher, sie hatte eine beachtenswerte Figur. Außerdem aber hatte sie eine unüberhörbare Stimme und ein langes trainiertes Geschick, Aufmerksamkeit zu erregen und aus jeder Person etwas herauszuholen. Das stellte sie gleich am nächsten Morgen beim Frühstück unter Beweis, als sie von Franz zehn Baht für die Toilette verlangte. Der gute Franz war erst runde dreißig Jahre alt und zeichnete sich durch ein gutes Herz und ein etwas langsames Denkvermögen aus. Zunächst sagte er Dao, dass sie ruhig auf die Toilette gehen kann, die hier gratis benutzt wird. Aber da war er an der falschen Adresse. Dao erhob ihre Stimme, die zwar nicht die Gläser zum Zerspringen, dafür aber die Wände zum Wackeln brachte und fragte ihn, ob er zu geizig wäre, ihr zehn Baht für die Toilette zu geben. Als Franz darauf wiederholte, dass sie hier für die Toilette kein Geld braucht, brach der Taifun los. Sie erklärte, er wollte sie nur ausnützen und betrügen, er habe sie auch noch nicht für die Nacht bezahlt, er wollte sie wohl überhaupt nicht bezahlen und jetzt wollte er ihr noch nicht einmal zehn Baht geben. Er sei ein übler Betrüger, eine ‘Drecksau’, die nur gekommen sei, um arme thailändische Frauen auszunutzen und um ihr Geld zu betrügen, wobei sie voller Wut sein Bierglas auf den Boden schmetterte und gleich ein neues Bier bestellte.
Franz wollte jegliches Aufsehen vermeiden und sagte, dass könnten sie doch besser bei ihm auf dem Zimmer besprechen, kam damit aber bei Dao nicht an. Sie schrie, er wolle sie nur wieder gratis bumsen und sie wollte jetzt ihr Geld haben, sonst ginge sie zur Polizei, weil er so ein mieser Mensch sei, der andere nur betrügt und noch nicht einmal 10 Baht gibt.
Franz war gutmütig und hilflos, zwei folgenschwere Geburtsfehler. Er holte also sein Portemonnaie aus der Hosentasche und fingerte unter Daos Geschrei 500 Baht heraus, die er ihr gab. Sie riss ihm den Geldschein aus der Hand und schrie, er wolle sich wohl um die zehn Baht drücken. Franz wollte darauf antworten, dass sie doch mit 500 Baht genug Geld für die Toilette habe, doch das erhöhte nur ihr Geschrei und so zog er noch einen 20 Baht-Schein hervor und gab ihn Dao, deren Stimmungswechsel nun alle Anwesenden völlig unvorbereitet traf. Sie setzte sich bei Franz auf den Schoss, küsste ihn und sagte ihm, dass er ein guter Mensch sei. Dann nahm sie das Bier, das man inzwischen geliefert hatte, setzte sich damit Franz gegenüber und trank es in hastigen Zügen aus, worauf sie ein weiteres bestellte. Als Franz meinte, das wäre wohl genug, schrie sie die etwas schüchterne Bedienung an, sie soll sofort ein Bier bringen, was das völlig verwirrte Mädchen auch prompt tat. Darauf bezahlte Franz die Rechnung einschließlich der zwei Biere, verließ unter dem Geschrei Daos, dass er zu geizig wäre, ihr etwas zu trinken zu geben, den Gemeinschaftsraum und ging auf sein Apartment, um weiteren Attacken zu entgehen.
Dao brauchte noch einige Minuten, die sie mit strahlender Miene und der Bierflasche verbrachte. Dann stand sie auf und setzte sich mit dem freundlichsten Lächeln zu Hans und Oy an den Tisch, erklärte Hans, was er für ein guter, schöner Mann sei und fragte ihn nach einer weiteren Flasche Bier. Hans erklärte daraufhin, dass er gerade mit Oy gehen wollte, rief nach der Bedienung, um die Rechnung zu bezahlen und beachtete die nun schimpfende Dao nicht weiter, bis er mit Oy ging. Darauf stellte Dao ihr Schimpfen ein und wieder ihr Lächeln auf, um zum Tisch von Robert und Preecha zu gehen. Aber der hatte früh genug verstanden und bezahlt und stand nun auch auf, um mit Preecha den Raum zu verlassen. Darauf wandte sich Dao an einen weiteren Gast, der ihr aber zu verstehen gab, dass er sie nicht versteht. Aber Dao war dennoch zufrieden. Sie wusste, wie man die dummen Farang behandeln musste, wenn man von ihnen etwas haben will. Sie mögen es nicht, wenn man sie in der Öffentlichkeit beschimpft und eine Szene macht. Dann kann man fast alles von ihnen bekommen, nur damit man ruhig ist. Und wenn man ein Bier bekommen hat und die Flasche leer wird, braucht man nur wieder zu schreien, um eine neue zu bekommen, weil die Farang Angst haben, dass man sonst wieder eine Szene machen oder laut schreien könnte.
Freilich, an der Bar durfte sie das nicht machen, dann bekam sie gleich Ärger mit der Kassiererin und der Chefin. Aber hier war sie eine Kundin und konnte sich alles erlauben, denn sie brachte ja Geld ein. Aufmerksamkeit hatte sie jedenfalls erreicht. Sie war Gesprächsthema bei Hans und Robert und ihren beiden Mädchen, die sich das Verhalten auch nicht erklären konnten, obwohl sie mit Dao zusammengearbeitet hatten, aber so schlimm hatte sie sich nie aufgeführt, meinten sie.
Es war einfach so, dass man Dao getrost als eine Hysterikerin bezeichnen konnte. Hysteriker sind Menschen, die in ihrer Kindheit keine oder viel zu wenig Geborgenheit, Zuneigung und Wärme bekommen haben und diese Gefühle deswegen nicht verstehen können. Sie versuchen dann, diese fehlende Wärme dadurch zu ersetzen, dass sie für Anerkennung oder Aufmerksamkeit sorgen, was sie als eine Art Zuneigung verstehen, auch wenn man sie beschimpft, denn immerhin kümmert man sich ja um sie. Sie stehen immer auf der Bühne, spielen eine Rolle und müssen gesehen und gehört werden. Wenn sie die ihnen fehlende Aufmerksamkeit nicht im Positiven bekommen, wechseln sie die Rolle, um die ersehnte Aufmerksamkeit eben auf eine andere Art zu erhalten.
Die Mädchen, die zur Frühstückszeit bedient hatten, erzählten ihrem Chef von dem Problem. Der kannte sich offensichtlich schon aus. Er sagte nicht viel, sondern meinte nur, dass er am Abend selbst kommen wird. Während man allgemein sicher war, dass Dao vielleicht betrunken war, sich aber auf keinen Fall wiedersehen lassen würde, erschien sie am Abend mit einem strahlenden Lächeln und Franz am Arm im Gemeinschaftsraum. Man war wohl der Meinung, nun sei wieder alles in Ordnung und beachtete sie nicht weiter. Wahrscheinlich lag es daran, dass Dao bald wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit stand. Allem Anschein nach ging es darum, dass Franz ihr nachmittags ein Goldkettchen versprochen hatte und nicht sofort losgegangen war, es zu kaufen. Und dann ging es um den Preis. Franz meinte, sie müsse die Goldkettchen erst einmal sehen, um zu wissen, welches sie schön findet, während sie meinte, es muss mindestens 1.000 Baht kosten, dann sei es auch schön. Franz hatte das Kettchen als Schmuck verstanden und übersehen, dass es Dao nur auf den materiellen Wert ankam, auf das Geld. Er hatte sicher auch nicht an 1.000 Baht gedacht, aber nun konnte er Dao auch einfach das Geld geben, das war für sie genauso schön, wie ein Schmuckstück, das sie früher oder später ohnehin zu Geld gemacht hätte.
Es war vorauszusehen, dass der Streit eskalierte und Dao mit lautem Geschrei bald wieder im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit stand. Franzens Versuche, sie zu beschwichtigen, waren fruchtlos. Einmal, weil er nicht sah, dass Dao nur Geld wollte und dass er nicht in der Lage war, sich von ihr zu trennen. Zum anderen, weil Dao begriffen hatte, dass sie hier ein relativ wehrloses Opfer gefunden hatte, dass sie nicht ungeschoren aus ihren Krallen lassen würde. Nach einigen Minuten lauten Geschreis kam der vorgewarnte Inhaber, erklärte Dao, dass hier Gäste seien, die einen Videofilm sehen wollen. Deshalb möchte sie sich bitte ruhig verhalten, sonst müsse sie den Raum und das Haus verlassen.
Für Dao war das eine neue Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu erreichen. Sie fuhr den Inhaber an, dass sie hier wohnt, isst und trinkt, sie sei deshalb genauso eine Kundin wie alle anderen Gäste auch und könnte deshalb machen, was ihr passt. Der Inhaber sollte erst einmal lernen, wie er sich gegenüber Kunden zu benehmen hat. Der meinte, sie hätte hier kein Apartment gemietet, kein Geld bezahlt und wäre keine Kundin. Außerdem spielte das keine Rolle, weil sich hier alle nach der Hausordnung richten und auf die anderen Personen im Raum Rücksicht nehmen müssen. Da sie das nicht will, möchte sie jetzt bitte das Haus verlassen.
Das brachte Dao auf Hochtouren und höhere Lautstärken. Sie schrie, dass die Ausländer in ihrem Land nichts zu suchen haben, dass sie die Thai nicht als Menschen behandeln, sondern sie nur ausnutzen und betrügen wollen. Bei diesen Worten nahm sie eine große Porzellanvase, die sie tobend auf den Boden schmetterte. Während sie noch etwas weiter tobte, erschien auch schon die Polizei, die die Frau des Inhabers gerufen hatte. Sie sagte der Polizei, dass Dao hier nichts zu suchen hat, nicht hier wohnt, nichts konsumiert und bereits aufgefordert wurde, das Haus zu verlassen und dass sie daraufhin mutwillig die Porzellanvase zerstört hat, die 1.800 Baht kostet. Die Polizei versuchte, mit Dao zu reden, was aber nicht möglich war, da sie weiter tobte und nun auch noch die Polizisten beschimpfte, sie würden mit den Ausländern unter einer Decke stecken und seien sowieso korrupt. Erst als einer der Polizisten die Handschellen von seinem Gürtel losmachte, wurde sie ruhiger und sagte, sie hätte überhaupt nichts getan und die Vase sei ihr nur versehentlich aus der Hand gefallen. Als der Polizist sagte, sie wäre schon vorher aufgefordert worden, das Haus zu verlassen und habe nichts mit der Vase zu tun gehabt, sie muss also die 1.800 Baht für die Vase bezahlen, war sie ganz still. Dann saß sie blitzschnell auf Franzens Schoss, küsste ihn und sagte, er soll ihr doch die 1.800 Baht vorstrecken, sie würde ihm das Geld später auch ganz bestimmt wieder zurückgeben. Franz machte ein langes Gesicht, verlangte von ihr, dass sie ihm verspricht, das Geld ganz bestimmt wieder zurückzuzahlen und dass sie jetzt aufhört zu schreien und ruhig ist. Dann bezahlte er die 1.800 Baht. Das änderte aber nichts daran, dass Dao mit den Polizisten zur Polizeistation mitgehen musste, wo ein Hausverbot für sie eingetragen wurde.
Franz hätte nun aufatmen können, aber er beschwerte sich beim Inhaber über das Hausverbot, erklärte, dass er hier ein Apartment bezahlt hat, dass Dao seine Freundin sei und dass er sie liebt. Der Inhaber meinte trocken, das ginge ihn nichts an und wenn Franz das Mädchen liebt, dann möchte er das bitte woanders tun. Als Franz daraufhin sagte, er zieht sofort aus und der Inhaber soll ihm die Miete zurückgeben, schüttelte der mit dem Kopf und sagte, Franz habe bis zum Monatsende bezahlt. Wenn er ausziehen will, ist das seine Sache, aber er brauche ja nicht ausziehen, er soll nur dafür zu sorgen, dass sich seine Gäste anständig verhalten und die anderen Gäste in Ruhe lassen. Franz ging beleidigt in sein Apartment.
Es ist nicht nur so, dass sich Gegensätze anziehen, wie man bei Franz und Dao sagen könnte, es ist auch so, dass viele Männer immer wieder Frauen mit denselben Charakterzügen finden. Das hängt u. A. mit dem Wesen der Mutter oder einer anderen weiblichen Bezugsperson in der Kindheit zusammen. Wenn sie einer Person mit den gleichen Charakterzügen begegnen, scheint ihnen diese Person vertraut, sie fühlen sich zu ihr hingezogen und trotz aller Probleme ‘geborgen’. Viele sprechen dann von der großen Liebe. Bis es wirklich nicht mehr geht oder die Frau weggeht. Dann suchen sie sich eine neue, die vielleicht ganz anders aussieht, vielleicht auch andere Ansichten hat, aber die gleichen Charakterzüge. Und dann beginnt das ganze Spiel wieder von vorn, oftmals ein ganzes Leben lang.
Der Inhaber hielt die Sache für erledigt und verließ das Haus. Er konnte nicht wissen, dass Dao, nachdem sie die Polizeistation verlassen durfte, flugs wieder im Apartmenthaus erschien. Dort sprach sie mit dem Mädchen am Tresen, entschuldigte sich und sagte, sie wolle nur ihre privaten Sachen von Franz abholen. Eine halbe Stunde später kam sie wieder herunter und verließ das Haus mit freundlichen Grüßen. Nur kurz danach kam Franz aus seinem Apartment. Er setzte sich zu Robert und Preecha und war sehr ruhig. Dann fragte er Robert, ob er ihm 500 Baht leihen könnte. Dao war mit ihm noch ins Bett gegangen und als er unter die Dusche ging, hatte Dao sein Portemonnaie genommen, das Geld aus seiner Brieftasche geholt und war gegangen. Zur Polizei zu gehen, hielt er für sinnlos, denn Dao hatte ja nicht einmal eine Anschrift. Franz würde nachhause telefonieren, damit man ihm schnell etwas Geld schickt.
Nun war wieder Ruhe eingekehrt und die nächsten Wochen verliefen wieder im alten Trott. Bis Robert über Stiche in der Herzgegend klagte. Preecha drängte ihn dazu, zum Arzt zu gehen. Erst meinte er, das würde sich wohl wieder legen, weil es ja auch nicht oft war. Er würde das Rauchen einschränken, weniger Fett und dafür mehr Gemüse essen und weniger Alkohol trinken, dann würde sich das Unwohlsein wieder legen. Das Herz aber schien diese Behandlung gar nicht zu mögen und stach immer öfter, bis sich Robert ernsthafte Sorgen machte und sogar zu einem Arzt ging. Der untersuchte ihn für 2.000 Baht und kam zu der überraschenden Diagnose, dass das Herzstechen nur daran liegen kann, dass Robert älter wird. Nachdem er schon siebzig Jahre alt war, hätte Robert sich das auch selbst sagen können und zwar preiswerter. Nachdem keine Besserung eintrat, entschloss sich Robert, nach Deutschland zu fliegen. Es stimmt zwar, dass es auch hier gute Ärzte gibt, meinte er, aber die kenne er nicht, während er in Deutschland einen guten Arzt kennt, mit dem er auch Deutsch sprechen kann. Das Apartment wollte Robert aber nicht aufgeben. Er bezahlte die Miete, gab Preecha ihr Geld für zwei Monate im Voraus und flog ab.
Preecha saß nun wieder alleine da und hätte eigentlich die Möglichkeit gehabt, sich auszuruhen und einfach nichts zu tun. Das war es wohl auch gewesen, was Robert von ihr erwartet hatte, als er ihr das Apartment überlassen und sie für diese Zeit im Voraus bezahlt hatte. Preecha ging es also finanziell sehr gut. Aber sie erlebte wieder einmal, dass das Nichtstun überhaupt keinen Spaß machte, wenn man dabei nicht wenigstens einige Leute um sich herumhat und so suchte sie umgehend eine Beschäftigung.
Robert war sehr früh am Morgen abgefahren und Preecha hatte sich noch einmal ins Bett gelegt. Nach zwei Stunden wurde sie wieder wach. Sie stand auf, machte das Apartment sauber und räumte auf. Sie ging alle Fernsehkanäle durch, aber es gab nichts, was sie interessierte. Dann legte sie sich noch einmal hin. Aber nur, um nach zehn Minuten wieder aufzustehen. Sie wusch die schmutzige Kleidung und setzte sich vor das Fernsehen, was sie nach einer halben Stunde wieder abschaltete. Sie lief durch das Apartment und wusste nichts mit sich anzufangen. Gegen Mittag wollte sie zu ihren Freundinnen gehen, aber ihr fiel rechtzeitig ein, dass die wohl noch schlafen. Schließlich ging sie los, um noch einige Kleinigkeiten einzukaufen, aber das dauerte auch nicht lange. Um vier Uhr hielt sie es nicht länger aus und ging die Mädchen besuchen, die tagsüber an der Bar waren. Sie blieb bis zum Schichtwechsel um sechs Uhr und fing gleich wieder an, in der Bar zu arbeiten. Nicht etwa, weil sie es finanziell nötig gehabt hätte, sondern vielmehr, weil sie nichts mit sich anzufangen wusste. Es war ihr trotz aller anfänglichen Vorsätze nicht möglich, alleine im Apartment zu sitzen und auf Robert zu warten, auch wenn er schon bezahlt hatte.
Die Tage vergingen genauso, wie früher, aber es war doch ein ganz gemütliches Leben. Preecha war mit ihren Freundinnen zusammen und das Leben in der Bar war doch recht abwechslungsreich. Sie war auch froh, dass sie finanziell so gut gestellt war, dass sie sich nicht bemühen musste, für die Nacht einen Kunden zu bekommen und da sie sich nicht viel Mühe gab, ging sie in der Woche auch nur ein- bis zweimal weg. Es waren Eintagsfliegen, die ein kleines Abenteuer suchten und kein ernsthaftes Interesse an einer Frau hatten. Aber sie brachten immerhin Geld ein.
Nach zwei Wochen bekam sie einen Brief von Robert, der ihr schrieb, dass er wohl länger in Deutschland bleiben muss, als er es vorgehabt hatte. Die Untersuchungen hatten ergeben, dass er einen Herzschrittmacher braucht und er wusste noch nicht, wann die Operation stattfinden sollte. Er hatte vorsichtshalber noch weitere zwei Monatsmieten für das Apartment und das Geld für Preecha überwiesen. Dann hatte Robert noch geschrieben, dass er in Deutschland sehr alleine sei und sich deshalb überlegt hat, dass Preecha als junge Frau sicher nicht monatelang im Apartment sitzt und auf ihn wartet. Sie sollte ihm doch einmal schreiben, wie es ihr geht und was sie macht. Dann fügte er wie beiläufig hinzu, sie könnte ja versuchen, eine vernünftige Arbeitsstelle zu finden, dass er ihr aber auch nicht böse sei, wenn sie in der Bar arbeiten würde, falls sie keine gute Arbeit finden sollte. Er würde sich auf jeden Fall freuen, sie bald wiederzusehen und wollte sofort nach der Operation kommen.
Wieder vergingen einige Wochen mit dem üblichen Betrieb. Hin und wieder einmal ein Kunde für einen Tag, zwischendurch auch einmal Kunden für zwei oder drei Tage, ein Geschäftsmann, der vier Tage blieb, aber niemand, der für eine Partnerschaft in Betracht kam. Preecha dachte noch einmal über ihr Leben nach, an die Zeit, als sie ihr Dorf verlassen hatte. Nein, es tat ihr bis heute nicht leid und sie schickte auch heute noch Geld nachhause, aber sie hatte noch nicht einmal Lust, in ihr Dorf zu fahren. Sie wusste, dass das Gesprächsthema dann wieder der Anstand wäre, dass viele Fragen auf sie zukämen, wie sie lebt und wovon sie lebt und warum sie noch nicht verheiratet ist, während es letztlich nur darum ginge, was und wie viel sie mitbringt. Dann kam das Gerede der Dorfbewohner hinzu, mit denen sie nie viel Kontakt gehabt hatte. Von ihren zwei Freundinnen hatte sie gehört, dass sie das Dorf auch verlassen hatten. Dann erinnerte sie sich an ihre Gedanken, viel Geld zu machen und einen reichen Ausländer zu heiraten. Sie musste lachen. Nein, sie war nicht reich geworden, aber sie hatte viel Glück gehabt. Sie hatte sparsam gelebt, spielte nicht, trank keinen Alkohol und rauchte nicht, so dass sie jetzt schon eine mittelprächtige fünfstellige Summe auf ihrem Konto hatte. Sie hatte es also doch schon zu etwas gebracht. Bei der Erinnerung daran, dass sie einen jungen, hübschen und reichen Ausländer hatte heiraten wollen, wurde sie etwas nachdenklich. Sie war sich gar nicht mehr sicher, ob sie überhaupt noch heiraten wollte. Aber sie wusste auch, dass sie älter wurde und etwas tun musste, denn das gesparte Geld würde nicht einmal im Dorf sehr lange reichen und es war auch nicht genug, irgendein Geschäft zu eröffnen.
Nachdem wieder einige Tage vergangen waren, stand auf einmal Werner an der Bar, mit dem sie vor langer Zeit schon einmal drei Monate zusammen verbracht hatte. Doch, sie freute sich wirklich, Werner wiederzusehen. Werner erzählte, dass es ihm in Pattaya besser gefallen hatte, als in seiner Heimat. Es war ihm dort zu kalt und er saß dauernd auf seinem Zimmer, weil es zu kalt war, um auszugehen und er hatte auch nicht gewusst, wo er hingehen konnte. In seinem Geschäft brauchte er sich kaum sehen zu lassen, das machte ein Geschäftsführer, dem er nur das Leben schwermachen konnte, ohne ihm eine wirkliche Hilfe zu sein. So hatte Werner sein Haus verkauft und seinen Hausstand aufgelöst. Die Buchhaltungsunterlagen und das Einkommen von seiner Firma konnte man ihm regelmäßig jeden Monat einmal zuschicken und er konnte auch ein oder zweimalmal im Jahr nach Deutschland fliegen und nach dem Rechten sehen. Zudem wollte der Geschäftsführer die Firma eines Tages kaufen, deshalb brauchte er sich nicht mehr viel darum zu kümmern.
Werner hatte sich seine Zukunft gut überlegt. Er wollte zunächst in ein möbliertes Apartmenthaus ziehen und zwar möglichst mit Preecha. Die kannte er schließlich schon und er war mit ihr gut zurechtgekommen. Dennoch ……………“
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Informationen über mich findet ihr in meinen Büchern, bei FB wenn ihr Euch die Mühe mach dort meine umfangreiche Chronik zu studieren (aber auch meine Kommentare, denn da teile ich sehr viel über mich mit), aber auch hier auf meinem Blog.
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